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SZ-Schulratgeber:Geborgenheit gegen Gebühr

Um dem Leistungsdruck staatlicher Schulen zu entfliehen, gehen viele Schüler aus dem Landkreis auf Privatgymnasien. Dort werden sie auch am Nachmittag intensiv betreut. Doch das Rundum-sorglos-Paket hat seinen Preis

Von Konstantin Kaip, Pullach

Das Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrum im Pullacher Ortsteil Höllriegelskreuth ist eine Parallelwelt in der Schullandschaft des Landkreises: Die altehrwürdigen Gebäude des ehemaligen jesuitischen Berchmanskollegs an der Wolfratshauser Straße beherbergen Kindergarten, Volksschule, Realschule und Gymnasium in einem Komplex. Auf dem etwa sieben Hektar großen Gelände gibt es zudem eine Schulkirche, Fußball-, Basketball- und Beachvolleyballfelder sowie einen Abenteuerspielplatz.

Die älteste Tagesheimschule Bayerns bietet Eltern, die es sich leisten können, ein Rundum-sorglos-Paket: Vom ersten Kindergartenjahr bis zum Abitur können ihre Kinder hier ihre Wochentage verbringen. Der eigene Schulbus, der das Umland sternförmig anfährt, holt sie morgens ab und bringt sie nach der Lernzeit um 16.30 Uhr mit erledigten Hausaufgaben zurück nach Hause. "Die Eltern können sich darauf verlassen, dass ihr Kind versorgt ist", sagt der Direktor des Gymnasiums, Stefan Antoni.

In seinem Büro im zweiten Obergeschoss des Nordflügels erklärt der 44-Jährige, wie das Tagesheim funktioniert: Nach dem Unterricht und dem Mittagessen haben die Schüler Freizeit bis 15 Uhr, können spielen oder an freiwilligen Hobbykursen im sportlichen, künstlerischen und handwerklichen Bereich teilnehmen. Darauf folgt eine eineinhalbstündige Lernzeit, in der sie betreut von Erziehern die Inhalte des Unterrichts wiederholen und Hausaufgaben machen.

Pullach, Pater-Rupert-Mayer-Schulen, Bolderwürfel wird eingeweiht,

"Die Eltern können sich darauf verlassen, dass ihr Kind versorgt ist", sagt Schulleiter Stefan Antoni (Zweiter von rechts).

(Foto: Angelika Bardehle)

Auf die Trennung von Schulvormittag und betreutem Nachmittag lege die Schule besonderen Wert, sagt Antoni. Für den einen sind die 53 Lehrkräfte, für den anderen 19 Erzieher zuständig, die 16 Gymnasialklassen betreuen. "Das Tagesheim-Team ist sehr nah an den Schülern", sagt Antoni. Probleme würden frühzeitig erkannt und vom Beratungsteam aus sozialpädagogischen Tagesheimleiterin, Schullaufbahnberaterin und Schulpsychologin angegangen. Lehrer, Erzieher und Eltern stünden in ständigem Austausch. "Die Informationen fließen", sagt Antoni - und fügt hinzu, dass das nur mit einem Personalschlüssel möglich ist, der den staatlicher Ganztagsschulen weit überschreitet.

390 Euro kostet das Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium im Monat, mit Betreuung, Schulgeld, Essen und Schulbus. "Eine Summe, die man berappen können muss", wie Antoni einräumt. Den "elitären Touch", den das Gymnasium früher einmal gehabt habe, gebe es jedoch nicht mehr, betont er. Die Klientel sei heterogener geworden.

In Zeiten des G8 mit seinem hohen Leistungsdruck sind private Gymnasien eine attraktive Alternative für viele Schüler im Landkreis München. Wie viele es genau sind, dafür gibt es vom Landratsamt keine Erhebungen. Bayernweit lag laut Statistischem Landesamt der Anteil von Schülern, die eine Privatschule besuchten, im Schuljahr 2013/14 bei 14,4 Prozent, zwei Jahre zuvor waren es noch 14,2 Prozent gewesen. Privatschulen sind zunehmend gefragt, nicht nur traditionelle, christlich geprägte Einrichtungen wie die Pullacher Pater-Rupert-Mayer-Schulen oder das Benediktinergymnasium in Schäftlarn. Um auf dem Weg zum Abitur anders betreut zu werden, nehmen viele Schüler auch weite Wege in Kauf, etwa nach Holzkirchen. Das dortige Privatgymnasium besuchen laut Geschäftsführerin Dorothea Zimmermann Schüler aus Unter- und Oberhaching, Ottobrunn, Neubiberg und Sauerlach. 30 bis 40 Prozent ihrer Schüler, schätzt sie, kommen aus dem Landkreis München.

Das Privatgymnasium Holzkirchen ist eine Ganztagsschule nach dem anglikanischen System, wie Zimmermann erklärt: Der Schultag geht bis 15 Uhr, mit je einer Stunde Unterricht und einer Stunde Übung im Anschluss, bei der die Lerninhalte sofort eingeübt und vertieft werden. Jede Klasse hat zwei Lehrer, die die Schüler im so genannten "Team teaching" betreuen. Dazu gibt es immer wieder Unterrichtsstunden von Muttersprachlern auf Englisch und Französisch. 250 Euro kostet das laut Zimmermann pro Monat.

Der Grund, warum immer mehr Eltern diese Summe gerne bezahlen und ihre Kinder auf den weiten Schulweg schicken, ist für Zimmermann klar: Staatliche Gymnasien seien oftmals "zu hart" und tendierten dazu, Schüler "herauszuprüfen", sagt sie. "Es wird nicht gefördert. Wenn man eine Vier hat, interessiert das keinen." An ihrer Schule vereinbarten die Schüler vertraglich mit ihrem Lehrer, wie sie von einer Vier wieder herunterkommen können. "Wir bringen den Schülern so lange etwas bei, bis sie es verstanden haben." Die Lehrer würden jährlich von Schülern und Eltern evaluiert. "Dadurch wird die Schulqualität jedes Jahr besser", schwärmt Zimmermann, "wie in der Wirtschaft."

Das Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium in Pullach definiert sich freilich anders als das Privatgymnasium in Holzkirchen: "Wir sind kein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen", sagt Stefan Antoni. Deshalb sei eine Expansion auch nicht vorgesehen. "Wir haben 500 Schüler. Das ist das, was wir stemmen können und wollen", sagt der Direktor. Weitere 300 Schüler besuchen die Realschule im selben Komplex. Die Schulart zu wechseln ist im Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrum, das die Erzdiözese 2001 zum "Modellprojekt für ganzheitliche Schulbiografien" erklärt hat, einfach. Zwar habe es bislang hauptsächlich Übertritte vom Gymnasium in die Realschule gegeben, sagt Antoni - wegen des Vorsprungs der Gymnasiasten in Fremdsprachen. Das aber ändere sich: Denn seit vergangenem Jahr gibt es im Gymnasium nicht nur den sprachlichen, sondern auch einen naturwissenschaftlich-technologischen Zweig. "In zwei Jahren ist der Wechsel problemlos in beide Richtungen möglich", sagt Antoni. Weil die Grundschule und der Kindergarten mit einer neuen Krippe demnächst in einen Neubau auf dem Gelände ziehen werden, haben die beiden weiterführenden Schulen in Pullach bald auch mehr Platz.

© SZ vom 13.03.2015

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