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Schulpolitik:Der Freistaat soll die Zeche zahlen

Zurück zum G9

Zurück zum G9. Kein anderer Landkreis ist derart betroffen wie der Kreis München.

(Foto: dpa)

Nach der Wiedereinführung des G 9 fordern Kreispolitiker eine stärkere finanzielle Beteiligung beim erforderlichen Ausbau der Gymnasien. Im Landkreis wird mit 2500 zusätzlichen Schülern gerechnet.

Die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums wird für den Landkreis und seine 29 Städte und Gemeinden weitreichende Folgen haben. Landrat Christoph Göbel (CSU) sagte am Donnerstag in der Sitzung des Ausschusses für Bauen und Schulen, die Gymnasien im Landkreis müssten sich darauf einstellen, in den kommenden Jahren bis zu 2500 Schüler mehr aufzunehmen. "Vorsichtig geschätzt." Dies bedeutet einen Anstieg der Schülerzahlen um neun Prozent. Derzeit besuchen etwa 13 500 Schüler die 14 Gymnasien im Landkreis München.

Kein anderer Landkreis sei nach den Städten München und Nürnberg von der G-9-Entscheidung derart betroffen wie der Kreis München, so Göbel. Er habe seine Verwaltung bereits angewiesen, ein Modell zu entwerfen, das alle möglichen Konsequenzen für den Landkreis aufzeigt: zwingend erforderliche Neubauten sowie Fragen der Finanzierung. Die stellte die SPD-Fraktion mit einem Antrag. "Der Freistaat muss sich beim Schulausbau definitiv beteiligen", sagte Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich (SPD), in dessen Gemeinde derzeit das 15. Gymnasium entsteht. "Wenn hier nicht die Frage der Konnexität greift, wann dann?" Bei einem derartigen Anstieg der Schülerzahlen würden die Kapazitäten von Mensa, Bibliothek und Turnhalle in den meisten Gymnasien nicht mehr ausreichen. Der Landrat pflichtete Ismanings Rathauschef bei: Auch aus seiner Sicht sei eine stärkere Beteiligung des Freistaats die logische Konsequenz.

Laut Göbel muss in den politischen Gremien "jetzt" überlegt werden, "wo Neubauten nötig sind". Dies dürfte der Schulbau-Offensive des Landkreises noch einmal mehr Dynamik verleihen: Gymnasien in Aschheim und Unterföhring sind beschlossen; das Kirchheimer wird neu gebaut. Feldkirchen dürfte als Standort wieder stärker in den Fokus rücken und andere Kommunen bald hinzukommen.

Direktoren und Elternbeiräte sind erleichtert, dass eine Entscheidung gefallen ist

An den Gymnasien selbst reagiert man gelassener. Reinhard Rolvering, Direktor am Gymnasiums in Neubiberg, erwartet zunächst keine einschneidenden Veränderungen. Enger werden dürfte es seiner Meinung nach erst in neun Jahren, wenn der erste Jahrgang des neuen G 9 in der 13. Klasse ist - also ein ganzer Schülerjahrgang mehr die Schulbank drückt. "Wir werden dann wohl weniger Kinder aufnehmen können", sagt Rolvering. Er geht davon aus, dass die zusätzlichen Kosten vom Freistaat getragen werden. "Es ist zu hoffen, dass die Entscheidung für das neunstufige Gymnasium keine Einsparungen durch die Hintertür mit sich bringt. Um die sehr gute Qualität unserer Schulen zu erhalten, müssen die Förderprogramme bleiben."

Mathias Müller, der Direktor des Gymnasiums Oberhaching, war lange eher ein Verfechter des achtjährigen Gymnasiums. Dass nun eine Entscheidung gefallen ist, empfindet Müller trotzdem als "große Erleichterung". "Das Schwierigste war, in der Luft zu hängen." Was mit dem G 9 als Bedarf an Räumlichkeiten oder Lehrerstellen auf seine Schule zukomme, lasse sich vorerst nicht absehen. "Wir warten jetzt auf konkrete Vorgaben", sagt Müller.

Elternbeirat Harald Sigethy vom Gymnasium Kirchheim äußerte sich am Donnerstag froh über die Rückkehr zum G 9. "Das G 8 war ein Schnellschuss", sagt Sigethy. Zwar hätten in Kirchheim Schule und Schüler das G 8 sehr gut weggesteckt, die Schule in Rankings weiter Spitzenplätze belegt. Doch sei angesichts langer Schultage und Lernstress manches zu kurz gekommen, etwa Musik und Sport. In Ismaning war man auf die Entscheidung vorbereitet: "Das neue Gymnasium wurde von vornherein so großzügig konzipiert, dass es auch mit dem G 9 nicht eng wird", verspricht Ingrid Bretz von der Gemeinde.

© SZ vom 07.04.2017/hilb

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