Schulstart:Der erste Test ist bestanden

Das dritte Schuljahr in der Corona-Pandemie hat begonnen. Dieses Mal soll vieles anders und besser werden. Ein Besuch an der Erich-Kästner-Grundschule in Höhenkirchen, wo auf die Erstklässler nicht nur Schultüten warten

Von Alina Willing, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Ob in Rosa mit Einhörnern, in Schwarz mit Sternen und Planeten oder in Blau mit verschiedenfarbigen Fischen - die bunt gestalteten Schultüten der Erstklässler sind nicht zu übersehen. Vor dem Eingang der Erich-Kästner-Schule in Höhenkirchen haben sich am Dienstagmorgen Schulanfänger mit ihren Eltern versammelt. Stolz posieren die Kinder mit den spitzen Tüten aus Pappe für unzählige Fotos. Zwei Lehrerinnen haben ein rotes Klemmbrett in der Hand und haken währenddessen die Namen der Kinder ab, die einen negativen Corona-Test nachweisen können.

Zwei der 21 Schulanfänger der neuen Klasse 1b haben vorab keinen Test gemacht, aber auf diesen Fall ist die Schule vorbereitet. "Wir haben im Schulgebäude eine kleine Test-Station aufgebaut, wo die Kinder einen bewachten Selbsttest machen können", erklärt Rektor Torsten Bergmühl. "Die Eltern wissen Bescheid und hatten genug Zeit sich vorzubereiten." Willkommen im dritten Corona-Schuljahr. In dem nun alles anders werden soll: kein Wechsel- oder gar Distanzunterricht, keine Quarantäne für ganze Klassen, dafür Lernen in Präsenz, Kontakte mit Mitschülern. Ob das funktioniert? Ein erster Eindruck in Höhenkirchen weckt zumindest Hoffnungen.

Nachdem feststeht, dass alle Kinder negativ getestet sind, kann die Einführungsveranstaltung beginnen. Bergmühl steht auf einer kleinen Bühne, er blickt auf mehrere Reihen roter Plastikstühle. Jeweils vier sind eng nebeneinander aufgestellt und bilden eigene kleine Sitzreihen für die Erstklässler mit ihren maximal drei Begleitpersonen. Weil nur hundert Menschen gleichzeitig im Raum sein dürfen, muss Schulleiter Bergmühl für die drei neuen Klassen seine Rede mehrmals hintereinander halten. Zu Anfang nimmt er kurz seine Maske ab: "Damit ihr mich auch auf dem Gang mal wiedererkennt", sagt er lachend, und besonders die Erwachsenen im Publikum lachen mit.

Schulstart: Bunte Schultüte, bunte Maske: Bis zum Ende des Monats muss der Mund-Nasen-Schutz auch am Platz getragen werden.

Bunte Schultüte, bunte Maske: Bis zum Ende des Monats muss der Mund-Nasen-Schutz auch am Platz getragen werden.

(Foto: Claus Schunk)

Bergmühl richtet das Wort an die Kinder in der Aula: "Wir haben immer noch dieses doofe Corona. Und deshalb ist es besonders wichtig, dass ihr immer eine Maske tragt, auch am Sitzplatz." Wegen den Reiserückkehrern gilt in Bayern bis 1. Oktober eine generelle Maskenpflicht an den Schulen, dann wird neu entschieden. Auch das Lehrpersonal muss in Innenräumen eine Maske tragen, "so wie die Kinder auch", sagt Bergmühl. Anders als die Kinder sollen Lehrerinnen und Lehrer möglichst geimpft sein, "sie müssen aber nicht". Ungeimpftes Lehrpersonal bekommt von der Schule zwei bis drei Tests pro Woche. Ob diese Tests auch wirklich vorgenommen werden, wird allerdings nicht überprüft.

Bei den Kindern sieht das anders aus. Zweimal in der Woche sollen sogenannte Lollitests erfolgen. "Das klingt leckerer als es ist", sagt Bergmühl. Die Schülerinnen und Schüler lutschen dabei für 30 Sekunden an einem Abstrichtupfer, der danach mit den anderen gesammelt und im Labor in einem PCR-Test ausgewertet wird. Falls ein Kind positiv getestet wurde, muss es sich in Isolation begeben, genauso wie der Sitznachbar. Die anderen, negativ Getesteten können weiter zur Schule gehen.

Zumindest in der Theorie klinge dieses Konzept nicht schlecht, meint Florian Schardt. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag München-Land hat selbst ein Kind im Schulalter. Er befürworte es, dass nun der Wille da sei - anders als vor den Sommerferien - "den Unterricht so wenig wie möglich einzuschränken". Weniger überzeugt ist er allerdings von den Luftfiltern, welche die Staatsregierung propagiert. Im Kreistag hatte er dafür plädiert, sich die Gegebenheiten in jedem Klassenzimmer anzuschauen und anhand der Ergebnisse zu entscheiden, ob und welche Art Luftfilter benötigt wird. Ob auch die Erich-Kästner-Schule in Höhenkirchen Luftfilter bekommt, habe die Gemeinde noch nicht entschieden, sagt dazu Rektor Bergmühl.

Schulstart: Ist die Tochter bereits daheim getestet? Eltern müssen vor dem Betreten der Schule ein Formular ausfüllen.

Ist die Tochter bereits daheim getestet? Eltern müssen vor dem Betreten der Schule ein Formular ausfüllen.

(Foto: Claus Schunk)

Nach der Begrüßungsveranstaltung führt Klassenlehrerin Bettina Bochmann ihre neuen Schützlinge von der Aula in den Klassenraum. Ein Vater redet beruhigend auf seinen Sohn ein - "ich war damals auch total aufgeregt!" -, Handykameras blitzen, einige laufen ihren Kindern noch ein Stück hinterher, um alles filmisch festzuhalten. Bevor die Lehrerin die Tür hinter sich schließt, ruft ein Vater noch schnell seiner Tochter zu: "Tschüss, I love you!"

Im Schulgebäude kehrt etwas Ruhe ein, einige Eltern stehen draußen vor der Mensa an weißen Stehtischen aus Plastik zusammen. Es sei zwar schade, dass nicht alle Erstklässler zusammen an der Einführungsveranstaltung hätten teilnehmen können, aber die Schule habe es "den Umständen entsprechend schön gemacht", findet etwa Cornelia Rieß. Sie ist relativ zuversichtlich, dass das kommende Schuljahr gut verläuft. "Die Schule wirkte auf mich gut vorbereitet."

Die Tests könnten vielleicht keine hundertprozentige Sicherheit bieten, aber allzu große Sorgen macht sich auch Katja Liebhart nicht. Ihr Mann Frank ergänzt, das letzte Schuljahr habe ihm eines gezeigt: "Kinder brauchen den Kontakt zu anderen Kindern." Ob die neue Strategie der Landesregierung dazu beiträgt, dass die Schulen auch im Herbst offenbleiben können, ist abzuwarten.

© SZ vom 15.09.2021
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