Was tun, wenn die Temperaturen auf über 30 Grad steigen, sich der Kopf anfühlt, als würde er kochen und die Synapsen einfach nicht mehr schalten wollen – aber der normale Schulalltag doch nicht von jetzt auf gleich eingestellt werden kann? Schließlich ist der Notenschluss noch nicht erreicht, es stehen die letzten Schulaufgaben an, dem einen oder anderen Lehrer fehlt noch eine mündliche Note. „Das sind schon Herausforderungen, die wir bewältigen müssen“, sagt der stellvertretende Schulleiter des Neubiberger Gymnasiums Christian Dobmeier.
Die Schule hat auf die Hitzetage zu Beginn dieser Woche mit verschiedenen Maßnahmen reagiert, am Montag und Dienstag wurde der Unterricht von sehr heißen in kühlere Räume verlegt, am Mittwoch galt ein Kurzstundenplan ab der dritten Stunde, was bedeutet, dass die Schüler schon um 12 Uhr nach Hause gehen konnten, der Nachmittagsunterricht ist größtenteils entfallen. Die Offene Ganztagsschule (OGS) bietet eine Notbetreuung an. Trotz der Hitze am Nachmittag ins Gymnasium mussten nur die Schüler der Q12 und die Teilnehmer am Sommerkonzert – für die schönsten Künste muss geübt und darf wohl auch ein wenig gelitten werden. Und am Donnerstag soll es ja dann auch wieder etwas kühler werden.
Wie Dobmeier noch aus seiner Zeit als Mitarbeiter der Schulleitung am nahe gelegenen Ottobrunner Gymnasium zu berichten weiß, profitieren die Schüler dort von einer Besonderheit, zumindest im neu gebauten Teil der Schule: Der neue Flügel habe eine Bodenkühlung mit kaltem Wasser, das im Sommer durch Leitungen im Boden gepumpt werde. „Eine sehr gute Kühlung, die wenig Energie braucht.“ aja
Kaum Schatten in Oberschleißheim
Die Hitze macht den Kindern zu schaffen. Die Sechs- bis Zwölfjährigen schwitzen in den Klassenzimmern der Grundschule an der Parksiedlung. 32 Grad hat es im Klassenzimmer. „Wir kriegen die Hitze da nicht raus“, berichtet Stefanie Haselbeck von der Nachbarschaftshilfe, die die Offene Ganztagsschule betreut und die Kinder am Nachmittag im Blick hat. Das große Problem dabei: Auch wenn die Kinder hinausgehen ins Freie, ist es kaum besser. Denn der Pausenhof vor dem roten Gebäude biete kaum Schatten, sagt Haselbeck. Deshalb hat sie im Gemeinderat gefordert, dass das Rathaus möglichst zügig Abhilfe schafft und die Schülerinnen und Schüler aus der Hitzefalle befreit.
Der Vortrag von Haselbeck, die auch CSU-Fraktionssprecherin im Oberschleißheimer Gemeinderat ist, stieß in dem Gremium auf breite Zustimmung. Das mit der erhofften und wegen der hohen Temperaturen auch dringlichen schnellen Verbesserung gestaltet sich jedoch schwierig. Zwar soll jetzt ein Konzept erstellt werden, aber das dürfte dauern. Vor den Sommerferien werde es da kein Ergebnis geben, sagte Bürgermeister Markus Böck (CSU) und sprach das knappe Personal im Rathaus an. Allerdings sagte er „pragmatische“ Hilfe zu. Kasimir Katz (FDP) schlug vor, Sonnensegel aufzuspannen. Seine beiläufig vorgebrachte Idee, die Parteien könnten ihre zurzeit nicht benötigten Pavillons zur Verfügung stellen, wies Böck allerdings zurück, weil er Parteilogos auf dem Pausenhof offenbar unpassend findet. „Das gehört da nicht hin.“
Sebastian Riedelbauch (ÖDP) regte an, den Sonnenschutz in die Planungen für die Schulerweiterung aufzunehmen. Auch kamen Forderungen auf, den Hitzeschutz an der Schule grundsätzlich zu verbessern und über Rollos und solche Sachen nachzudenken. Gaby Hohenberger (Grüne) empfahl dringend, auf dem Außengelände Bäume zu pflanzen. Derzeit können Haselbeck zufolge die Lehrer dort auch nicht gut ausweichen, weil kühle Orte fehlten. belo
Eklat um Wasserspender in Vaterstetten
Auch den rund 1500 Schülerinnen und Schülern des Humboldt-Gymnasiums in Vaterstetten fällt das Lernen bei der Hitze schwer, allerdings bemühen sie sich um Konzentration, schildert der stellvertretende Schulleiter Alexander Hohn. Im Atrium des Gymnasiums kam es in den vergangenen Tagen während der Pausen regelmäßig zu Staus am Wasserspender der Schule. Für Aufregung unter Schülerinnen und Eltern sorgte ein Vorfall am Dienstag, bei dem eine Lehrkraft Schüler wegschickte, die während des Unterrichts ihre Wasserflaschen auffüllen wollten. Auf Nachfrage bei der Schulleitung hieß es, dass die Nutzung des Wasserspenders grundsätzlich gestattet sei, jedoch leise erfolgen müsse, da aufgrund der hohen Temperaturen in allen Räumen bei offenen Türen unterrichtet wird.
Am Mittwochvormittag hat eine Gruppe von Achtklässlern auf eigene Initiative einen Unterrichtsausfall erbeten, allerdings kann das klassische Hitzefrei laut dem stellvertretenden Schulleiter Hohn nur bedingt umgesetzt werden, weil man Jugendlichen kurz vor dem Notenschluss am 14. Juli noch die Möglichkeit geben möchte, ihre Noten durch Präsentationen oder andere Prüfungen zu verbessern. Ein kompletter Unterrichtsausfall kurz vor den Ferien könnte ansonsten negative Auswirkungen haben. Magalie Mohler
Picknick mit Kirschkernspucken in Pullach
Auch in den Räumen der Grundschule Pullach ist es in diesen Tagen ziemlich heiß. Konrektorin Stephanie Schmucker misst in einem Klassenzimmer am gestrigen Mittwochvormittag 30,2 Grad. Also versucht man an der Schule, sich die warmen Tage so erträglich wie möglich zu machen und lässt sich etwas einfallen.
So hat die Lehrerin mit ihrer Klasse 2 a vorige Woche einmal den Unterricht nach draußen verlegt. „Wir haben die Picknickdecken in den Bollerwagen gepackt und sind zur Hochleite gegangen“, erzählt sie. Dort befindet sich ein Kneipp-Becken mit kühlem Wasser. „22 Kinder sind im Kreis gegangen und haben gesungen“, erzählt die Konrektorin. Den Unterrichtsstoff hatte die Gruppe dabei. Sie habe auch alles geschafft, was geplant war, sagt ihre Lehrerin. „Wir hatten einen herrlichen Vormittag bei 32 Grad.“ Später gab’s noch Kirschkernspucken.

Wetter in Deutschland:Die erste Hitzewelle des Jahres
Deutschland ächzte tagelang unter Temperaturen deutlich über 30 Grad. Aber ist es wirklich heißer als sonst um diese Zeit? Finden Sie heraus, wie ungewöhnlich die Temperatur gerade in Ihrer Region ist.
Überhaupt trifft die Schule verschiedene Maßnahmen, um das Lernen bei der Hitze angenehmer zu machen. Ab 28 Grad gibt es keine Hausaufgaben. Immer wieder wird Unterricht draußen abgehalten, im Pausenhof gibt es dafür Tische und Bänke im Schatten. Dort war Schmucker am Mittwoch mit ihrer 2a. Weil sie Geburtstag hatte, gab es Eis. Sogar auf Waldklassenzimmer neben der Burg Schwaneck können die Lehrer ausweichen. „Wir haben totales Glück“, bewertet das die Konrektorin. Hitzefrei gibt es an der verlässlichen Grundschule nicht. Der Unterricht muss nach Stundenplan abgehalten werden, weil sich die oft berufstätigen Eltern auf die Betreuung verlassen müssen. dabo
Dusche vom Unimog in Krailling
Kraillinger Grundschüler haben am Mittwochvormittag im Pausenhof eine erfrischende Dusche vom Bauhof bekommen, mit einem Unimog. Eigentlich dient die Brausevorrichtung am Fahrzeug dazu, in Trockenperioden Blumen und Büsche an den Straßen oder auf Verkehrsinseln zu gießen. Nun wurde der Gießwagen mit Wassertank zweckentfremdet. Auf jeden Fall eine außergewöhnliche Aktion, mit den außergewöhnlichen Temperaturen umzugehen. „Das war ein Riesen-Hallo“, erzählt die Rektorin Alexandra Helfrich, „eine ganz tolle Stimmung und willkommene Abwechslung.“ Es gibt Bilder, auf denen zu sehen ist, wie etwa hundert Kinder unter der etwas ungewöhnlichen Dusche tollen und ihre Gaudi haben. Die Idee kam von der Gemeinde, die Eltern wurden kurzfristig vorab informiert, dass sie ihren Kindern Badesachen, Handtücher und Wechselkleidung mitgeben sollen.
Sie habe gleich sehr viele positive Rückmeldungen von den Eltern bekommen wegen der tollen Aktion, erzählt die Schulleiterin. In der Kraillinger Grundschule werden etwa 260 Buben und Mädchen unterrichtet, viele von ihnen bleiben bis in den Nachmittag in der Ganztagsschule. Draußen im Pausenhof steht für sie immer, wenn es heiß ist, ein kleiner Pool bereit, in dem sie planschen und sich abkühlen können. Ansonsten ist es in dem Altbau gegenüber vom Rathaus gar nicht so einfach, ein kühles Plätzchen zu finden. Eine Klimaanlage gibt es nicht, die Außenrollos entsprechen auch nicht mehr heutigen Anforderungen. „Es ist schon warm bei uns“, sagte Alexandra Helfrich. rzl

