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Sozialer Wohnungsbau:Abfuhr für Genossenschaft

Unterföhrings Gemeinderat lehnt eine Beteiligung an der Awohnbau ab

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Die Gemeinde Unterföhring wird sich nicht an der Awohnbau-Genossenschaft Landkreis München beteiligen. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend mehrheitlich einen Antrag der SPD-Fraktion abgelehnt. Diese hatte für einen Beitritt der Kommune zu den Genossenschaft geworben, was allerdings nur bei der eigenen Partei sowie Manfred Axenbeck und Frank Solfrank von der CSU auf Unterstützung stieß. Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer und seine Parteifreie Wählerschaft (PWU), die zwei Grünen und die Mehrheit der CSU wollten sich von der Sinnhaftigkeit einer Mitgliedschaft nicht überzeugen lassen.

Im Gremium wurde leidenschaftlich diskutiert: Die SPD sieht in der 2013 gegründeten Awohnbau-Genossenschaft eine weitere Plattform, um für Menschen mit geringerem Einkommen Wohnungsangebote zu schaffen, die für diesen Personenkreis bezahlbar sind, wie ihr Fraktionsvorsitzender Philipp Schwarz sagte. Er verwies darauf, dass sich bereits mehrere Kommunen im Landkreis München genau aus diesem Grund der Genossenschaft angeschlossen hätten, wie etwa Unterschleißheim, Kirchheim, Putzbrunn und Hohenbrunn, und mit Ismaning und Neuried weitere einen Beitritt planten. Unterföhring solle sich da anschließen und könne das als wohlhabende Gemeinde auch, wenn man sich die Einlage in Höhe von 27 500 Euro ansehe.

Als investierendes Mitglied habe die Kommune viele Vorteile von der Genossenschaft: So könne man sich langfristig eine faire Dividende sichern und als Mitglied in der Genossenschaft selbst mitgestalten und mitsprechen. Außerdem können Bürgerprojekte wie Mehrgenerationenhäuser und Seniorenwohnprojekte besser gefördert werden, sagte Schwarz. Und das Beste aus SPD-Sicht: Die Gemeinden könnten sich mit der Mitgliedschaft in der Genossenschaft bezahlbaren Wohnraum für ihre Angestellten, Erzieher und Pflegepersonallangfristig sichern.

Grünen-Gemeinderätin Gisela Fischer hält nach eigenen Angaben Genossenschaftsprojekte zwar für sinnvoll, stellte aber die Frage, warum sich Unterföhring ausgerechnet der Awohnbau anschließen solle - einem Unternehmen, das es erst seit ein paar Jahren gebe und das wenig Erfahrung habe. Sie plädierte dafür, eher einer erfahrenen Genossenschaft beizutreten, wie etwa dem Münchner Verein für Volkswohnungen, der am Ort ebenfalls Gebäude habe.

Ähnlich argumentierten Betina Mäusel von der CSU sowie die PWU-Gemeinderätin Marianne Rader: Unterföhring solle aus eigener Kraft Wohnungen für seine Bürger schaffen, man wisse ja nicht, wie sich das Unternehmen entwickle und sich die Mieten gestalteten. Zudem fehlten Referenzobjekte, sagte Gertrud Mörike (PWU) und betonte, dass der Gemeinderat verantwortungsvoll mit Steuergeld umgehen müsse, selbst wenn es sich um nur knapp 30 000 Euro als Einlage in die Awohnbau handle. Thomas Weingärtner (SPD) traute seinen Ohren nicht: "Es ist ein Skandal, wie hier argumentiert wird." In der Vorinformation für den Gemeinderat am Anfang der Woche seien all diese Fragen beantwortet worden, erinnerte er. Sein Parteikollege Andreas Post bezeichnete die Investition von 27 500 Euro als "überschaubar" - und in jedem Fall gut angelegt. Schließlich bekäme Unterföhring durch eine Mitgliedschaft bei der Awohnbau "eine zusätzliche Option" für den Wohnungsbau. Argumente, die nicht verfingen.

© SZ vom 11.11.2017

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