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Unterbezirk München-Land:Die SPD ist tief gespalten

Beim Keferloher Montag 2018 passte es noch: Heute verbindet Natascha Kohnen, Annette Ganssmüller-Maluche und Bela Bach (v. li.) nur wenig. Anders als Münchens OB Dieter Reiter sind sie politisch auch abgemeldet.

(Foto: Claus Schunk)

Querelen belasten die politische Arbeit der Sozialdemokraten im Landkreis München. Der Rückzug der führenden Figuren Natascha Kohnen und Bela Bach aus der ersten Reihe könnte eine Chance sein.

Von Martin Mühlfenzl, Landkreis

"Hätte sie nur geschwiegen ...", sagt ein Sozialdemokrat aus dem Landkreis. Namentlich will er nicht genannt werden, aber selbst schweigen will er nicht. "Dumm" und "kindisch" sei die Aktion gewesen; ebenso "unnötig" und "parteischädigend". Es geht um einen Post der scheidenden SPD-Bundestagsabgeordneten Bela Bach, die vor etwas mehr als einer Woche nach der Wahl des neuen Vorstands der Bayern-SPD der bisherigen Vorsitzenden Natascha Kohnen nahegelegt hatte, sie könne sich nun "voll und ganz auf ihr Amt als Schriftführerin der SPD-Fraktion im Kreistag München konzentrieren". Es war ein letzter vergifteter Abschiedsgruß - und Beweis dafür, dass in diesem Kreisverband alte Konflikte noch immer nicht beerdigt sind.

Seit Jahren schwelen in der Kreis-SPD Auseinandersetzungen, die auch immer wieder ihren Weg an die Öffentlichkeit finden. Protagonistinnen sind auf der einen Seite Bela Bach und die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche, auf der anderen Seite die Landtagsabgeordnete Natascha Kohnen. Nach der Landtagswahl im Jahr 2018, bei der Ganssmüller-Maluche als Kandidatin im Stimmkreis Nord den Einzug ins Maximilianeum verpasst hatte, machte sie unverhohlen die damalige Landeschefin dafür verantwortlich; sie bezeichnete Kohnen als "nackte Kaiserin", der die Getreuen wie "Lemminge" hinterherliefen. Seitdem ist das Tischtuch zwischen beiden zerschnitten.

Bela Bach legt im Gespräch mit der SZ sogar noch einmal nach. Zwar sagt die Planeggerin, sie wisse nicht, ob sie den Post so noch einmal veröffentlichen würde, mit Kritik an Kohnen aber spart sie nicht. Dass die Bayern-SPD und auch der Kreisverband München-Land "tief gespalten" seien, habe Kohnen zu verantworten. Unbequeme Wortführer, zu der sie sich selbst zählt, seien zu Kohnens Zeit als Vorsitzende nie einbezogen worden. Als sie selbst noch Chefin des Kreisverbands war, so Bach, habe es immer wieder "gezielte Attacken" gegeben, Vorstandssitzungen seien torpediert worden. Die 30-jährige Bach macht Kohnen, den Bezirksvorsitzenden Florian Ritter und auch Teile der Jusos direkt dafür verantwortlich, dass sie bei der Listenaufstellung für die Bundestagswahl durchgefallen ist. Auf all diese Vorwürfe reagiert Natascha Kohnen, wie sie es in den vergangenen Jahren immer getan hat: Sie schweigt.

Nun stellt sich die Frage, wie der Kreisverband und vor allem die Kreistagsfraktion, in der Bach, Kohnen und Ganssmüller-Maluche zusammen sitzen, überhaupt vertrauensvoll weiter zusammenarbeiten sollen. Mit Blick auf die Wahl des neuen Vorstands der Bayern-SPD und Bachs Reaktion sagt der Chef des Unterbezirks München-Land und der Kreistagsfraktion, Florian Schardt: "Den Siegern gratuliert man, den Unterlegenen zollt man Respekt, und den Scheidenden spricht man Dank aus." So verstehe er einen respektvollen Umgang miteinander. Bachs Attacke auf Kohnen kommentiert er nicht, nur so viel: Unstimmigkeiten sollten intern geklärt werden. Schardt will nach vorne blicken: "Wir haben uns als Fraktion gut aufgestellt und wollen inhaltlich gute Arbeit leisten."

Von einer "vertrauensvollen Arbeit" in der Kreistagsfraktion spricht auch Bela Bach. Aber: "Nein, mit Natascha Kohnen spreche ich nicht." Dass die Fraktion dennoch funktioniere, liege vor allem an der Arbeit des neuen Vorsitzenden Schardt, sagt sie. Gleichzeitig kündigt sie aber ihren Abschied aus der Kommunalpolitik an. Es sei derzeit "sehr wahrscheinlich", so Bach, dass sie mit dem Ende ihrer Zeit als Bundestagsabgeordnete auch ihr Kreistagsmandat niederlegen werde.

Bis dahin hat die ehemalige Landrätin Johanna Rumschöttel einen Rat für ihre Partei: "Vertragt euch." Streitigkeiten und Nachtreten seien kontraproduktiv, sagt Rumschöttel. "Ihr müsst euch zusammenraufen", appelliert sie an ihre Parteifreunde. Die nächste Gelegenheit, in diesem Sinne Einigkeit zu demonstrieren, bietet sich am Donnerstag, 6. Mai. Dann nominiert die Partei einen neuen Direktkandidaten für die Bundestagswahl. Einziger Bewerber für die Nachfolge Bela Bachs ist derzeit der 32-jährige Planegger Korbinian Rüger. Er soll auf einer Online-Veranstaltung nominiert werden.

© SZ vom 03.05.2021
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