Seniorenzentrum Der Aufzug hat Vorrang

Das Seniorenzentrum könnte theoretisch aufgestockt werden.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Gemeinderäte in Höhenkirchen-Siegertsbrunn verwerfen Aufstockung des Gebäudes

Von Bernhard Lohr, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Machbar wäre es, aber doch ziemlich teuer und aufwendig: Die Gemeinderäte in Höhenkirchen-Siegertsbrunn haben die Idee verworfen, das Seniorenzentrum "Wohnen am Schlossanger" an der Bahnhofstraße in den nächsten Jahren um ein Geschoss aufzustocken. Lediglich Antragstellerin Andrea Hanisch (CSU), hätte das Projekt gerne weiterverfolgt. Das Ingenieurbüro Berg aus Hohenbrunn hatte ermittelt, dass das Gebäude statisch ein viertes Geschoss vertragen würde. Auf etwa sechs Millionen Euro schätzte er den Bau, dessen Umsetzung inklusive Planung und Ausschreibung bis zu drei Jahre dauern würde.

Die erwartete große Baustelle bleibt den Bewohnern und dem Personal erspart. Dafür möchte die Gemeinde jetzt zügig den seit längerem für notwendig erachteten zusätzlichen Aufzug an dem Seniorenzentrum schaffen. 500 000 Euro soll der kosten und nach dem Willen des Bauausschusses so angelegt werden, dass er auch ein weiteres Geschoss erschließen könnte. Denn vollkommen ist die Aufstockung des Seniorenzentrums, hinter dem die Gemeinde als Träger steht, noch nicht vom Tisch.

Die Idee von Andrea Hanisch, in einem zusätzlichen Geschoss Platz für weitere Pflegezimmer und Personalwohnungen zu schaffen, fand über Parteigrenzen hinweg Zustimmung. Gudrun Hackl-Stoll (Grüne) fände es nach eigener Aussage "toll", wenn das Seniorenzentrum so ausgebaut würde. Doch sie habe große Zweifel, ob die Gemeinde das finanzieren können werde. Peter Guggenberger (CSU) meinte, die Gemeinde müsste sich eigentlich für die Zukunft wappnen, wenn mehr Menschen pflegebedürftig werden. Möglicherweise gebe es ja einmal einen gesetzlichen Anspruch auf einen Pflegeplatz am Ort, den die Kommunen erfüllen müssten. Das würde dann große Probleme bereiten.

Wie zu hören ist, kann das Seniorenzentrum in Höhenkirchen nicht alle Anmeldungen berücksichtigen. Die Nachfrage sei so groß, dass man sich auf Anfragen aus der Gemeinde beschränke. Dass Fachkräfte knapp sind, ist längst Gegenstand öffentlicher Debatten. Deshalb wurde jüngst auf die Einrichtung einer Tagespflege verzichtet, die eigentlich dringend benötigt wird.

Nun also auch der Abschied von einem Ausbau des Hauses: Die Rathausverwaltung empfahl dies, um den Aufzug anbauen zu können. Dies müsste ansonsten bis zur Fertigstellung des vierten Geschosses aufgeschoben werden. Die Baustelle würde die Bewohner im dritten Geschoss erheblich beeinträchtigen. Anders als die Summe für den Aufzug, die bereits im aktuellen Haushalt eingestellt ist, hätten die sechs Millionen Euro für die Aufstockung in den Jahren 2020 bis 2022 noch in den Haushalt aufgenommen werden müssen. Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) sagte, ihrer Meinung nach habe der Aufzug Priorität. Weiter legte sie sich in der Sitzung nicht fest. Der Aufzugbau wurde einstimmig beschlossen. Für die Aufstockung votierte nur Andrea Hanisch.

Sie hatte noch argumentiert, dass der Ingenieur immerhin die Machbarkeit bestätigt habe. Auch beim Brandschutz und beim Schallschutz gebe es keine Bedenken. Ein Seniorenzentrum mit dann drei Obergeschossen würde sich gut in die künftige Bauhöhe an der Bahnhofstraße einfügen. Hanisch und warb dafür, zunächst einen Architekten mit der Planung zu beauftragen. Die Umsetzung könnte ja auch später erfolgen. Doch davor warnten dann einige Gemeinderäte, wie etwa Luitgart Dittmann-Chylla (Grüne) oder Guggenberger. Denn gerade statische Berechnungen seien erfahrungsgemäß bald wieder überholt. Am Ende müsste man erneut planen lassen.