Sportlerkarriere Zieleinlauf im Paradies

Joachim Reiter trainiert gerne am Isarkanal im Mühltal bei Straßlach.

(Foto: Privat)

Joachim Reiter war starker Raucher, ehe er das Laufen für sich entdeckte. Im kommenden Jahr organisiert er den ersten Halbmarathon in seiner Heimatgemeinde Straßlach-Dingharting

Von Iris Hilberth, Straßlach-Dingharting

Wer schon mal den Imagefilm der Gemeinde Straßlach-Dingharting angeschaut hat, der wird sich vielleicht gefragt haben, welcher Schwimmer da am Anfang und am Ende des zweienhalbminütigen Streifens so unermüdlich durch den Deininger Weiher krault.

Einmal komplett durch von Süd nach Nord pflügt Joachim Reiter durch das moorige Wasser, und man wünscht sich als Betrachter fast, es ihm gleichtun zu können. Nicht nur, weil er bei dieser Aufnahme den See ganz für sich alleine hat. Auch weil der trainierte Mann wie von einem Uhrwerk angetrieben scheinbar mühelos dahingleitet.

Glücksgefühle auf der Laufstrecke

Reiter ist Schwimmer, Radfahrer, Läufer. Ein Triathlet, ein Ironman, für den 260 Meter durch den Deininger Weiher allein von der Distanz her nicht mehr als ein Trainingsauftakt sein können. Und doch ist es für ihn mit das Größte. Die Gegend rund um Straßlach-Dingharting gilt für einen Ausdauersportler wie Reiter als Paradies, sagt er.

Beim Ironman in Hamburg schaffte es Reiter nach zehn Stunden ins Ziel.

(Foto: Privat)

Direkt vor seiner Haustür gebe es Wege und kleine Straßen für Läufer und Radler so weit und so schön, wie man sie sich nur wünschen kann. Und der Bedarf ist groß für einen wie ihn, der hundert Kilometer in der Woche läuft. Jetzt will Reiter dieses Glücksgefühl zumindest auf der Laufstrecke mit Gleichgesinnten teilen. "Eine Herzensangelegenheit", wie er sagt. Am 7. April kommenden Jahres veranstaltet er in seiner Heimatgemeinde einen Halbmarathon.

Für Straßlach-Dingharting ist das etwas Neues und ein ziemlich großes Ding. Zwar gab es hier bereits einen Volkslauf für Hobbysportler, bei dem über drei Runden gut zehn Kilometer zu bewältigen waren.

Doch 21,1 Kilometer, also wie der Name schon sagt, die Hälfte der klassischen Marathondistanz, sind eben eine andere Hausnummer. Da ist allein die Streckenfindung für den Veranstalter eine Herausforderung. Reiters erste Idee, durch sämtliche Ortsteile der Gemeinde zu laufen, ließ sich nicht umsetzen, da zu viele Straßensperrungen notwendig gewesen wären.

"Es war wie ein Puzzle", berichtet er, immer wieder habe er bei seinen Trainingsläufen die Distanzen abgemessen. Wichtig sei natürlich auch die Infrastruktur: Wo ist der Start, gibt es genügend Parkplätze, können die Teilnehmer dort duschen?

Mittlerweile steht fest: Der Lauf beginnt am Sportplatz, führt von dort über Hailafing nach Großdingharting und dann über Deigstetten und Epolding hinunter ins Mühltal, am Isarkanal entlang und wieder hinauf nach Straßlach. Sogar über den Golfplatz dürfen die Athleten laufen. "Die Strecke ist relativ flach", verspricht Reiter.

Denn den Berg, den es zu überwinden gilt, will man vom Gasthof zur Mühle wieder hinauf ans Isarhochufer, hat der Veranstalter etwas entschärft, indem er die Variante durch den Wald gewählt hat, die sich in Serpentinen hinauf schlängelt. "Nachdem ich das ausprobiert hatte, habe noch von der Strecke aus den Bürgermeister angerufen", so Reiter.

Rathauschef Hans Sienerth (parteifrei) war auch gleich angetan von solch einem Großereignis in seiner Gemeinde, "der erste Halbmarathon in der Geschichte von Straßlach-Dingharting", freut er sich, auch der Gemeinderat hat zugestimmt.

Nun ist es nicht ganz einfach als Privatperson ein solche Veranstaltung zu organisieren, bei der laut Sienerth bis zu 500 Teilnehmer erwartet werden. Joachim Reiter weiß die Freiwillige Feuerwehr als Unterstützer an seiner Seite, auch Sponsoren hat er gefunden. Doch braucht man für einen solchen Lauf viele Helfer, die auch entlang der Strecke die Teilnehmer verpflegen.

Der Ausdauersport hat sein Leben verändert

Ohne Ehrenamtliche aus Vereinen geht das kaum. So hat Reiter mit dem Sportverein seiner Heimatgemeinde einen Deal vereinbart. Die Mitglieder des SV Straßlach unterstützen ihn bei der Organisation des Halbmarathons und er gründet und betreut im Gegenzug im Verein eine Laufgruppe. "Ein gezieltes Ausdauertraining mit individuellem Drei-Monatsplan", verspricht Reiter.

Dass er sich mit so etwas auskennt, beweist sein eigener sportlicher Werdegang. "Früher war ich sehr starker Raucher", berichtet er. Vor elf Jahren dann, bei einem Dänemark-Urlaub beschloss er, sein Leben zu ändern. Und noch bevor er sich seine ersten Joggingschuhe kaufte, hatte er sich zum New York Marathon angemeldet. Tatsächlich zählte er ein Jahr später, 2008, zu den "Finishern" dieses berühmten Rennens über 42,195 Kilometer.

Der Ausdauersport habe sein Leben tatsächlich komplett verändert, sagt der 53-Jährige heute, "er hat mich zu einem anderen Menschen gemacht". Bald suchte sich Reiter neue Herausforderungen und so kam er zum Triathlon, kurze Distanzen zum Einstieg, inzwischen heißt sein Ziel Ironman: 3,5 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und zum Abschluss einen Marathon laufen. 11 Stunden und 44 Minuten hat er dafür 2014 in Roth gebraucht. Um sich für Hawaii zu qualifizieren hat das noch nicht ganz gereicht, doch irgendwann wird er dort starten, ist Reiter überzeugt, "das ist mein großer Traum".

Anmelden kann man sich bereits jetzt für den Halbmarathon am 7. April 2019 unter www.halbmarathon-strasslach.de. Außer dem 21,1 Kilometer-Rennen werden Läufe über sieben Kilometer, für Schüler über 1,5 und drei Kilometer sowie für "Zwergerl" über 500 Meter angeboten.