Söder in Kirchheim Treffen in der Mitte

Darauf trinken wir einen: Bürgermeister Maximilian Böltlt, der CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidensbusch und Ministerpräsident Markus Söder (von rechts) stoßen auf 40 Jahre Kirchheim an.

(Foto: Claus Schunk)

Kirchheim und Heimstetten feiern ihre Vereinigung vor 40 Jahren, und der Ministerpräsident kommt zum Gratulieren. Horst Seehofer ist zwar nicht anwesend, aber doch irgendwie präsent.

Von Martin Mühlfenzl, Kirchheim

Nachwuchskicker des SV Heimstetten geleiten den Ministerpräsidenten in Richtung Bühne. Sie tragen natürlich alle ihre Trikots, Markus Söder soll schon sehen, bei welchem Klub sie von der großen Karriere träumen. Aber die Farbe der Trikots - ist das etwa der erste ernsthafte Protest gegen den Landesvater, bevor der überhaupt mit seiner Rede begonnen hat? Unwahrscheinlich, aber doch ein hübscher Zufall. Hat doch die Kirchheimer SPD dazu aufgerufen, beim Festakt anlässlich des Zusammenschlusses der Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten vor 40 Jahre Rot zu tragen, um denen symbolisch die "rote Karte" zu zeigen, "die Trennendes in unsere Gesellschaft bringen".

Allzu viel Rot ist an diesem Samstagabend im Festzelt auf dem alten Volksfestplatz aber nicht zu sehen. Hier eine rote Weste bei den Trachtlern, da eine rote Schürze zum Dirndl und eine in rot gekleidete stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche von der SPD, die vor Söders Auftritt sagt, sie erhoffe sich vom Ministerpräsidenten eine "versöhnliche, landesväterliche Rede".

Es wird eine Lobeshymne auf Bayern und ein Wahlkampfrede. Mehr als tausend Kirchheimer, Heimstettener und viel Prominenz haben sich im Festzelt eingefunden. Darunter auch zahlreiche Gäste aus Kirchheims europäischen Partnergemeinden. Und eben der Ministerpräsident. Bevor er spricht, ist es an Bürgermeister Maxililian Böltl, einen Blick zurück auf die vergangenen 40 Jahre zu werfen - und vor allem auf die kommenden. Kirchheim ist eine der prosperierendsten Kommunen der Landkreises, eine mit einem vielfältigen und vitalen Vereinsleben. 40 Jahre nach der Zwangsheirat bekommt sie eine neue Ortsmitte als verbindendes Element. Heimat wird hier groß geschrieben, die Kommune versteht sich auch als eine sehr moderne, offene, in der sich jeder zuhause fühlen soll.

Gefeiert wird die Vereinigung gleich über vier Tage hinweg, der Festakt ist natürlich der Höhepunkt. Markus Söder verliert ein paar nette Worte über seine "Freunde" hier - die CSU-Granden Ernst Weidenbusch, Christoph Göbel, Florian Hahn und Maximilian Böltl. Also den Landtagsabgeordneten, Landrat, Bundestagsabgeordneten und Bürgermeister. Ein Name kommt ihm den ganzen Abend lang nicht über die Lippen: Horst Seehofer. Nur so viel: In Berlin möchte er, also Söder, nicht sein.

Nur, das Chaos der vergangenen Wochen hat sich ja nicht einfach in Luft aufgelöst. Der unerbittliche Streit zwischen CSU und CDU, zwischen Innenminister Horst Seehofer und Kanzlerin Angela Merkel in der Asylpolitik. Darauf angesprochen sagt Ernst Weidenbusch, es sei richtig gewesen, in der Sache hart zu bleiben. "Aber der Ton. Ob das so sein musste", sagt er. Der Ton. Daran stören sich so einige im Bierzelt. CSU-Kreisrat Helmut Horst sagt, so dürfe "nicht miteinander umgegangen werden". Auch wenn die CSU viel erreicht habe. "Ich glaube, dass die Schwestern jetzt wieder zueinander finden, aber die Art muss sich ändern.

Von Markus Söder ist danach jene Rede zu hören, die er in diesen Tagen immer wieder hält: Freiheit ist ohne Sicherheit nicht denkbar. Schutz und Unterstützung der "einheimischen Bevölkerung". "Barmherzigkeit" für Menschen, die hier Schutz suchen, aber keine Unterstützung für Abgelehnte oder Straftäter. Und immer wieder: Deutschland geht es gut, weil es Bayern so gut geht. "Da wäre auch mal ein Danke angebracht", sagt der Ministerpräsident.

Sätze, die auch sein Vorgänger genau so immer wieder gesagt hat. Doch der ist bei manchem an der Basis unten durch. Untragbar sei Seehofer mittlerweile, sagt einer von der Jungen Union. Klar erkennbar durch das Logo am Revers. "Sich so aufführen. Rücktritt, dann Rücktritt vom Rücktritt. Das geht nicht mehr." Die ehemalige Kreisbäuerin und Kreisrätin Maria Knoller sagt, es müsse wieder zusammengearbeitet werden, es gehe um die Sache. Maximilian Böltl will an diesem Samstag eigentlich nur feiern. Mit Blick auf seine Partei in Berlin sagt er nur: "Das war sicher verbesserungswürdig." Dann stößt er mit dem Ministerpräsidenten an - auf 40 Jahre "Miteinander". In Kirchheim.