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Sozialdemokraten:Florian Schardt soll Kreis-SPD führen

Für die bisherige stellvertretende Vorsitzende Annette Ganssmüller-Maluche (links) ist im Personaltableau von Natascha Kohnen für den Unterbezirksvorsitz kein Platz.

(Foto: Robert Haas)

Landesvorsitzende Kohnen düpiert die stellvertretende Landrätin Ganssmüller-Maluche mit ihrem Personalvorschlag.

Von Martin Mühlfenzl, Ottobrunn

Die Kreis-SPD kommt nach dem angekündigten Rückzug ihrer Vorsitzenden Bela Bach nicht zur Ruhe. In einem internen Schreiben, das an alle Ortsvereine im Landkreis ging und der Süddeutschen Zeitung vorliegt, geben die Neubiberger Landtagsabgeordnete und Landesvorsitzende Natascha Kohnen, Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeier und die Fraktionschefin im Kreistag, Ingrid Lenz-Aktas, eine Wahlempfehlung für den Parteitag Anfang Juni ab: Die drei schlagen den SPD-Mitgliedern vor, den Ottobrunner Florian Schardt zum neuen Chef des SPD-Unterbezirks München-Land zu wählen.

Die Planeggerin Bach hatte am Mittwoch vergangener Woche in einer Vorstandssitzung angekündigt, nicht mehr für den Vorsitz kandidieren zu wollen. In dieser Sitzung sei ein Fahrplan erarbeitet und einstimmig beschlossen worden, der "jetzt von Einzelpersonen, auch wenn sie prominent sind, nicht eingehalten worden ist", sagt Bach. Zunächst hätten die Vorstände in den Ortsvereinen diskutieren sollen, wer für Vorstandsposten in der Kreis-SPD infrage kommen könnte. "Dann sollte am 15. Mai ein Treffen der Interessierten stattfinden und spätestens am 3. Juni, zwei Tage vor dem Parteitag, hätten alle Kandidaturen stehen sollen." Sie selbst, sagt Bela Bach, sei daher vom Vorgehen des Trios um Natascha Kohnen "sehr überrascht worden".

Kohnen, Bachs Vorgängerin im Amt der Kreisvorsitzenden und zuletzt wieder deutlich präsenter im Unterbezirk, argumentiert, dass die Zeit dränge. Die SPD müsse sich "zügig und konstruktiv auf eine neue Teambildung" verständigen, heißt es auch in dem Schreiben an die Ortsvereine. "Es sind mehrere Mitglieder aus den Ortsvereinen auf uns zugekommen, wir haben uns zusammengesetzt und uns Gedanken gemacht, wie wir uns im Team am besten aufstellen können", erläutert Kohnen und betont, dass die Liste "nur ein offener Vorschlag" sei und nicht bedeute, dass es keine weiteren Bewerber geben könne.

Stellvertreterposten für Edwin Klostermeier

Florian Schardt, früher bei der SPD in Neubiberg und Geschäftsführer eines Unternehmens in München, sei "eine sehr interessante Personalie", sagt Kohnen. Ihm sollen dem Vorschlag zufolge Putzbrunns Bürgermeister Klostermeier, die Grünwalderin Ramona Greiner und Florian Spirkl als Stellvertreter zur Seite gestellt werden.

Schardt ist aber nicht der einzige Name, der bereits für Bachs Nachfolge gehandelt wird. Die derzeitige stellvertretende Vorsitzende der Kreis-SPD und stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche hat bereits vergangene Woche erklärt, dass sie zur Verfügung steht - allerdings nicht in einer Kampfkandidatur. Dabei bleibe es auch, bekräftigte die Ismaningerin am Donnerstag. Dass sie selbst nicht auf der Vorschlagsliste Natascha Kohnens steht, will Ganssmüller-Maluche nicht kommentieren. Sie werde aber wieder für den Vorstand der Kreis-SPD kandidieren. "Natürlich. Ich mache seit vier Jahren gute Arbeit, ich habe Ideen und ich will, dass wir über Inhalte reden", sagt Ganssmüller-Maluche. "Und ich habe auch nicht erklärt, dass ich mich aus dem Vorstand zurückziehe", so die Ismaningerin weiter. "Und ich will, dass wir die Basis, die ich sehr ernst nehme, miteinbeziehen." Daher wäre ihrer Ansicht nach die Reihenfolge die richtige gewesen, bei der die Ortsvereine hätten mitdiskutieren können.

Dass dies weiterhin möglich ist, glaubt indes Edwin Klostemeier, der vor allem seine "Erfahrung als Bürgermeister" einbringen möchte. Mit dieser "sehr guten Liste" solle "keine Person verhindert werden", beteuert er. Auch Annette Ganssmüller-Maluche könne sich jederzeit für den Vorstand des Unterbezirks bewerben. "Es ist nicht so, dass hier Druck aufgebaut worden ist. Sondern wir werden das in der SPD intensiv diskutieren", sagt Klostermeier. Dass in Florian Schardt, 38, und Ramona Greiner, 31, nun Jüngere mehr Verantwortung übernommen könnten, befürwortet er: "Wir als SPD müssen diesen Personenkreis auch abbilden."

Dass mit dem Vorschlag zum personellen Umbau des Unterbezirksvorstands weitreichendere Veränderungen erfolgen könnten, dementierte Natascha Kohnen am Donnerstag. Die Frage, ob es sie Richtung Bundestag ziehen könnte und Ramona Greiner und Florian Schardt für Landtagskandidaturen in den beiden Stimmkreisen im Landkreis vorbereitet werden sollen, bezeichnet Kohnen als "Unsinn".

© SZ vom 03.05.2019
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