Schule:Flanieren am Rasenspielfeld

Eine Mehrheit im Gemeinderat von Höhenkirchen-Siegertsbrunn will das Sportgelände des Gymnasiums südlich des Kirchenwegs erweitern und verzichtet damit auf eine 400-Meter-Bahn. Das gefällt nicht jedem

Von Patrik Stäbler, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Der Gemeinderat von Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat den Weg frei gemacht für eine Bebauung südlich des Kirchenwegs - der sogenannten "Flaniermeile" im Ort. Jedoch sollen dort, wo der freie Blick bis zur Leonhardikirche reicht, weder Häuser noch Wohnungen entstehen. Vielmehr hat sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen, vis-à-vis des Gymnasiums einen neuen Sportplatz für die Schule zu bauen, deren Erweiterung ansteht. Diese Variante wird die Gemeinde dem Zweckverband staatliche weiterführende Schulen im Südosten des Landkreises vorschlagen. Zudem wird das Rathaus in seinem Schreiben auch auf die geplante Realschule im Ort eingehen. Sie soll nach dem einstimmigen Wunsch des Gemeinderats ohne 400-Meter-Laufbahn geplant werden.

Die zwei Vorhaben - der Realschulneubau und das angedachte Rasenspielfeld fürs Gymnasium - hängen insofern zusammen, als eine 400-Meter-Bahn nur gebaut würde, wenn sie beide Schulen gemeinsam nutzen. In diesem Fall könnte man auf eine weitere Sportfläche am Gymnasium verzichten, erklärte Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD). Der Gemeinderat war jedoch einhellig der Meinung, dass eine 400-Meter-Bahn nicht vonnöten sei und das Gymnasium lieber mit eigenen Sportflächen autark bleiben solle. Somit stellte sich dem Gremium die Frage, ob es dem Zweckverband als möglichen Standort für einen Sportplatz entweder das gemeindeeigene Grundstück östlich des Gymnasiums vorschlagen solle oder das Gebiet südlich des Kirchenwegs.

Für Letzteres plädierte Peter Guggenberger (CSU), da das alternative Areal an der Ahornstraße "mit Sicherheit einer der größten Vermögenswerte ist, den unsere Gemeinde hat". Für einen Sportplatz sei die Fläche "viel zu wertvoll", so Guggenberger - ein Argument, das auch Otto Bußjäger von den Unabhängigen Bürgern (UB) unterstrich. Er gab überdies zu Bedenken, dass es südlich des Kirchenwegs kaum Nachbarn gebe und somit weniger Probleme wegen des Lärms zu erwarten seien.

Anders sah das Bußjägers Fraktionskollegin Andrea Hanisch, die sich für einen Sportplatz östlich des Gymnasiums aussprach, um "die Flaniermeile Kirchenweg nicht zu verbauen". Katharina Prorok (CSU) warnte ebenfalls davor, an dieser Stelle "die Büchse der Pandora zu öffnen - auch nicht mit einem Sportplatz". Schließlich sei der südliche Kirchenweg "das Herzstück des Naherholungsgebiets unseres Orts". Demgegenüber befand Manfred Eberhard (UB), dass ein Rasenfeld südlich des Kirchenwegs eher die Tatsache "zementieren" würde, dass dort keine weitere Bebauung hinkomme. Und, so Eberhard: "Ich sehe die Flaniermeile durch diesen Sportplatz nicht gefährdet."

Letztlich votierte der Gemeinderat mit 16:9 Stimmen für die Variante südlich des Kirchenwegs. "Diesen Vorschlag werden wir dem Zweckverband zusenden, in der Hoffnung, dass wir im November eine Entscheidung herbeiführen", sagte Konwitschny. Mit Blick auf die geplante Realschule äußerte die Bürgermeisterin ihren "dringenden Appell" an den Zweckverband, "uns nicht länger hinzuhalten". Man brauche jetzt eine schnelle Entscheidung. Der Gemeinderat hatte im September beschlossen, an dem Standort Brunnthaler Straße für den Bau einer Realschule festzuhalten - wiewohl der Zweckverband zuvor angeregt hatte, die Entscheidung zu überdenken. Nicht zuletzt diese Vorgänge haben im Nachbarort Hohenbrunn die Überlegungen befeuert, sich als alternativen Standort für eine Realschule anzubieten.

© SZ vom 31.10.2020
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