Silvestertraditionen:"Ich habe mich bei vielen Sachen erwischt"

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Bleigießen ist out - das ist eine der überraschenderen Erkenntnisse der Studie. (Foto: Angelika Bardehle)

Katrin Schein von der Bundeswehruniversität hat untersucht, wie die Deutschen den Jahreswechsel begehen - und sich selbst oft wiedererkannt.

Von Anna-Maria Salmen, Neubiberg

Zum zweiten Mal wird der Silvesterabend nicht so ablaufen, wie viele es gewohnt sind: Auch für Geimpfte gelten Kontaktbeschränkungen, Feuerwerk ist verboten. Doch wie feiern die Deutschen überhaupt Silvester? In ihrer repräsentativen Weihnachtsstudie haben Philipp Rauschnabel, Professor für Digitales Marketing und Medieninnovation, und Doktorandin Katrin Schein von der Universität der Bundeswehr in Neubiberg 1166 Deutsche befragt, erstmals waren heuer auch die Silvestertraditionen Thema. Die SZ sprach mit Schein über die Erkenntnisse und die Arbeit an der Studie.

SZ: Sekt, gutes Essen, Feuerwerk und der Sketch "Dinner for One" sind den Deutschen Ihrer Studie zufolge wichtig an Silvester - keine große Überraschung, oder?

Katrin Schein: Es ist tatsächlich vieles herausgekommen, mit dem wir gerechnet haben, zum Beispiel das gute Essen. Tanzen und Partys sind dagegen eher für Jüngere wichtig. Etwas überrascht waren wir davon, dass Traditionen wie Wachs- oder Bleigießen keine große Bedeutung mehr haben. Und dass "Dinner for One" immer noch so beliebt ist, auch bei den Jüngeren, hätten wir nicht erwartet.

Decken sich die Ergebnisse der Studie denn mit Ihren eigenen Vorlieben?

Ich habe mich bei vielen Sachen erwischt und einiges entdeckt, was sich auch mit meinen Vorlieben deckt. Gerade das selbst abgeschossene Feuerwerk: Wir haben in der Studie herausgefunden, dass Frauen da eher vorsichtig sind, Männer weniger. Das ist bei uns in der Familie genauso, ich schaue lieber zu als selbst zu schießen.

Wenn man sich beruflich schon im Vorfeld so intensiv mit Festen wie Weihnachten oder Silvester beschäftigt: Hat man dann überhaupt noch Lust, selbst zu feiern?

Man freut sich trotzdem genauso. Die Arbeit an der Studie macht schon Vorfreude, gerade jetzt, wo vieles einfach nicht geht. Da hilft die Studie sehr, in diese Stimmung einzutauchen. Manchmal sind sogar inspirierende Aspekte dabei.

Zum Beispiel?

Ich wurde vor allem in Bezug auf das Essen inspiriert, gerade an Weihnachten. Sonst habe ich immer zu denen gehört, die jedes Jahr das Gleiche essen. Aber dank der Studie entdeckt man auch mal Alternativen.

Katrin Schein, 31, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Universität der Bundeswehr. (Foto: privat)

Bei solchen Festen handelt es sich ja um angenehme Themen. Geht die Arbeit dabei leichter von der Hand als bei ernsteren Dingen?

Es ist vor allem eine schöne Abwechslung, sich einen Monat lang auch mit einem ganz anderen Thema zu beschäftigen. Für viele Menschen sind die Feste etwas Schönes, deswegen bekommen wir auch immer viel positives Feedback. Und dann macht es natürlich auch Spaß, die Ergebnisse auszuwerten und zu sehen, ob man selbst ähnlich feiert wie der Durchschnitt.

Der Dezember steht ganz im Zeichen der beiden Feste. Was erforschen Sie denn in den restlichen elf Monaten des Jahres?

Ich beschäftige mich sonst mit Augmented Reality und damit, wie sich diese Technik auf das Verhalten von Konsumenten auswirkt, wie sie solche Apps wahrnehmen und wie Unternehmen das nutzen können. Das ist auch sehr spannend, weil Augmented Reality sich gerade stark verbreitet.

Gibt es vielleicht nächstes Jahr auch eine Studie zu Ostern oder Geburtstagstraditionen?

Das können wir gerne mal so mitnehmen. Aber gerade Weihnachten und Silvester sind große Feste, die auch für alle zum gleichen Zeitpunkt relevant sind. Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr wieder ohne Corona-Fragen arbeiten können. Da wird es auch interessant, ob sich manche Traditionen nachhaltig verändern - zum Beispiel das Feuerwerk. Wir haben in der Studie festgestellt, dass es neben dem Verkaufsverbot auch andere Gründe dagegen gibt, wie den Umwelt- oder Tierschutz. Gerade jüngere Menschen sind offen für Alternativen wie Drohnenshows. Vielleicht wird es das in Zukunft öfter geben.

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