Kreatives Schreiben fördern und Jugendlichen einen Anreiz bieten, ihre Fähigkeiten auf die Probe zu stellen – das ist nach den Worten von Fachbereichsleiterin Anja Rahimpour das Ziel der Volkshochschule (VHS) Vaterstetten mit dem jährlichen Schreibwettbewerb. Die sechs Siegertexte zum diesjährigen Leitthema „In den Fängen der Manipulation“ wurden unlängst bei einer Preisverleihung verkündet. Sechs Siegerinnen und ein Sieger – ein Text stammte von zwei Autorinnen – durften sich über Preisgelder von der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg freuen.
Die erfolgreiche Jugendbuchautorin Juliane Breinl ist nicht nur Teil der Jury des Wettbewerbs, der 2019 zum ersten Mal stattfand, sondern bestimmt mit Rahimpour zusammen das jeweilige Thema. Für die zurückliegende Aufgabe orientierten die beiden sich am Schwerpunkt des VHS-Winterprogramms „KI & Cyber“, wobei die Geschichten nicht unbedingt auf diesen Themenkomplex bezogen sein mussten. Versuche, andere zu einem bestimmten Handeln zu manipulieren, habe es schließlich zu allen Zeiten gegeben, sagt die VHS-Fachbereichsleiterin für Sprachen und Literatur.
Die Aufgabenstellung solle immer ansprechend für Jugendliche sein und Anreize für eine gute Kurzgeschichte geben. Eine, die das offenbar schon ausgezeichnet beherrscht, ist Anjella Widder. Schließlich gewann die 14 Jahre alte Gymnasiastin aus Althegnenberg im Landkreis Fürstenfeldbruck schon zum zweiten Mal hintereinander den 1. Preis in der Altersgruppe der 13- bis 15-Jährigen. Bei ihrem diesjährigen Beitrag „45 Minuten“ habe sie es zunächst schwer gehabt mit dem Thema, doch sobald sie eine Idee hatte, sei ihr das Schreiben dann gut von der Hand gegangen, sagt die Jungautorin.

Ihr Text handelt von einem jungen Mädchen, das unter ihrem herrischen Lehrer leidet. Widder beschreibt detailliert den psychologischen Druck, den die Protagonistin spürt. Das Ganze sei „ein bisschen überspitzt dargestellt“, erklärt die Achtklässlerin, basiere aber im Wesentlichen auf ihren eigenen Schulerfahrungen. Ihre Einreichung für den Wettbewerb im vergangenen Jahr habe sie „ganz schön kürzen“ müssen, um die vorgegebenen sechs Seiten nicht zu überschreiten. Deshalb planen Widder und ihre Mutter, die Geschichte bald im Selbstverlag über einen Online-Händler zu veröffentlichen.
Anjella Widder hat das Schreiben nach eigenen Worten gewissermaßen von ihrem Opa geerbt. Vorletztes Jahr stieß die Schülerin dann durch eine Schul-AG auf Poetry-Slams, wodurch sie motiviert wurde, eigene Werke vor Publikum vorzutragen. So hat Widder auch schon am U20-Poetry-Slam im Volkstheater München teilgenommen. Ein erster eigener Jugend-Fantasy-Roman ist auch schon in der Mache.
„Wenn man neue Ideen haben will, muss man alte Bücher lesen“, sagt Preisträgerin Anjella Widder
Bücher aus diesem Genre gehörten zu ihren Lieblingsbüchern, erzählt die 14-Jährige. Sie kann aber auch alten Klassikern wie dem „Besuch der alten Dame“, den ihre Klasse gerade in der Schule lesen muss, etwas abgewinnen: „Wenn man neue Ideen haben will, muss man alte Bücher lesen.“ Damit sie auch für die nächste Ausschreibung einen guten Einfall hat, feilte Widder bereits in den Pfingstferien an ihren Schreibfertigkeiten.
Genau diese Begeisterung für das Geschichtenerzählen will Anja Rahimpour fördern. Den Schreibwettbewerb hat ihr Vorgänger an der VHS Vaterstetten, Peter Lang, gegründet. Dieser habe auch die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg mit ins Boot geholt, die die Preise sponsert. 50, 100 und 150 Euro erhalten die jeweiligen Dritt-, Zweit- und Erstplatzierten. „Das motiviert natürlich mehr als irgendwelche Gutscheine“, meint Rahimpour lachend. Das Kultusministerium helfe ebenfalls sehr, indem es die Ausschreibung an Schulen bekannt macht. Das sei auch dringend notwendig, da es vor allem Wahlfächer und Schülerzeitungen seien, die Schülerinnen und Schüler zum Schreiben animieren.

Gemeinsam mit Juliane Breinl, anderen VHS-Mitarbeitenden und jugendlichen Testlesern bildet Rahimpour die Jury des Wettbewerbs. Breinl, die auch Schreibtrainerin ist, hat dafür einen Kriterienkatalog entwickelt, nach dem schlussendlich eine Entscheidung über die Sieger getroffen wird. Von der erfahrenen Autorin konnten sich die jugendlichen Schreiberlinge bei der Preisverleihung hilfreiche Tipps abholen.
Für die nächste Runde wünscht sich Organisatorin Rahimpour, dass die Teilnehmenden ihre Beiträge nicht erst kurz vor Abgabeschluss am 15. Februar 2026 einreichen. Interessierte hätten schließlich beinahe ein halbes Jahr Zeit zu schreiben. Das nächste Thema soll schon Ende Juli auf der Webseite der Volkshochschule veröffentlicht werden.
Die Gewinnertexte von 2025 und den vorherigen Jahren gibt es auf der Webseite der VHS Vaterstetten zu lesen.

