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Schulprojekt:Fernbeziehung nach Tansania

Schüler auf dem Pausenhof in der One World Secondary School Kilimanjaro, Partnerschule des Gymnasiums Neubiberg; Schüler des P-Seminars wollten Überdachungen für den Pausenhof schaffen, wegen Corona konnten sie es nicht umsetzen. Nun sammeln sie Spe

Im Zuge eines P-Seminars wollten Schülerinnen nach Afrika reisen, um der Partnerschule am Fuße des Kilimandscharo zu helfen.

(Foto: oh)

Eigentlich wollten Neubiberger Gymnasiasten im Zuge eines P-Seminars nach Afrika reisen, um der Partnerschule am Fuße des Kilimandscharo zu helfen. Stattdessen sammeln sie nun zu Hause Spenden.

Von Daniela Bode, Neubiberg

Normalerweise würden Sofia Lang und ihre 14 Mitschüler vom P-Seminar "Neubiberg for Tanzania" noch immer in Erinnerungen an die gute Zeit in Tansania und die Zusammenarbeit mit den Schülern ihrer Partnerschule "One World Secondary School Kilimanjaro" schwelgen. Denn eigentlich wären die Neubiberger Gymnasiasten mit ihrem Seminarlehrer Peter Müller im Sommer dorthin geflogen, um ihre Partnerschule mit verschiedenen Projekten zu unterstützen. Sie wollten beispielsweise Sonnensegel bauen, damit die afrikanischen Schüler mehr Schattenplätze im Pausenhof haben. Doch die Corona-Pandemie hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Deshalb haben sich die Zwölftklässler nun andere Wege überlegt, wie sie den Freunden in der Ferne helfen können. Sie wollen Spenden sammeln. "Da muss ich meine Schüler wirklich loben. Als sie wussten, dass wir nicht nach Tansania fliegen können, haben sie nicht aufgegeben und sich gleich Alternativen überlegt", sagt Peter Müller.

2019 hat das Neubiberger Gymnasium die Schule an den Ausläufern des Kilimandscharo als Partnerschule gewonnen. Die Verbindung hatte der ehemalige Konrektor Egon Schäfer hergestellt. Seit seinem Ruhestand arbeitet er ehrenamtlich an der afrikanischen Schule und ist erster Ansprechpartner für die Neubiberger. Müller selbst besuchte die Schule vor zwei Jahren bei einer Reise nach Tansania. "Ich war sofort begeistert", sagt er. Es herrsche ein Klima des Respekts füreinander. Die Schule besuchen Kinder aus Familien mit normalen Einkommen sowie Waisenkinder, denen allen eine hervorragende Schulbildung ermöglicht werden soll. An der Schule unterrichten tansanische und deutsche Lehrkräfte.

Schon vor zwei Jahren half das Neubiberger Gymnasium der afrikanischen Schule: Bei einer Spendenaktion sammelte sie 25 000 Euro ein, mit denen sie einen Mädchenschlafsaal und eine Mensa finanzierte. "Idee war, dass das kein einmaliges Ereignis sein sollte", sagt Müller. Vielmehr ist eine langfristige Partnerschaft mit der Schule in Tansania geplant. Es soll ein lebendiger kultureller Austausch zwischen den Schülern beider Länder stattfinden. Dazu wurde auch das P-Seminar der angehenden Abiturienten etabliert.

"Wir haben uns überlegt, wovon sie profitieren können", sagt Lang. Sie und ihre Mitschüler haben schon einiges zum Laufen gebracht, auch teilweise bereits Partner gefunden. Eine Idee war, einen Erste-Hilfe-Kurs für die Schüler in Tansania zu veranstalten und am Ende vielleicht dort auch das Konzept der Schulsanitäter zu etablieren. Wegen der Ausstattung waren Lang und ihre Mitstreiter schon im Gespräch mit dem Bayerischen Roten Kreuz. Eine weitere Idee der Schüler war es, "Überdachungen auf dem Pausenhof zu bauen, damit es in den heißen Mittagsstunden angenehm ist, dort zu arbeiten", wie Lang sagt. Sie dachten beispielsweise an Sonnensegel. Denn laut Müller gibt es auf dem dortigen Pausenhof nur wenige Bäume. Außerdem wollten die Neubiberger die Sportausstattung der afrikanischen Schüler verbessern, zum Beispiel durch Trikots oder Netze für die Tore. Hierfür hatten sie bereits den TSV Hohenbrunn als Partner gefunden, der 40 Fußbälle, Leibchen und Tornetze zur Verfügung stellte. Diese sind nun in der Schule eingelagert und können möglicherweise nächstes Jahr in einem Container nach Tansania verschifft werden.

Bei einem Transafrika Vortrag in der Grundschule Neubiberg sammelten Schülerinnen des P-Seminars des Gymnasiums Neubiberg Spenden, unter ihnen Sofia Lang (zweite von links) und Lehrer Peter Müller

Lehrer Peter Müller und Schülerinnen.

(Foto: privat)

"Klar war das eine Enttäuschung, dass wir nicht fliegen können und ein Dreivierteljahr Planung verloren gegangen ist", sagt Lang. Doch Aufgeben war keine Option. "Wir haben Alternativen gesucht und das hat uns im Seminar noch näher zusammengebracht", sagt die Oberstufenschülerin. Die Alternative lautet, Spenden zu sammeln. In der letzten Oktoberwoche beispielsweise fand wieder ein große angelegter Spendenlauf im Gymnasium statt, wobei er wegen der Corona-Pandemie digital organisiert war und jeder für sich lief. Auch bei einem Transafrika-Vortrag haben die Schüler bereits 1250 Euro Spenden gesammelt. Außerdem kann jeder, der möchte, über die Homepage des P-Seminars spenden unter www.neubiberg4tanzania.de. Das würde vielen tansanischen Schülern helfen, die nun ihr Schulgeld nicht mehr zahlen können, weil die Eltern in der Tourismusbranche arbeiten und dabei wegen der Corona-Krise momentan kaum etwas verdienen.

Auch wenn nun alles anders gekommen ist als geplant, für die Schüler des P-Seminars gibt es noch einen Lichtblick. Lehrer Müller hat ihnen in Aussicht gestellt, die Reise zu der Partnerschule nachzuholen, sobald es wieder möglich ist, auch wenn das Seminar dann längst vorbei ist. "Viele von uns sind motiviert, noch irgendwie weiterzumachen", sagt Lang.

© SZ vom 04.11.2020/hilb
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