Jugend gründetLieber im Müll als im Körper

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Der 17-jährige Michael Drost aus Neuried hat ein Verfahren entwickelt, wie sich Mikroplastik einfach von Obst und Gemüse entfernen lässt.
Der 17-jährige Michael Drost aus Neuried hat ein Verfahren entwickelt, wie sich Mikroplastik einfach von Obst und Gemüse entfernen lässt.
Stephan Rumpf
  • Der 17-jährige Michael Drost aus Neuried hat ein Verfahren entwickelt, das Mikroplastik von Obst und Gemüse entfernt und damit beim Wettbewerb „Jugend gründet" den dritten Platz belegt.
  • Das Verfahren „Esculentus" nutzt natürliche Stoffe aus Braunalgen und Calciumlactat, die auf das Gemüse gesprüht eine gelartige Masse bilden und Mikroplastik mechanisch einschließen.
  • Drost denkt über eine Selbstständigkeit nach, hat bereits eine Patentanmeldung laufen und könnte sich sowohl ein Verbraucherprodukt als auch ein industrielles Verfahren vorstellen.
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Ein Schüler aus dem Landkreis München hat ein Verfahren gegen Mikroplastik auf Lebensmitteln entwickelt. Mit seiner Idee belegte der 17‑jährige Michael Drost aus Neuried beim Wettbewerb „Jugend gründet“ den dritten Platz.

Von Asja Wortmann, Planegg

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Mikroplastik steckt in der Umwelt – und findet sich auch auf Obst und Gemüse. Michael Drost aus Neuried will das ändern. Der 17‑jährige Schüler hat ein Verfahren entwickelt, das Mikroplastik auf Lebensmitteln reduziert, und damit beim bundesweiten Wettbewerb „Jugend gründet“ den dritten Platz erreicht. Mikroplastik besteht aus kleinsten Kunststoffpartikeln, die sich in Luft, Böden, Meeren und auch im menschlichen Körper nachweisen lassen. Studien sehen darin laut Umweltbundesamt trotz bestehender Unsicherheiten „hinreichend Grund zur Annahme“, dass Mikroplastik dem Menschen schadet. Eine wichtige Aufnahmequelle sind Lebensmittel.

Drost besucht die 12. Klasse des Feodor‑Lynen‑Gymnasiums in Planegg. Sein Projekt „Esculentus“ – lateinisch für essbar – entwickelte er im Rahmen des Wissenschaftspropädeutischen Seminars (W‑Seminar). Auf den Wettbewerb „Jugend gründet“ wurde er über einen Aushang an seiner Schule aufmerksam. „Ich wusste schon, dass ich im W-Seminar was mit Plastik machen muss“, erzählt der Schüler. „Und dann war ich schon ein bisschen am Verzweifeln, weil ich schon vor dem Schuljahr ein Thema haben wollte.“ Letztlich war es eine Suppe nach einem französischen Rezept, das den Anstoß für „Esculentus“, sein Projekt und die Teilnahme am Wettbewerb gab. Knochen, Fleisch und Gemüse werden dabei ausgekocht. Hinzu kommt Eiweiß, das beim Erhitzen gerinnt und Trübstoffe bindet. Diese werden abgeschöpft, übrig bleibt eine klare Brühe – eine Consommé.

Für das Verfahren, das Drost entwickelt hat, nutzt er natürliche Polysaccharide, genauer Alginat – ein Polysaccharid aus Braunalgen – und Calciumlactat. „Alginat wird in der Sterneküche für Fake-Kaviar eingesetzt“, sagt Drost. Calciumlactat werde als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Treffen die beiden Stoffe aufeinander, reagieren sie miteinander. Werden sie zeitgleich etwa auf eine Gurke gesprüht, bildet sich eine gelartige Masse, die Mikroplastik mechanisch einschließt. Diese Masse kann anschließend über den Hausmüll entsorgt werden. „„Mikroplastik lässt sich nur dadurch entfernen, dass man das Gemüse mit Spülmittel wäscht oder meine Methode nutzt“, sagt Drost überzeugt. Die für „Esculentus“ genutzten Stoffe hätten jedoch eine Lebensmittelzulassung.

„Ich wünsche mir eine Welt ohne Mikroplastik“, sagt der Schüler. „Aber das wird nicht passieren.“ Dann habe er es lieber im Müll als in seinem Körper. Die Gefahr von Mikroplastik werde aus seiner Sicht unterschätzt. Drost selbst achtet auf seine Ernährung, trainiert, wenn er nicht mit der Schule beschäftigt ist, im Fitnessstudio.  Er geht davon aus, dass „Esculentus“ vor allem für jene interessant wäre, die ohnehin Wert auf ihre Gesundheit legen. „Es gibt eine große Bereitschaft in der Bevölkerung, Geld für gesundes Essen auszugeben.“

Denkbar sei für ihn ein Verkauf in einer Sprühflasche mit einem Zwei‑Komponenten‑System, mit dem Verbraucherinnen und Verbraucher zu Hause ihr Gemüse behandeln könnten. Ebenso könne er sich ein industrielles Verfahren vorstellen, bei dem die Stoffe bereits vor dem Verkauf auf das Gemüse aufgebracht werden. Ähnlich wie bei Bio‑ oder Fairtrade‑Kennzeichnungen könnte es dafür eines Tages ein eigenes Siegel geben.

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Drost denkt darüber nach, mit seinem Verfahren den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, eine Patentanmeldung läuft bereits. Die Finanzierung sei bei der Existenzgründung das allergrößte Problem sagt er. Nach dem Abitur möchte er am liebsten an der TU München studieren. Was genau, das weiß er noch nicht. Infrage kämen Naturwissenschaften oder Betriebswirtschaftslehre – gerne verbunden mit einem Auslandssemester in Irland.

Wettbewerbe wie „Jugend gründet“ hätten einen ganz anderen Lerneffekt als der klassische Schulunterricht, sagt Drost. Er habe dort gelernt, sein Projekt so zu erklären, dass es auch für Nicht‑Chemikerinnen und ‑Chemiker verständlich sei. Mit „Esculentus“ tritt der Schüler derzeit auch bei einem weiteren Wettbewerb an, der Bayern-Challenge der Start-up Teens. Anderen Gründerinnen und Gründern rate er jedoch, den geplanten Projektnamen vorher in eine Suchmaschine einzugeben. Wer nach „Esculentus“ sucht, stößt in der Ergebnisliste nämlich ganz oben auf einen Teichfrosch – lateinisch: Pelophylax esculentus. Einer Umbenennung steht allerdings nichts im Wege: Der Name steht nicht in der Patentanmeldung.

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