Mal sehen, ob der rüstige Jubilar seinen 100. Geburtstag bei besserer Gesundheit erleben wird als das abgelaufene 99. Lebensjahr. Die Spielvereinigung Unterhaching, gegründet 1925, hat keine gute Phase – und alle, die es mit dem Verein halten, müssen fürchten, dass das von Präsident Manfred Schwabl angekündigte Jubiläumsbier zur Frustbewältigung wahrlich nötig sein könnte.
Denn Haching ist sportlich in einer prekären Lage, liegt nach der Vorrunde auf dem letzten Tabellenplatz der dritten Liga. Und das nachdem man die Saison 2023/24 inklusive zweier Siege gegen den Erzrivalen 1860 München auf einem respektablen neunten Rang beendet hatte und ein paar Wochen vor Saisonende noch in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen war – mit dem geringsten Etat der Liga. Doch die zahlreichen Weggänge vor der neuen Spielzeit konnten auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht kompensiert werden, nach einem passablen Saisonstart folgte eine Negativserie von 15 Spielen ohne Sieg.
Der Trainerwechsel zu Beginn des Advents hat die erhoffte Trendwende noch nicht gebracht. Marc Unterberger musste just in jener Woche gehen, in der er endlich die Uefa-Pro-Lizenz erwerben sollte – ein Zeitpunkt, den mancher Anhänger für fragwürdig hält. Doch man wollte „einen neuen Impuls“ setzen, wie sich Schwabl in einer Pressemitteilung zitieren ließ.
Mit Sven Bender, zuvor Unterbergers Assistent und noch in der Vorsaison Co-Trainer bei Borussia Dortmund, übernahm ein früherer Nationalspieler die Verantwortung. Auch für ihn muss Schwabl für jedes Spiel, das er ohne diese Pro-Lizenz coacht, eine vierstellige Strafe bezahlen – wie das schon bei Unterberger der Fall war. Ob es Bender schafft, die Rot-Blauen vor dem Abstieg in die Regionalliga Bayern zu bewahren, aus der man erst 2023 unter dem jetzigen Co-Bundestrainer Sandro Wagner emporgeklettert war, wird sich zeigen.
Ebenso wird sich im ersten Halbjahr 2025 herausstellen, ob es nun doch noch etwas wird mit dem von Schwabl und seinem Vize Peter Wagstyl anvisierten Kauf des Unterhachinger Sportparkstadions inklusive der meisten Nebenplätze und Vereinsräume. Diesen Deal sehen sie bei der SpVgg als elementar für die wirtschaftliche Zukunft des Vereins an, weil man mit der Vermietung von Spiel- und Büroflächen Einnahmen generieren könnte und sich damit unabhängig von den sportlichen Meriten aufstellen will. Kurz vor Weihnachten wurde zudem bekannt, dass der Verein etwa zwei Millionen Euro einsparen und sich von Angestellten und Spielern der Reserve wird trennen müssen.
Ende Oktober segnete der Unterhachinger Gemeinderat nach jahrelangem Geplänkel einen Kaufvertrag über 7,56 Millionen Euro zuzüglich Steuern ab, versehen mit einer Frist von vier Wochen, in denen Schwabl zum Notar hätte gehen sollen, um den Kontrakt zu unterzeichnen. Das kam für die Vereinsoberen offensichtlich so überraschend, dass der Termin platzte. Wagstyl sagte: „Wir haben vor Wochen schon gesagt, dass das nichts wird. Man kann die Prüfung der umfangreichen Vertragsunterlagen nicht übers Knie brechen.“ Man sei aber „weiterhin wild entschlossen, den Deal zu realisieren“. Das dürfte umso mehr gelten, nachdem die Gemeinde kurz vor Weihnachten den Pachtzins für das Stadion um mehr als das Vierfache erhöht hat. Im ersten Halbjahr 2025 soll dann alles über die Bühne gehen.
Zumindest eine Hängepartie ist dagegen in den letzten Wochen des 99. Jahrs des SpVgg-Bestehens noch abgeschlossen worden: Die Partnerschaft mit dem FC Bayern bei der Jugendarbeit wurde unterschrieben und institutionalisiert – und spült jährlich etwa eine Million Euro in die Kasse der Rot-Blauen.

