Gaudi-SpektakelWenn das Motto lautet: Bloß ned sterbn

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Rund 800 Schaulustige säumen die Rennstrecke am Schlagerberg in Oberhaching, als sich die Seifenkisten-Piloten am Samstag messen.
Rund 800 Schaulustige säumen die Rennstrecke am Schlagerberg in Oberhaching, als sich die Seifenkisten-Piloten am Samstag messen. (Foto: Claus Schunk)

Beim Seifenkistenrennen der Further Burschen gehen nicht nur tollkühne Männer mit ihren selbst gebastelten Gefährten an den Start, auch manche Rennfahrerin wagt sich auf die 400 Meter lange Piste. Und bei den Jüngsten muss schon mal die Mama anschieben.

Von Michael Morosow, Oberhaching

Man muss nun wirklich kein Rennsportexperte sein, um Favoriten und Außenseiter bei dieser Bergetappe mit bloßem Auge ausmachen zu können. Wer wird wohl das Rennen machen auf der 400 Meter langen Piste mit zwei Kurven und einer Schikane? Eine Palette auf Rädern mit Steuermann oder ein glänzender, windschnittiger Rennwagen, dem nur noch der Motor fehlt, um ein ganz Großer zu werden? Kreativität oder Hightech? Die Frage nach dem Schnellsten im Seifenkistenrennen des Burschenvereins Furth-Oberhaching am Schlagerberg beantwortet am Samstag die Stoppuhr. Wer die Schönste auf dem Rennkurs ist, entscheiden die gut 800 Zuschauer per Stimmzettel.

Den Schönheitspreis heimst der „Further Baron“ von den Pöllmann-Buam ein, die damit ihren Titel verteidigen. Ihre Seifenkiste hebt sich durch einen Propeller am Bug eines Fasses von den anderen ab. Pilot Vinzenz Pöllmann (Jahrgang 2010) fliegt damit auf den zweiten Platz in der Kinderwertung. Sein Motto lautet: „Heit fliagn ma furth.“

Zur Auswahl steht an diesem Tag eine ganze Reihe weiterer lustiger Rennkisten. Ein Hingucker etwa ist auch das „Eisenschwein“, mit dem die Straßlacher Burschen (Motto: „Ned sterbn“) auf die Strecke gehen. Lino Sinhart (Jahrgang 1995) überlebt als Drittletzter. Aber auch die Oberhachinger Burschen ziehen mit ihrem Gefährt die Blicke an. Korbinian Ilmberger ist in einer Badewanne auf Rädern unterwegs.

Dass die Mädchen vom Mensa-Team des Gymnasiums Oberhaching nicht gewinnen würden, ist ihnen wohl von vorneherein klar. Ihre Version einer Seifenkiste besteht aus Achse, Rädern, Lenker und einer Sitzfläche aus Palettenholz. Aber Dabeisein ist alles, und außerdem sind sie erst in der vorangegangenen Nacht fertig geworden. Steuerfrau Natalia Lacova kommt wenigstens ins Ziel, auch wenn sie knapp eine Minute dafür braucht. An der Lenkkunst der Pilotin kann es nicht gelegen haben, denn sie ist bereits 18 Jahre und hat laut dem Rennsprecher soeben den Führerschein gemacht.

Zwar stromlinienförmig, aber dennoch nicht die Schnellste:  Monika Weinbeck mit ihrem Boliden.
Zwar stromlinienförmig, aber dennoch nicht die Schnellste:  Monika Weinbeck mit ihrem Boliden. (Foto: Claus Schunk)

Ein Wimpernschlag entscheidet das Rennen um die schnellste Zeit. Gerade einmal zwei Hundertstel liegen zwischen dem 70-jährigen Leonhard Oswald aus Olching (Jahrgang 1954) in seiner schnittigen Seifenkiste (25:31 Sekunden) und Markus Fischer (Jahrgang 1969) vom Team „Dachschaden“ in seinem Boliden (25:33), der am Ende aber froh sein muss, nicht noch schneller gefahren zu sein. So kann er von seinen Stallgefährten mit letzter Mühe und wagemutigem Einsatz gerade noch ein wenig abgebremst werden, bevor er mit seiner „Wilden Hilde“ in den Reifenstapel am Ziel fährt.

Seinen Triumph hat Oswald dabei seiner Frau zu verdanken, die ihm eine kleine Kurskorrektur ans Herz legte: Im zweiten Lauf sollte er mit seinem Flitzer weniger auf die Wiese abdriften, sondern mehr auf der betonierten Strecke bleiben. „Und jetz hod de wirklich recht g’habt“, gesteht der Sieger. Auf den dritten Platz fährt Fabian Kamann (Jahrgang 2006) von der Feuerwehr Oberhaching in seinem roten Rennwagen. Obwohl er das Blaulicht eingeschaltet hat, kommt er ein wenig zu spät ins Ziel (25:56).

Trotz Blaulicht nicht Erster: Fabian Kamann von der Oberhachinger Feuerwehr.
Trotz Blaulicht nicht Erster: Fabian Kamann von der Oberhachinger Feuerwehr. (Foto: /Claus Schunk)

Ein Mitglied des Teams Dachschaden erleidet allerdings Abschürfungen an Händen und Hüfte, als er von der Seifenkiste nach einem Hechtsprung mitgeschleppt wird. Dabei ist Fischer bereits im ersten Lauf gegen die Reifen gedonnert, wonach das Dachschadenteam einige Schäden am Renner reparieren musste. Der Bolide ohne Eigenantrieb fährt auf Conti-Reifen und hat kaum Reibungsverluste durch sein Keramiklager.

Auch bei den Jüngsten gibt es den einen oder anderen Crash. So etwa bei Felix Böck (Jahrgang 2011) vom Team „Überflieger“, der von seiner Mama angeschoben wird. Weit kommt er nicht. Nachdem er ins Flugnetz lenkt, wird er zunächst mit 1:06,43 Minuten Letzter. Im zweiten Lauf aber wird er dem Namen seines Renners gerecht und gewinnt die Kinderwertung mit 34:47 Sekunden vor Vinzent (Jahrgang 2011) von den Pöllmann-Buam (42:51).

Nur ganz knapp den Sieg verpasst: das Ayinger Team „Dachschaden“ mit ihrem rasanten Flitzer.
Nur ganz knapp den Sieg verpasst: das Ayinger Team „Dachschaden“ mit ihrem rasanten Flitzer. (Foto: Claus Schunk)

Aufmerksame Besucher der Gaudi-Veranstaltung ist Anian Maierhofer, der Chef der Ayinger Burschen. Im Juli will er nach längerer Pause wieder selbst ein Seifenkistenrennen veranstalten. Der Flitzer, mit dem die Ayinger in Oberhaching an den Start gehen, ist in fachmännischer Arbeit entstanden. Theresa Renk (Jahrgang 2005) lenkt den Rennwagen als Elfte ins Ziel. Sollte das Team „Dachschaden“ in Aying an den Start gehen, sollte es wohl an den Bremsen arbeiten. „Die Strecke“, sagt Maierhofer, „ist noch viel schneller.“

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