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Schulpolitik:Weltfremde Vorgaben

Ottobrunn, Eröffnung Gymnasium mit Spaenle und Landrat

Das Gymnasium Ottobrunn ist als reine G-8-Schule konzipiert worden.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die sich schnell verändernde Schullandschaft braucht vor allem zwei Dinge: Verlässlichkeit und ein Mitspracherecht der Betroffenen.

Kommentar von Martin Mühlfenzl

In Ottobrunn lernen die Schüler der unteren Jahrgangsstufen neuerdings in offenen Klassenzimmern ohne Türen. Nichts bleibt hier verborgen. Die Welt wollen sie hier in ihre Schule hereinholen, sagt Direktor Achim Lebert - und das Lernen aus den Zimmern heraus. Diese Offenheit wünschen sich viele auch von der Staatsregierung, wenn es um die Zukunft des Lernens in Bayern geht. Doch die Kabinettsmitglieder haben es bei der Ausarbeitung der Reform der Gymnasien versäumt, die Welt in ihr Tagungszimmer hereinzuholen. Sie haben wieder einmal ignoriert, dass sich Schüler, Lehrer und Eltern nichts sehnlicher wünschen als Verlässlichkeit.

Neustrukturierung der Planlosigkeit

Zumal im prosperierenden Landkreis München, dessen Bildungslandschaft sich in den vergangenen Jahren gravierend verändert hat - und weiter verändern wird. Noch in den Sechzigerjahren gab es hier nur ein Gymnasium, heute sind es bereits zwölf und weitere sind geplant oder schon im Bau. Der Aufwand, den die Kommunen und der Landkreis betreiben, um mit der Bevölkerungsentwicklung und auch der weiter wachsenden Attraktivität der Gymnasien Schritt zu halten, ist immens - der finanzielle allemal, aber auch die planerischen Anstrengungen der Verantwortlichen.

In so spannenden wie intensiven Zeiten müssen sich die Kommunalpolitiker wie auch die Schulleiter und Lehrer auf die Bildungspolitik ihrer Staatsregierung verlassen können. Sie müssen gehört und zu Rate gezogen werden. Sie müssen wissen, unter welchen Bedingungen und Vorgaben sie unterrichten, lehren und kalkulieren sollen.

Die neue Wahlfreiheit für Schulen, auf das G 8, das G 9 oder beide Varianten zu setzen, aber erschwert der Kommunalpolitik wie auch den Schulen ihre Arbeit. Diese Reform ist keine Veränderung zum Besseren, sondern eine Neustrukturierung der Planlosigkeit. Der Staatsregierung hätte bei ihren Überlegungen ein wenig der Verlässlichkeit und Zielstrebigkeit gut getan, mit der die Verantwortlichen im Landkreis die Bildungslandschaft verändern.

© SZ vom 03.08.2016

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