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Schüler aus S-Bahn gedrängt:Kaltes Herz

Schulranzen zu dick - Fahrgäste lassen Bub nicht in die S-Bahn.

Eisiger Wind, Schnee und Menschen, die im Halbdunkel frierend auf die verspätete S-Bahn warten: Bahnsteige können im Winter unwirtliche Orte sein. Ein Fall in Unterhaching vom Montagmorgen zeigt, dass manchen in der Kälte auch das Herz einfriert. Denn was ihrem zehnjährigen Sohn auf dem Weg zur Schule passiert ist, lässt Radostina El Mekhfi nicht los. "Jeder denkt nur an sich", sagt sie.

Was war passiert? Ihr Sohn war auf dem Weg zur zweiten Stunde im Münchner Pestalozzi-Gymnasium und wartete kurz vor 8 Uhr auf den Zug Richtung Ostbahnhof. Der Zug hatte 15 Minuten Verspätung und als er endlich einfuhr, telefonierte der Bub mit seiner Mutter. So bekam die Unterhachingerin direkt mit, wie ihrem Sohn wegen seines angeblich dicken Schulranzens verwehrt wurde einzusteigen. "Es ist kein Platz mehr hier", rief eine Frauenstimme. Kurz darauf ging die Tür zu.

Dass Erwachsene einem Kind gegenüber so rücksichtslos sein können, entsetzt die Mutter. "Wie ticken wir heutzutage?", fragt sie. Sie habe es nicht für möglich gehalten, dass Erwachsene ein Kind in der Kälte stehen lassen würden. Traurig stimme sie das. "In was für einer Welt leben wir?"