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Schulneubau:Der Trick mit dem Extra-Haus

Das Sieger-Modell für den Neubau des Schulcampus in Oberhaching.

(Foto: Claus Schunk)

Der Siegerentwurf für den neuen Schulcampus überzeugt durch seine pavillonartigen, nicht zu massiv wirkenden Gebäude. Möglich wird das, weil die Mensa und ein Büro ausgelagert werden

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Wie ein großes L legt sich das Areal für den neuen Schulcampus in Deisenhofen um St. Bartholomäus und die Grundschule. Im Moment sind dort noch 9,2 Hektar Acker, in vier Jahren sollen an dieser Stelle Fachoberschule, Realschule, eine Dreifachturnhalle und Wohnungen für junge Leute stehen. Die Vorstellungen, wie das Ensemble aussehen soll, werden nun konkreter. Eine Jury aus Vertretern des Oberhachinger Bauausschusses, des Landkreises und des neuen Zweckverbands Staatliche weiterführende Schulen im Süden des Landkreises haben sich für einen Entwurf der Architekten Hirner und Riehl aus München entschieden. Die haben ein Konzept mit pavillonartigen Bauten vorgelegt.

Fünf Architekturbüros waren nach einem europaweiten Bewerbungsverfahren aufgefordert worden, ein Angebot abzugeben und einen Lösungsvorschlag einzureichen. Aufgabe war es, einen Campus zu entwerfen, der sich harmonisch in das städtebauliche Umfeld einfügt und zu seiner Umgebung hin offen und durchlässig zeigt. Neben den Schulbauten galt es, eine Tiefgarage mit 150 Stellplätzen unterzubringen und dabei die bestehende Geothermieleitung, die quer unter dem Areal verläuft, nicht anzutasten. Denn das wäre zu teuer.

Die Jury war sich offenbar einig darüber, dass Hirner und Riehle am ehesten den Oberhachinger Nerv getroffen hatten. "Dem Ort angemessene, ansprechende Außengestaltung" und "klar differenzierte und maßstäbliche Freiräume mit hohen Nutzungspotenzial" attestierte sie dem Sieger-Entwurf. Die Architekten hatten durch einen kleinen Trick, die bei den Konkurrenten oft zu massiv wirkenden Bauten aufgelockert: Sie hatten ein viertes, kleines Gebäude konzipiert und solo gestellt, in dem die Mensa und die Büroräume des Zweckverbands unterkommen. "So entsteht eine Art Pförtnerhaus, das den Auftakt für den Campus bildet", erläuterte Till Fischer, der als Architekt das Auswahlverfahren moderiert hatte. So könne in dem Gebäude auch außerschulische Bewirtung stattfinden.

Die beiden Schulbauten bestehen jeweils aus drei Gebäudeteilen, die versetzt angeordnet sind. Zum Campus hin sind sie zweigeschossig, an den Rändern dreigeschossig. Durch sogenannte Salettl-Dächer, die nicht allzu steil sind, entstehen laut Fischer keine exorbitanten Raumhöhen wie bei anderen Entwürfen, "sondern ein vernünftiges Maß". Jedes der sechs Gebäudeteile hat einen Innenhof und einen umlaufenden Balkon. Fischer erinnert der Entwurf an das Landratsamt in Starnberg. Das hat immerhin einst den Deutschen Architektur-Preis gewonnen. "Es ähnelt etwas unserem Gymnasium, passt also in die Schullandschaft", sagte Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) bei der Vorstellung der Entwürfe in der Gemeinderatssitzung am Dienstag.

Er bezeichnete es als "teilweise erschütternd" was von anderen Bewerbern geplant worden ist. Ein Entwurf war der Jury viel zu städtisch, ein anderer zu massiv. Mitunter wurde doch die Geothermie ignoriert oder reine "Flurschulen" mit einem klassischen Grundriss angeboten. Das genau aber will man in Oberhaching nicht, sondern Lernlandschaften schaffen. Fischer berichtete von "gewaltigen Dachflächen" und einer Planung, die ihn an das havarierte Schiff im Suezkanal erinnerte, von extremen Höhen mit gewaltigen Giebeln sowie von "alpiner Tourismusarchitektur". "Das ist auch in Hinblick auf die Barrierefreiheit nicht optimal", urteilte er.

Dem Siegerentwurf bescheinigte er hingegen "großes Potenzial", daraus könne man "etwas Gutes" machen. Auch Schelle ist zuversichtlich, dass mit dem nun ausgewählten Architekten "zügig und auf Augenhöhe" gearbeitet werden könne. "Das Büro ist sehr leistungsfähig und hat einen Bezug zu Oberhaching", sagte der Bürgermeister. Der Vertrag stehe kurz vor der Unterzeichnung, sodass jetzt die Planungen beginnen. Er rechnet damit, dass die Oberhachinger sich im Herbst bei einer Bürgerversammlung "drüberbeugen" können.

© SZ vom 10.06.2021
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