Konflikte in der Freundesgruppe oder Schlägereien auf dem Pausenhof: Es gibt ganz verschiedene Gründe, aus denen Kinder bei den Seniorpartnern in School landen. Von den durch die Organisation ausgebildeten Mediatorinnen und Mediatoren erhalten sie Hilfe zur Konfliktlösung und können so lernen, Verständnis für die Bedürfnisse anderer zu entwickeln. Im sogenannten „Raum der guten Lösungen“ können die Schülerinnen und Schüler in einer wertfreien Atmosphäre über ihre Probleme sprechen.
Das SiS-Programm wurde 2001 in Berlin gegründet und hat sich in den darauffolgenden Jahren deutlich vergrößert, sodass sich Ende 2023 bereits mehr als 1674 Mitglieder in 14 Landesverbänden engagierten. Ehrenamtlich beteiligt sind größtenteils Senioren. „Die Großelterngeneration“ habe einen viel gelasseneren Blick auf die Schülerinnen und Schüler, sagt Jutta Wache, die zweite Vorsitzende des Landesverbandes Bayern. Doch auch jüngere Freiwillige, die Spaß an der Arbeit mit Kindern haben, bekommen die Möglichkeit, Mediator zu werden. In München werden aktuell 32 Schulen von Seniorpartnern unterstützt, im Landkreis München die Grund- und Mittelschule Unterhaching.
Obwohl die Seniorpartner in School mittlerweile weitverbreitet sind, fehlen der Organisation die Kapazitäten, um die wachsende Nachfrage an den Einrichtungen zu decken. „Wenn es nach den Schulen ginge, müssten wir dreimal so viele Seniorpartner ausbilden und vermitteln“, beschreibt Jutta Wache die Situation in einer Pressemitteilung. Deswegen gebe es für Schulen, die sich Streitschlichter wünschten, derzeit eine enorm lange Warteliste.
Mit den Mediationsgesprächen wird versucht, den Kindern eine Basis mitzugeben, auf der sie ihr Leben lang aufbauen können, so Mediatorin Isabella Schmittmann. Zusammen mit Christine Hohn unterstützt sie inzwischen im dritten Schuljahr in Folge Grundschülerinnen und Grundschüler bei der Konfliktlösung. Einmal pro Woche kommen die beiden Frauen als festes Team an die Grund- und Mittelschule Unterhaching und bieten Sprechstunden an. Zuvor haben sie sich bei der kostenlosen Mediator-Ausbildung kennengelernt und an anderen Schulen hospitiert.
Für Christine Hohn ist es vor allem wichtig, „den Kindern etwas mitzugeben“ und ihnen beizubringen, dass es für jeden Konflikt eine Lösung gibt. Viele Schüler lösten Probleme zuerst auf der körperlichen Ebene. Besonders bei den Jungs stehe das „Kräftemessen“ im Vordergrund, während verbale Kompetenzen noch weniger ausgeprägt seien. Bei SiS sollen die Kinder lernen, alternative Konfliktlösungen zu erarbeiten. Dabei steht laut Jutta Wache im Vordergrund, dass die Kinder lernten, ihre Streitigkeiten selbständig zu klären.
Manchmal gehen die Kinder „mit einem Leuchten in den Augen“ aus der Mediation
Deswegen werden den Kindern in den Mediationsgesprächen auch keine direkten Lösungen angeboten. Indem die Schüler selbst zu einer passenden Antwort finden, ist das Erfolgserlebnis für sie umso größer. „Sie gehen dann auch mit einem Leuchten in den Augen wieder raus“, schwärmt Christine Hohn. Die Dauer der Lösungsfindung variiere abhängig von der jeweiligen Situation sehr stark. Manche Probleme seien innerhalb einer Viertelstunde aus der Welt geschafft, bei anderen kämen Kinder über mehrere Wochen immer wieder, berichten die Mediatorinnen. Zudem gebe es auch Schüler, die zusätzliche Unterstützung benötigten und bei denen Mediationsgespräche allein nicht ausreichten. In solchen Fällen geben Hohn und Schmittmann einen Hinweis an das Lehrpersonal.
Um mit den SiS-Mediatoren in Kontakt zu kommen, können sich die Kinder von sich an die Streitschlichter wenden, oder sich an manchen Schulen über einen Briefkasten anmelden. Umgekehrt ist es aber auch möglich, dass die Lehrer oder die Mediatoren selbst den Schülerinnen und Schülern anbieten, bei Unstimmigkeiten zu vermitteln, wenn sie das Gefühl haben, dass Bedarf besteht.
Aktuell werden noch Teilnehmer für die 19. Ausbildungsstaffel gesucht, die an diesem Montag, 28. April, startet. Geeignet für die Tätigkeit als SiS-Mediator sind all jene Menschen, die eine besondere Verbindung zu Kindern haben und denen es nichts ausmacht, wenn es mal laut wird. Interessierte sollten sich außerdem darüber klar sein, dass das Ehrenamt bedeutet, sich an den Schulrhythmus anzupassen, wie Isabella Schmittmann weiß. Alle, die dazu bereit sind, können von der Aufgabe selbst profitieren. „Wenn man die Ausbildung macht, dann lernt man auch über sich und über das eigene Konfliktverhalten viel“, nennt Jutta Wache nur einen Vorteil. Teil von SiS zu werden, ebne den Weg zu einem „sinnstiftenden und freudebringenden Ehrenamt“.
Weitere Informationen zum SiS-Projekt gibt es per E-Mail an j.wache@sis-bayern.de, unter Telefon 0151/14021950 oder online unter https://www.seniorpartnerinschool.de/ueber-uns/bayern.html.

