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Schulcampus Unterföhring:Baustelle der Superlative

Grundsteinlegung Schulcampus Unterföhrning

Grundsteinlegung für den Schulcampus Unterföhring.

(Foto: Florian Peljak)

Neben der Allianz-Versicherung entsteht für 149 Millionen Euro der größte und teuerste Schulbau im Münchner Umland. Das Gymnasium wird das 17. im Landkreis - und noch lange nicht das letzte.

Mit 149 Millionen Euro ist der neue Schulcampus das größte Projekt in der Geschichte der Gemeinde Unterföhring - und das teuerste im Landkreis München, was Schulbauten angeht. Am Dienstagabend ist auf der weitläufigen Baustelle südlich der Allianz-Versicherung der Grundstein gelegt worden. Wie Landrat Christoph Göbel (CSU) dabei sagte, wird der Beitrag des Landkreises zum Gymnasium bei knapp 30 Millionen Euro liegen. Viel Geld, das für die Bildung von Kindern und Jugend gut angelegt sei, erklärten der Unterföhringer Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) und Göbel übereinstimmend. Der Entwurf für das lang gezogene Gebäude stammt von den Münchner Architekten Felix und Jonas.

Auf dem 50 000 Quadratmeter großen Grundstück, das der Gemeinde gehört, entstehen ein Gymnasium mit Sporthalle sowie eine neue Grundschule samt Hort und Mittagsbetreuung. Die Mensa dient beiden Schulen, ebenso die Tiefgarage. In unmittelbarer S-Bahn-Nähe entstehen ein fünfzügiges Gymnasium, das Platz für mehr als 1000 Schüler bietet, und eine vierzügige Grundschule, in der 400 Kinder unterrichtet werden. Das Unterföhringer Gymnasium wird mit Kosten von mehr als 90 Millionen Euro die teuerste Schule im ganzen Landkreis München werden.

Die Erdarbeiten für den ersten Bauabschnitt sind pünktlich zur Grundsteinlegung beendet worden, wie Bürgermeister Kemmelmeyer bei der Feierstunde sagte, die Ausschreibungen für weitere Gewerke laufen. In den vergangenen Monaten sind laut Architekt Manfred Felix 95 000 Kubikmeter Aushub abtransportiert worden - das entspricht 6000 Lastwagen-Fuhren.

Vorläuferklassen in Ismaning

Ein "Boulevard der Möglichkeiten" im Süden des 340 Meter langen Gebäudes und eine "Magistrale" im ersten Stock, die Grundschule, Mensa und Gymnasium verbinden, bilden in doppeltem Sinne das Herzstück des Projekts. Der Zeitplan für seine Verwirklichung ist sportlich: In den Schuljahren 2018/19 und 2019/20 werden die Buben und Mädchen in Vorläuferklassen im Nachbarort Ismaning lernen, ehe sie im September 2020 in ihre Heimatgemeinde umziehen sollen; dann soll dort der Schulbetrieb beginnen.

Während die Vierfach-Turnhalle als Solitärbau geplant und 4,50 Meter in den Boden eingelassen wird, sind die Schulgebäude wie an einer Perlenschnur an der Magistrale aufgefädelt. Das Grundstück liegt südlich des Allianz-Gebäudes, an den sich ein Grünzug anschließt. Grün sollen auch die Höfe werden, die für die beiden Schulgebäude vorgesehen sind und in denen Unterricht stattfinden kann. Die Grundschule mit Hort liegt im westlichen Bereich, mittig schließt sich die Mensa an.

Grundsteinlegung Schulcampus Unterföhrning

Hier entsteht der neue Schulcampus Unterföhring.

(Foto: Florian Peljak)

Die Sprachenfolge wird voraussichtlich mit Englisch ab der fünften Klasse starten, zweite Fremdsprache wäre Latein ab der sechsten Klasse und Französisch, die dritte Fremdsprache, ab der achten Klasse. Die abschließende Ausrichtung mit Fächerangebot ist derzeit in Arbeit, ebenso das Konzept für die fünf "pädagogischen Inseln". Dafür verantwortlich zeichnet Heinz Durner, der Beauftragte für weiterführende Schulen im Landkreis München.

Die Unterföhringer Oberschule liegt ihm besonders am Herzen. Ursprünglich als bayerisches Leuchtturmprojekt der Inklusion für hörbehinderte Schüler gedacht, soll das Gymnasium nun allerdings nur noch inklusionsfähig werden - barrierefrei und so ausgestattet, dass die Schule auch von hörbehinderten Kindern und Jugendlichen besucht werden kann. Aber eben eine Nummer kleiner, um nicht von Eltern betroffener Schüler überrollt zu werden, sagte Durner.

Es wird mit vielen Schülern aus München gerechnet

In erster Linie ist das Unterföhringer Gymnasium eine Oberschule für den Landkreis - und darüber hinaus auch für Kinder aus dem nahen München. Bereits jetzt wird damit gerechnet, dass eine Vielzahl von Buben und Mädchen aus der Landeshauptstadt einmal das Gymnasium in der Stadtrandgemeinde besuchen wird.

Der Weg zur eigenen Oberschule in Unterföhring war lang. Als sich der Kreistag im Sommer 2012 in einer Kampfabstimmung mit einer Stimme Vorsprung für den Ismaninger Standort aussprach, war die Enttäuschung groß. Dass es dann aber doch so schnell gegangen sei mit der Unterföhringer Schule, könne man fast nicht glauben, sagte Landrat Göbel. "Doch nicht einmal die drei Gymnasien in Garching, Ismaning und Unterföhring reichen aus", berichtete er, sodass in Aschheim nun ein weiteres Gymnasium im Norden entstehen wird. Die Genehmigung ist Anfang September erteilt worden. Einen entsprechenden Antrag des Landkreises München hat das bayerische Kultusministerium gebilligt.

Entlastung für Nachbargemeinde Kirchheim

Damit entsteht im bevölkerungsreichsten Landkreis des Freistaats bereits das 17. staatliche Gymnasium, das vor allem die bestehende Oberschule der Nachbargemeinde Kirchheim entlasten soll. Nirgendwo sind die Übertrittsquoten so hoch wie im Landkreis München, wo mehr als 60 Prozent aller Kinder nach der vierten Klasse auf diese Form der weiterführenden Schule wechseln.

Nach den Worten von Kultusstaatssekretärin Carolina Trautner wird der Schulcampus der Superlative, den die Unterföhringer errichten lassen, "die wichtigen bildungspolitischen Herausforderungen - wie die digitale Bildung oder die Ganztagsbetreuung - in beispielhafter Weise annehmen." Das geplante naturwissenschaftlich-technologische Gymnasium mit sprachlichem Zweig biete bestmögliche Voraussetzungen für einen zeitgemäßen Unterricht und ein vielgestaltiges Schulleben. "Kinder und Jugendliche werden hier einen attraktiven Lern- und Lebensraum finden, in dem sie sich zu verantwortungsbewussten und starken Persönlichkeiten entwickeln können", ist Staatssekretärin Trautner überzeugt.

Die Grundsteinlegung markiere einen wichtigen Meilenstein, sagte sie und griff zusammen mit Landrat Göbel, Architekt Felix, Rathauschef Kemmelmeyer, den beiden Unterföhringer Altbürgermeistern Franz Schwarz und Klaus Läßing sowie weiteren am Projekt Beteiligten zur Kelle, um einen kleinen Ziegelquader für die Grundstein-Beigaben zu mauern.

© SZ vom 20.09.2018/hilb
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