Spielvereinigung Unterhaching Mehr Platz im Stadion

Wenige Stunden später machte der Gemeinderat den Weg für die Sanierung der derzeit gesperrten Osttribüne frei.

(Foto: Claus Schunk)

Der Gemeinderat erlaubt der Spielvereinigung, die derzeit gesperrte Osttribüne selbst zu sanieren. Auch der Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft steht nichts mehr im Weg

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Die Zeit bis zum Saisonstart in der dritten Liga ist knapp. Die Zuschauerkapazität im Unterhachinger Stadion ist es mit derzeit 10 500 Plätzen auch, zumal in der anstehenden Spielzeit so attraktive Gegner wie die Münchner Löwen und die frühere Bundesligavereine Eintracht Braunschweig und 1. FC Kaiserslautern im Sportpark auflaufen. Der Gemeinderat hat deshalb einem Nachtrag zum bestehenden Pachtvertrag zugestimmt, der es der Spielvereinigung erlaubt, die derzeit gesperrte Osttribüne mit 4500 Plätzen im Sommer auf eigene Kosten zu sanieren. Zudem darf er Teile des Stadions "unterverpachten", was die Ausgliederung des Profibereichs in eine Kapitalgesellschaft ermöglicht.

Das Thema wurde am Mittwochabend auf Antrag der Grünen erstmals in öffentlicher Sitzung behandelt. Seit Juni hatte die Verwaltung ein Eckpunktepapier der Spielvereinigung vorliegen, in dem der Verein aufgelistet hatte, wie er sich einen solchen Deal mit der Gemeinde vorstellt. Alle Wünsche konnte und wollte die Gemeinde nicht erfüllen, doch glaubt sie, mit der nun vorliegenden Vereinbarung der Spielvereinigung eine schnelle Sanierung der Tribüne zu ermöglichen und zugleich selbst einen planbaren Investitions- und Personalaufwand zu haben. "Wir haben das Eckpunktepapier nicht als Bibel angesehen, es wird sicherlich Passagen geben, die dem Vertragspartner nicht gefallen", sagte Rathaussprecher Simon Hötzl.

Es läuft bei der Spielvereinigung Unterhaching: Am Mittwochnachmittag erreichte der Drittligist beim Testspiel in Ingolstadt ein 1:1.

(Foto: Stefan Bösl/imago)

Zuletzt hatte es die Gemeinde der Spielvereinigung ermöglicht, durch eine Ergänzung des Vertrags aus dem Jahr 2000 den Rasenplatz und einen Trainingsplatz auf eigene Kosten zu sanieren, dort Hybridrasen aufzubringen und für den Unterhalt und die Pflege zu sorgen. Große Sanierungsarbeiten, wie die Reparatur der maroden Osttribüne sind derzeit für die Gemeinde finanziell nicht zu stemmen. "Wir müssen ein Kinderhaus bauen und haben weitere dringende Pflichtaufgaben zu erledigen", so Hötzl. Auch die Personaldecke sei im Bauamt nur begrenzt, sodass die Stadionsanierung durch die Gemeinde frühestens im Jahr 2021 anlaufen könnte.

Nun hat man sich also darauf verständigt, dem Verein dieses Feld zu überlassen, allerdings gibt es einige wesentliche Änderungen im Vergleich zu den ursprünglichen Wünschen des Drittligisten. Herausgenommen wird das Sportlerheim auf der Südseite, für das Gebäude übernimmt die Gemeinde weiterhin die Instandsetzungspflichten. Die Betreiberpflichten und die erforderlichen Berechtigungen werden aber auf den Verein übergehen. Hinsichtlich des Pachtzinses und möglicher Investitionen in Flutlicht und Beschallungsanlage sprach Hötzl von einer "angemessenen Kostenteilung". Den Zugriff auf die Trainingsplätze zwei und drei sowie auf den Kunstrasenplatz, die allesamt für den Breitensport vorgesehen sind, wird die Spielvereinigung allerdings nicht erhalten. "Da wird die Gemeinde die Hand darauf haben", sagte Hötzl. Es wird also eine klare räumliche Abgrenzung innerhalb des Sportparks geben.

Wenige Stunden später machte der Gemeinderat den Weg für die Sanierung der derzeit gesperrten Osttribüne frei.

(Foto: Claus Schunk)

Das Stadion und den Trainingsplatz eins will die Spielvereinigung an eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) unterverpachten, die Haching Verwaltungs GmbH & Co.KgaA, in die sie ihre Profiabteilung ausgliedern möchte. Diese Rechtsform haben bereits andere Vereine wie Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund gewählt. "Wir brauchen finanzkräftige Investoren, um im Profifußball bestehen zu können", sagte Peter Wagstyl, Vizepräsident der Spielvereinigung. Das Thema Ausgliederung sei für den Verein "elementar", "sonst müssen wir uns auf den Breitensport zurückziehen". Die Spielvereinigung wolle allerdings auf keinen Fall "dass Geldgeber über den gesamten Verein bestimmen." Wagstyl geht davon aus, dass die Mitgliederversammlung, die der Nachtragsvereinbarung mit der Gemeinde nochzustimmen muss, den Weg so mitgeht. "Unser Vertragspartner aber bleibt die Spielvereinigung", stellte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) klar.

Die Vereinbarungen gelten bis zum Ablauf des bestehenden Vertrags am 30. Juni 2020. Dann hat der Verein eine Option auf Verlängerung um fünf Jahre. "Wir werden uns hinsetzen und besprechen, wie es weitergeht", sagte Panzer. Vereins-Vize Wagstyl strebt eine "langfristige Lösung" an. Bernard Maidment (FDP) sieht die Verlängerungsklausel sehr kritisch. Die Gemeinde habe immer Geld nachschießen müssen, sagte er: "2020 sind wir mit der Nummer durch."

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