Noch herrscht entspannte Leere auf der Plaza de Espana in Adeje. Nur die Vormittagssonne Teneriffas flutet den Platz zwischen der Kirche von St. Ursula und dem Rathaus an der Calle Grande, der Hauptstraße von Unterhachings südlichster Partnerstadt. Die Männer, die hier die Bühne für den Jahreswechsel aufgebaut haben, sind gerade mit ihrer Arbeit fertig geworden, der Bürgermeister lehnt sich gegenüber im kleinen Café zufrieden zurück. Es ist alles vorbereitet für Silvester. Am Turm neben der Bühne sind die grünen und roten Lämpchen angebracht, mit denen Adeje den vielen Gästen, die an diesem Montag hier die Nacht durchtanzen werden "Feliz 2019" wünscht. Die Parkverbotsschilder in den umliegenden Straßen stehen bereits.
Spätestens um Mitternacht, wenn die Glocken von St. Ursula das neue Jahr einläuten, kommen Einheimische wie Touristen hier im Zentrum zusammen, Bands werden auf der Plaza bis früh morgens um fünf oder auch sechs auftreten. Und jeder, der mitfeiert, erhält von der Stadt eine Geschenktüte mit kleinen Dingen, die den Spaß sichtbar und hörbar machen: Papphütchen, lustige Brillen, Luftschlangen und Tröten. Die wichtigste Dreingabe aber sind zwölf Weintrauben. Die gilt es zu Beginn des neuen Jahres zu essen, eine nach der anderen, bei jedem Glockenschlag. Das soll Glück bringen. Und wenn es nicht gelingt? Carmen Rosa Gonzalez Cabrera lacht. "Macht auch nichts. Aber irgendwie klappt das immer", sagt sie. Carmen Rosa ist Hauptamtsleiterin im Rathaus von Adeje und hat noch einen Tipp für diesen Brauch:"Man darf dabei nicht lachen!" Bevor aber die Menschen in Adejes Zentrum zusammenkommen, werden sie mit Familie oder Freunden gut gegessen haben. Adeje sei sehr international, auch bei den Speisen und Bräuchen, sagt Carmen Rosa, "bei uns wohnen Menschen aus 120 Nationen", ergänzt Zebenzui Chinea. Er ist in Adeje für die Partnerstädte zuständig. Und er sagt auch: "Wir versuchen natürlich unsere kanarischen Traditionen zu erhalten."

Kulinarisch gehören dazu vor allem Schwein, Fisch und Kaninchen. Bekannt ist Teneriffa auch für seine Vielzahl an Kartoffeln. Besonders beliebt sind die kleinen Runzligen, die mit der Schale in Salzwasser gekocht und mit pikanter Soße, Mojo Ciltantro und Picon, serviert werden.
Die drei Könige schweben ein
Nach Silvester steht Adeje indes noch das größte Fest zum Jahreswechsel bevor. An Weihnachten nämlich wird zwar in der Familie auch gut gegessen und gemeinsam der Gottesdienst besucht. Geschenke aber gibt es erst am 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige. Am Abend zuvor erwarten die Menschen auf Teneriffa die Ankunft der Könige per Hubschrauber im Fußballstadion. "5000 bis 6000 Leute werden dort sein", sagt Zebenzui Chinea. Dann geben die Kinder ihnen ihre Wunschzettel und der Bürgermeister händigt den "magischen Schlüssel" aus, mit dem sie Zutritt zu allen Häusern haben sollen, um die Geschenke dort abzulegen. Aber so weit ist es noch lange nicht. Es folgt ein großer Umzug durch die Stadt, an dem sich alle Vereine und Institutionen von Adeje beteiligen. Voran fährt die Feuerwehr und in den letzten drei Wagen die Heiligen Könige, die Bonbons in die Menge am Straßenrand werfen. Am Morgen des 6. Januar dürfen dann die Geschenke ausgepackt werden. Es gibt ein großes Frühstück für die ganze Familie und traditionell den "Roscon de Reyes". Dieser mit Creme gefüllte Kranz-Kuchen hat es in sich. Eingebacken sind nämlich eine kleine Königsfigur und ein Bohne. Wer den König findet, darf sich die mitgelieferte Pappkrone aufsetzen. Wer auf die Bohne beißt, muss den Kuchen zahlen.
