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Schulöffungen im Landkreis:Luft anhalten

Schule in Corona-Zeiten

Nach mehr als zwei Monaten Zwangspause füllen sich die Klassenzimmer diese Woche wieder.

(Foto: dpa)

Erstmals seit dem Lockdown Mitte Dezember kehren Grundschüler in den Unterricht zurück. Das geht nur im Wechsel mit Homeschooling.

Von Julius Baumeister, Aying/Ottobrunn

Mehr als zwei Monate lang ist an den Grundschulen kein Präsenzunterricht möglich gewesen. Mit der zumindest teilweisen Öffnung und der Wiedereinführung des Wechselunterrichts an diesem Montag kehren die Kinder zurück. "Wir freuen uns alle sehr, die Kinder zumindest in kleineren Gruppen wiederzusehen", sagt Gabi Hiltl, die Leiterin der Grundschule in Aying, "aber die letzten Wochen waren ein organisatorischer Wahnsinn. Wir sind an unsere Grenzen gekommen."

Tatsächlich ähnelte der Betrieb in den Schulen in den vergangenen Wochen eher dem von Planungsbüros. Denn vielerorts ist die Einhaltung des 1,5-Meter-Abstands bei voller Auslastung nicht möglich, sind die vorgeschriebenen Maßgaben des Kultusministeriums nicht einzuhalten. Daran ändern auch Luftfilterungsanlagen nichts, die einige Gemeinden für ihre Schulen angeschafft haben. Die Räumlichkeiten seien schlicht zu klein, sagt die neue Schulamtsdirektorin Ursula Löwe, die im September mitten in der Pandemie die Nachfolge von Karin Olesch angetreten hatte.

Doch der Abstand sei notwendig, trotz Masken, die der Landkreis Lehrern und Schülern zur Verfügung stellt. An vielen Schulen werden die Klassen deshalb, wie bereits im vergangenen Jahr, in zwei Gruppen unterteilt, die wechselweise digital oder im Klassenzimmer unterrichtet werden. Als große Herausforderung stellt sich unterdessen heraus, die Notbetreuungen parallel zum Wechselunterricht aufrechtzuerhalten. Für berufstätige Eltern sei dieses Angebot essenziell, räumt Löwe ein, für die Schulen allerdings eine zusätzliche Belastung. Noch bis Montag fragen die Schulen ab, wie viele Kinder an Tagen, an denen sie im Sinne des Wechselunterrichts eigentlich von zu Hause aus dem Unterricht folgen sollten, betreut werden müssen. "Eine genaue Anzahl der Kinder, welche die Notbetreuung in Anspruch nehmen werden, haben wir noch nicht, aber an einzelnen Schulen können das bis zu 50 Kinder sein", sagt die Schulrätin. Dafür sei zusätzliches Personal notwendig.

Schule in Corona-Zeiten

Nach mehr als zwei Monaten Zwangspause füllen sich die Klassenzimmer diese Woche wieder.

(Foto: dpa)

Schulassistenten und Teamlehrer

Deshalb werden sogenannte Schulassistenten und Teamlehrer die Lehrerinnen und Lehrer im Landkreis. Bei ihnen handelt es sich um Lehramtsstudenten oder bereits ausgebildete Lehrer, die pandemiebedingt eingestellt wurden. Während Teamlehrer unter Anleitung eines Stammlehrers Unterrichtseinheiten übernehmen sollen, sind Schulassistenten laut Löwe zusätzlich mit administrativen Arbeiten betraut. Trotzdem sei die Personallage angespannt. "Derzeit habe ich eine Schulassistenz, aber ich würde jede weitere mit Kusshand nehmen", sagt die Ottobrunner Schulleiterin Silvia Witti. Auch um auf unterschiedliche Lernniveaus der Kinder individuell einzugehen.

Zwar seien die Lernpläne mit denen der Vorjahre vergleichbar, einen großen Rückstand gebe es also nicht; unterschiedliche Lernstände hingegen aber immer. Und so wird es laut Witti in der ersten Woche zunächst darum gehen, sich ein Bild davon zu machen, wie viel vom Lernstoff während der vergangenen Wochen überhaupt verinnerlicht wurde. Auch in Aying, wo Schulleiterin Gabi Hiltl zunächst jeden Montag alle Schülerinnen und Schüler begrüßen wird - in zeitlichen Abständen. "Die erste Gruppe kommt von 8 Uhr bis 10.15 Uhr und die zweite Gruppe von 11.15 bis 13.30 Uhr." Allen Kindern soll es dadurch ermöglicht werden, wenigstens dreimal die Woche die Schule zu besuchen und sei es nur zu einem kurzen Zusammenkommen, so Hiltl.

"Mit Kusshand" würde Silvia Witti jede weitere Verstärkung nehmen. Die Rektorin hat bisher nur eine Assistentin mehr bekommen.

(Foto: Claus Schunk)

Doch während sich Schulpläne, Präsenzzeiten und die Regelung der Notbetreuung in den vergangenen Wochen geändert haben, gibt es an anderer Stelle kaum Fortschritt. So fehlen weiter einheitliche Regeln zur Testung von Lehrern und Schülern auf das Coronavirus. "Die Testung der Lehrer ist keine Pflicht", heißt es dazu aus dem Schulamt. Die Behörde sei mit dem Gesundheitsamt im Austausch, habe bisher allerdings keine Information über breite und regelmäßige Tests an den Schulen.

In Ottobrunn und Aying wird sich das gesamte Kollegium hingegen trotzdem vor der Schulöffnung am Montag testen lassen. Dann sei abzusehen, wie und in welcher Regelmäßigkeit weiter getestet würde, so Rektorin Gabi Hiltl. Zuletzt hatte die Staatsregierung die seit Wochen angekündigte Zulassung von Selbsttests für Schulen und Kindergärten bis spätestens März verschoben; dann sollen sich Lehrer und Erzieher zweimal die Woche und Schüler einmal selbständig testen.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte am vergangenen Dienstag an, Antigen-Schnelltests bundesweit zugänglich machen zu wollen, um diese auch in Schulen und Kindergärten einzusetzen.

© SZ vom 22.02.2021/belo
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