Special Olympics:Die Welt zu Gast bei Engagierten

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Special Olympics: Im Berliner Olympiastadion wird die Eröffnungsfeier der Special Olympics 2023 stattfinden.

Im Berliner Olympiastadion wird die Eröffnungsfeier der Special Olympics 2023 stattfinden.

(Foto: Tom Weller/dpa)

Sieben Städte und Gemeinden aus dem Landkreis München nehmen Sportler mit geistiger Behinderung auf. Sie werden damit Teil des größten kommunalen Inklusionsprojekts in der Geschichte der Bundesrepublik.

Von Irmengard Gnau und Martin Mühlfenzl, Landkreis München

Alexander Greulichs Tochter hat selbst als Trainerin eine Inklusionsgruppe im Judo betreut. "Daher weiß ich, wie wichtig diese Aufgabe ist", sagt Ismanings Bürgermeister. Die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung sei eine Aufgabe, die zuvorderst immer noch vielen Ehrenamtlichen geleistet werde - aber wenn es nach dem SPD-Rathauschef geht auch von den Kommunen. Und der Sport in den Vereinen spielt dabei eine zentrale Rolle. Im kommenden Jahr kann Ismaning nun kommunales und ehrenamtliches Engagement zusammenführen, wenn die Gemeinde zusammen mit Garching, Gräfelfing, Oberhaching, Planegg, Taufkirchen, Unterföhring und dem Landkreis München Gastgeberin für die Special Olympics 2023 sein wird.

Am Dienstagabend hat die Organisation Special Olympics Deutschland (SOD) bekanntgegeben, dass der Landkreis München und die sieben Städte und Gemeinden zu den deutschlandweit 216 sogenannten Host Towns gehören; das sind Kommunen, die während der Special Olympics, die vom 12. bis 15. Juni in Berlin stattfinden, als Gastgeber fungieren und internationale Delegationen empfangen. Die SOD spricht vom "größten kommunalen Inklusionsprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik", das ein neues Miteinander stiften und Begegnungen schaffen soll.

Erwartet werden zu den Spielen 7000 Athletinnen und Athleten aus aller Welt

Die Special Olympics, im Jahr 1968 von Eunice Kennedy-Shriver, der jüngeren Schwester von US-Präsident John F. Kennedy, ins Leben gerufen, sind die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung und vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) offiziell anerkannt. Den deutschen Bundesverband SOD gibt es seit 1991, ihm gehören etwa 40 000 Menschen an. Die Spiele in Berlin sind die 16. Weltspiele, erwartet werden etwa 7000 Athletinnen und Athleten aus 170 Ländern, die in 26 Sportarten antreten.

Die Freude, dass der Landkreis und die Kommunen mit dabei sind, ist Christopher Redl anzuhören. "Wir freuen uns natürlich sehr, es war ein langes Ringen und Warten", sagt der Leiter der Abteilung Soziales im Garchinger Rathaus. Als Host Towns werden die Landkreiskommunen nicht nur die Delegation internationaler Sportlerinnen und Sportler im Vorfeld der Wettkämpfe aufnehmen, sondern ihnen auch die Region zeigen und mit ihnen den Austausch leben. Außerdem soll der inklusive Gedanke weitergeführt und in die breite Gesellschaft hineingetragen werden, etwa durch gemeinsame Sportaktionen.

Jede Kommune stellt selbst ein besonderes Programm auf die Beine. "Wir haben im Hintergrund schon mit dem Behindertenbeirat der Stadt Überlegungen angestellt - schön, dass wir jetzt konkret werden können", sagt Redl aus Garching. Für den kommenden Sommer will die Stadt gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt, dem Verein Lebendiges Garching und dem VfR Garching ein inklusives Sportevent veranstalten, quasi als Probelauf für ihre Host-Town-Aufgabe im nächsten Jahr.

Auch Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) ist begeistert. "Wir haben schon auf die Entscheidung hin gefiebert", sagt er. Unterföhring hat bereits Erfahrung in Fragen der Barrierefreiheit, etwa als Ausrichterin des "Degeth-Festivals" für Theater in Gebärdensprache. Nun freut sich die Gemeinde, mit Partnern und Vereinen ein Programm für die Delegationen der Athleten mit geistiger Behinderung auf die Beine zu stellen.

Für Landrat Christoph Göbel (CSU) ist die Teilnahme am Host-Town-Programm ein "Meilenstein" auf dem Weg des Landkreises, wenn es darum geht, die Ziele der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen umzusetzen. Und der Landkreis, in dem mehr als 38 000 Menschen mit einer Behinderung leben, was etwa elf Prozent der hier Lebenden entspricht, schreibe die Inklusion ohnehin sehr groß, so der Landrat. Diese sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. "Ich finde, es steht unserem Landkreis gut an, sich in seiner Vielfalt den internationalen Delegationen zu präsentieren und zu zeigen, wie weltoffen und wie divers wir sind", betont Göbel. Sigrid Karl, der Behindertenbeauftragte des Landkreises, ist der Ansicht, ohne die Unterstützer, die Behindertenbeiräte, Vereine und Initiativen wäre die Teilnahme an dem Programm gar nicht möglich.

Umgesetzt werden soll es vor allem in den teilnehmenden sieben Kommunen. "Auch wir werden uns Gedanken machen, mit den Vereinen, mit den Schulen", sagt Ismanings Bürgermeister Greulich. "Wir freuen uns, mit an Bord zu sein."

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