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SPD:Kraft für die Herkulesaufgabe

Ramona Greiner

Ramona Greiner führte die SPD in Grünwald, bevor sie nach Unterhaching zog. Uli Grötsch will sie zur Generalsekretärin machen, wenn er Landesvorsitzender wird.

(Foto: Susie Knoll/dpa)

Ramona Greiners Kandidatur als Generalsekretärin der Landespartei begeistert viele Genossen - aber nicht alle.

Von Iris Hilberth und Martin Mühlfenzl, Unterhaching

Wenn man als SPD-Mitglied in Bayern in der Politik etwas werden will, braucht man einen langen Atem. So viele Jobs sind da nicht zu vergeben. Eine, die das schon häufiger zu spüren bekam, ist Ramona Greiner, promovierte Kunsthistorikerin, Start-up-Gründerin und im Vorstand der Kreis-SPD aktiv. Ein Mandat hat sie bisher nicht, ihre Kandidaturen für den Bezirks- und den Kreistag waren beide nicht erfolgreich. Innerhalb der Partei kann es aber dann doch ganz schnell mit einem Amt gehen: Seit dieser Woche ist Greiner als Generalsekretärin der Bayern-SPD im Gespräch. Greiners Ortsverein Unterhaching ist begeistert. Andere reagieren zurückhaltend.

In Personalangelegenheiten, die ihre eigene Nachfolge und damit auch das Amt des Generalsekretärs betreffen, will sich die noch amtierende SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen nicht einmischen. "Niemand braucht Kommentare von der Seitenlinie, Deshalb halte im mich komplett raus", sagt die Neubibergerin, die von 2009 bis 2017 Generalsekretärin der Landespartei war und seit 2017 deren Vorsitzende ist. Das Amt der Generalsekretärin erfordere "vor allem viel Geduld, Energie und eine große Liebe zu dieser Partei", sagt Kohnen. Ob Ramona Greiner all dies mitbringe, will sie nicht bewerten. Kohnen attestiert ihr aber ein hohes Maß an Kompetenz, wenn es um das Thema Digitalisierung geht. "In diesem Bereich ist sie wirklich fit, und es gibt in der Partei ein großes Interesse an diesem Thema."

Allzu schlecht vernetzt in der Partei ist Greiner aber offenbar auch nicht. Uli Grötsch, der an ihrer Seite für den Parteivorsitz kandidieren wird, sei in der organisationspolitischen Kommission der Bayern-SPD auf sie aufmerksam geworden, sagt ein Parteimitglied. Jetzt will er sie an die Parteispitze in Bayern hieven.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bela Bach aus Planegg freut sich über die Nachricht, dass ihr Fraktionskollege Grötsch Greiner an seiner Seite sieht, sollte er Vorsitzender werden. Man fühlt sich nicht nur aus Juso-Runden verbunden, Greiner organisierte auch den zweiten Bundestagswahlkampf von Bach. Der war zwar nicht so erfolgreich, wie man sich das bei der Kreis-SPD erhofft hatte, denn die Kandidatin aus dem Landkreis verpasste den Einzug ins Parlament 2017 zunächst knapp und kam erst als Nachrückerin nach Berlin. "Mich verbindet mit Ramona Greiner eine langjährige intensive Freundschaft über die politische Zusammenarbeit hinaus", sagt Bach und fügt lobende Worte hinzu: "Für die Herkules-Aufgabe, einen darniederliegenden Landesverband wieder aufzubauen, verfügt sie über die richtigen Fähigkeiten." Bach wünscht Greiner daher "von Herzen alles Gute und viel Kraft".

Seit etwa einem halben Jahr gehört Greiner nach ihrem Umzug nach Unterhaching dem dortigen Ortsverein an, zuvor leitete sie den SPD-Ortsverband in Straßlach-Dingharting und Grünwald. "Wir erleben sie als sehr engagiert und gute Ansprechpartnerin in Sachen Digitalisierung", sagt die Unterhachinger Ortsvorsitzende Sabine Schmierl. Die Genossen in Unterhaching unterstützten sie in ihrer Kandidatur als Generalsekretärin "und stehen hinter ihr". Schließlich sei man auch der größte Ortsverein im gesamten Landkreis.

Wenig begeistert klingt hingegen, was die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche über ihre Parteifreundin zu sagen hat: "Ramona Greiner ist eine mögliche Kandidatin. Die endgültige Entscheidung treffen die Delegierten nächstes Jahr." Bis dahin werde sich sicher noch einiges bewegen. "Wichtig ist, dass wir zur Bundestagswahl ein überzeugendes Team haben", sagt Ganssmüller-Maluche. Auch Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich sagt, er sei gespannt, wer da noch seinen Hut in den Ring werfen werde: "Ich schaue mir das mit Interesse an." SPD-Kreischef Florian Schardt sagt, Greiner sei voller Energie und habe viele Ideen. "Den Mut zu einer Kandidatur zu haben, ist respektabel. Ramona Greiner wird sich in die Sache reinhängen."

© SZ vom 04.12.2020/hilb
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