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Seniorenbeirat:Zerrüttetes Verhältnis

Im Ottobrunner Rathaus hab es zuletzt atmosphärische Störungen zwischen der Verwaltung und dem Seniorenbeirat. Letzterer hat sich mittlerweile aufgelöst.

(Foto: Claus Schunk)

In Ottobrunn löst sich der Seniorenbeirat auf; Mitglieder kritisieren mangelnde Wertschätzung. Für Bürgermeister Loderer ist das Thema abgeschlossen

Es hat schon länger rumort. Nun hat sich der Seniorenbeirat in Ottobrunn aufgelöst. Vorsitzender Axel Keller, zugleich FDP-Gemeinderat, und der Kassier sind zurückgetreten. Die drei weiteren Beiräte wollen ihre Arbeit ebenfalls nicht um eine weitere Amtszeit verlängern. Hauptgrund ist, dass sie sich von der Verwaltung und dem Gemeinderat nicht genügend wertgeschätzt fühlen. Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) sieht derweil keine Notwendigkeit, das Gremium aufrecht zu erhalten. Zumindest nicht in dieser personellen Zusammensetzung, wie er durchblicken lässt.

Anfang Mai standen Neuwahlen für den Beirat an. Doch die Wahl scheiterte - wie schon im Jahr zuvor - mangels Kandidaten. Im Jahr zuvor hatte der damals amtierende Beirat rund um Axel Keller dann weitergemacht. "Wir haben von der satzungsmäßigen Möglichkeit der Amtszeitverlängerung Gebrauch gemacht", sagt Loderer. Doch das wollte das Gremium dieses Jahr nicht mehr: "Wir haben einfach zurückgewiesen, was nie zur Debatte stand und einer rechtlichen Grundlage entbehrt: Nämlich eine nochmalige Fortsetzung der Amtszeit, die er uns ungefragt ,par ordre du mufti' aufdrücken wollte", sagt Beiratsmitglied Dietrich Schwägerl.

Mit "er" ist der Rathauschef gemeint. Loderer schildert die Situation auf seine Weise: Die Verwaltung habe wie im Vorjahr die Wahl gewissenhaft vorbereitet, es fanden sich aber keine Kandidaten. Zugleich hätten die Beiratsmitglieder zu erkennen gegeben, ihre Amtszeit nicht weiter verlängern zu wollen.

Axel Keller hat den Vorsitz des Beirats abgegeben.

(Foto: Claus Schunk)

Zwischen dem Beirat und der Gemeindeverwaltung sowie dem Gemeinderat gab es seit längerem immer wieder Meinungsverschiedenheiten. So waren die Beiräte zuletzt enttäuscht darüber, dass der Gemeinderat eine Briefwahl für die Seniorenbeiratswahl wegen des unverhältnismäßigen Aufwands ablehnte. Mitglied Peter Danninger argumentiert mit einer Wahlbeteiligung von 20 bis 3o Prozent, die man erreichen könne, nicht wie zuletzt drei Prozent. "Man würde sich bestätigt fühlen", sagt er. Loderer hingegen teilt weiterhin die Entscheidung des Gemeinderats: "Man würde zu einem Wahlkampf anregen, der am Ende nicht förderlich ist", sagt er. Keller beklagt vor allem die Diskussion, die sich dann im Gemeinderat angeschlossen habe, ob man den Seniorenbeirat überhaupt brauche.

Danninger und die zwei weiteren Mitglieder, die ihre Arbeit nicht mehr fortsetzen wollen, stören sich auch an Vorwürfen des Bürgermeisters in einem Artikel im Münchner Merkur. Er hatte dort die Umgangsformen einiger Beiratsmitglieder teilweise als den "Tatbestand einer Beleidigung" erfüllend kritisiert. "Wenn sich ehrenamtliche Mitarbeiter ständig missachtet fühlen, sollte man von ihnen keine pausenlose Freundlichkeit erwarten", schimpft Danninger. Als ein Beispiel dafür erwähnt er, dass der Seniorenbeirat Ende vorigen Jahres seine Kasse an die Gemeinde abgeben musste.

Der Seniorenbeirat hätte sich eine Aussprache mit der Gemeinde gewünscht. Zu der kam es bisher nicht. Auf Nachfrage Kellers in der jüngsten Gemeinderatssitzung - er hatte bereits im März angefragt, ohne eine Rückmeldung zu erhalten - lehnte Loderer ab. Offenbar wollten bei dem Gespräch auch Personen vom Haus der Senioren teilnehmen und nicht nur Seniorenbeiräte. Das wollte Loderer nicht. "Das hätte er ja kommunizieren können", sagt Keller. "Das war für mich ausschlaggebend für meinen Rücktritt."

Der Rathauschef gesteht nach kurzem Überlegen auf Nachfrage der SZ ein: "Ja, ich akzeptiere den Vorwurf, dass ich den Entwurf nicht mehr weiter bearbeitet habe." Er habe bereits eine Antwortmail an Keller entworfen gehabt. Doch parallel dazu seien von Beiratsmitgliedern wie schon öfter "Schmähungen" an seine Verwaltung eingegangen, dass er die Antwort nicht weiterverfolgt habe.

Wie es mit dem Seniorenbeirat in Ottobrunn weitergeht, wird sich zeigen. In dieser personellen Zusammensetzung dürfte es jedenfalls keine Zukunft geben, dafür funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Gremium und Rathaus nicht gut genug. "Für mich ist das Thema schon länger abgeschlossen in Bezug auf einzelne Leute", sagt Loderer. Beiratsmitglied Danninger hofft derweil noch darauf, "dass wir uns irgendwann einigen können".

Für das Gremium an sich zeigt sich Loderer weiter offen. Schließlich hat die Zusammenarbeit nach eigener Aussage früher, noch unter einem anderen Vorsitz, gut funktioniert. "Wenn hier eine Bewegung entsteht in dem Sinn ,Wir möchten den Seniorenbeirat wiederbeleben' bin ich der Letzte, der hier im Weg steht", sagt er. Loderer hat auch die Fraktionen gebeten, sich Gedanken über einen Fortgang zu machen. Für den Rathauschef geht es aber nicht nur um neue Personen, sondern auch um die Struktur.

Seiner Ansicht nach müsste man sich dann auch über die Rolle des Seniorenbeirats Gedanken machen, die offenbar zuletzt nicht klar gewesen ist. Die eigentliche Funktion des Seniorenbeirats war es laut Loderer, aus dem Haus der Senioren heraus für dessen Angebot zu agieren. Der Seniorenreferent hingegen sei als Bindeglied zwischen Gemeinderat und Senioren gedacht. Nach Ansicht Loderers müsste erneut darüber gesprochen werden, ob ein Gemeinderat Mitglied im Seniorenbeirat sein dürfe. Das Plenum hatte sich 2017 dafür entschieden. Loderer derweil hält das nicht für richtig.