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Sozialpolitik:Zentrale Beratungsstelle zur Pflege

CSU und Grüne setzen die Schaffung einer neuen Einrichtung für den Landkreis auf die Agenda

Von Stefan Galler, Landkreis

Die Meinung der Verwaltung wurde klar und eindeutig formuliert: Man sehe keine Notwendigkeit zur Einrichtung eines Pflegestützpunktes im Landkreis, teilte die Fachbereichsleiterin Betreuung und Senioren im Landratsamt, Susanne Frank, während der Sitzung des Sozialausschusses am Montag in Gräfelfing mit. Und das liege daran, dass die 29 Städte und Gemeinden bereits "ein sehr gutes Netz an Anlauf- und Beratungsstellen" aufwiesen. Nachdem insbesondere die Vertreter der großen Fraktionen von CSU und Grünen in der Debatte noch einmal insistierten, dass sie angesichts der demografischen Entwicklung einen großen Bedarf sähen und man Fördermöglichkeiten nicht verstreichen lassen sollte, ließ sich Landrat Christoph Göbel (CSU) auf einen Kompromiss ein: Nun werden die Voraussetzungen geprüft, "mittelfristig" und bei entsprechender Förderung einen Pflegestützpunkt im Landkreis einzurichten. Ergänzt werden soll eine solche zentrale Beratungsstelle durch digitale Angebote.

Die Aufgaben eines solchen Stützpunkts betreffen einerseits die Bereitstellung von umfassenden Informationen zu allen Belangen der Pflege, angefangen von Rechten und Pflichten der Pflegenden laut Sozialgesetzbuch bis zur Auswahl und Inanspruchnahme von rechtlich vorgesehenen staatlichen Leistungen. Andererseits sollen hier alle für die wohnortnahe Versorgung und Betreuung zur Verfügung stehenden Hilfs- und Unterstützungsangebote koordiniert werden, und zwar im medizinischen, gesundheitsfördernden und pflegerisch-sozialen Bereich. Um das bestehende Beratungsangebot zu erweitern, hatte die CSU-Kreistagsfraktion bereits im April 2018 beantragt, einen solchen Stützpunkt zu schaffen.

Die Verwaltung berief sich neben dem aus ihrer Sicht fehlenden Bedarf und der Gefahr, Doppelstrukturen zu schaffen, auf den enormen Aufwand, den die Einrichtung mit sich brächte. Würde man etwa jene Kräfte, die derzeit in der "Aufsuchenden Seniorenberatung" tätig sind, für die Arbeit am Pflegestützpunkt weiterbilden, dann bräuchte jeder Mitarbeiter eine 400-stündige Schulung. "Und das würde bedeuten, dass die Seniorenberatung für eine ganze Zeit sehr schlecht besetzt wäre", sagte Fachbereichsleiterin Frank.

Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Florian Schardt äußerte sich bezüglich der Einrichtung eines Pflegestützpunktes zurückhaltend. Man sollte auf das zurückgreifen, was bereits vorhanden ist und erst tätig werden, wenn nachgebessert werden müsse, sagte er. "Wir stehen vor großen Herausforderungen, die nächsten Jahre werden wirtschaftlich nicht leicht. Da müssen wir sehr genau hinschauen, wo Fördergelder sind und wo Bedarf ist und wo nicht."

Landrat Göbel pflichtete Schardt bei: "So ähnlich sind auch meine Gedanken." Er musste aber feststellen, dass sich die Mehrheit im Ausschuss trotz der Argumentation der Verwaltung weiterhin für die Einrichtung eines Stützpunkts stark machte. So führte Nicola Gerhardt (CSU) an, dass es sich bei der Pflegeberatung meist um sehr persönliche Gespräche handelt, die aus Gründen der Neutralität eben nicht nur von freien Trägern, sondern auch von fachkundigen Beamten geführt werden sollten.

Gudrun Hackl-Stoll (Grüne) erwähnte konkret die Belastung von Angehörigen, wenn ein akuter Krankheitsfall in der Familie auftrete. Dann herrsche Überforderung, es bräuchte schnelle Hilfe. Ein Appell, dem das Gremium schließlich nachkam, indem es einstimmig für die mittelfristige Schaffung eines Pflegestützpunkts stimmte.

© SZ vom 12.05.2021
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