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Mimi:Gerollte Köstlichkeiten aus der Kräuterküche

Das Ehepaar Nguyen verwöhnt im "Mimi" an der Westendstraße die Gäste ganz unaufgeregt mit vietnamesischen Spezialitäten.

(Foto: sueddeutsche.de)

"In Vietnam musst du das Essen nicht suchen, es sucht dich" - das "Mimi" in der Westendstraße überzeugt mit schlichtem Charme und unaufgeregtem Service.

Es muss etwas mit der Katze zu tun haben. Deren Jahr läuft gerade in Vietnam, und auf Samtpfoten hat sie sich an die Münchner angeschlichen, die sich an all den Thailändern und Japanern ein wenig überfressen haben.

Inzwischen gibt es an die 40 vietnamesische Restaurants in der Stadt. Schnelle und schicke, Thekensteherbuden und Szeneläden, die Gäste wie Koberer auf der Reeperbahn in ihre Lokale lotsen. Sie locken mit loungigem Ambiente, Asiakitsch und Erleuchtung.

Mimi ist anders, Mimi lächelt nur fein. Wenn man denn zu ihr findet, an das hintere Ende der Westendstraße jenseits des Mittleren Rings. Im Telefonbuch steht sie nicht, bei der Auskunft ist sie unbekannt, und die im Lokal ausgelegten Visitenkarten sehen aus wie am Bahnhofsautomaten fabriziert.

Mimi wartet einfach, die Gäste kommen auch so. Herrscht montags meditative Stille, ist das Wochenende Tage zuvor ausgebucht - was bei der übersichtlichen Anzahl an Tischen schnell passiert, ob der Beliebtheit aber auch sonst geschehen könnte. Die Einrichtung ist so wohltuend weit von Asiakitsch entfernt wie München von Ho-Chi-Minh-Stadt, dem Epizentrum der südvietnamesischen Küche, dem sich das Mimi verschreibt.

Schlichte Teppiche und in Rahmen gebannte Trachten zieren die Wände. Ein Altar begrüßt die Gäste, die an Holztischen ohne Damast und Gläsergedöns Platz nehmen. Diskret umsorgen Herr und Frau Nguyen die Gäste; am Herd steht seit der Eröffnung vor einem Jahr ein Landsmann, der feine Südküche anrichtet.

Die Schärfe bekommt diese durch Chili, die Frische durch Kräuter, die besondere Note durch die friedliche Koexistenz von Frucht und Fleisch. Würze bringt flächendeckend Nuoc Mam, die fischige kleine Schwester der in Asien so verbreiteten Sojasoße.

Der Lackmustest für Wirtshäuser ist das Wiener Schnitzel, in vietnamesischen Lokalen ist es Pho, die würzige Suppe auf Consommé-Basis, die den Einfluss der französischen Kolonialherren verrät. Mit zartem Rindfleisch, Sprossen, Nudeln, Ingwer und Thaibasilikum kam Pho Bo (5,90 Euro) zum Entrée so frisch daher, dass eine nahende Erkältung kampflos aufgab.

Frühlingsrollen mit Garnelen und Krebsfleisch (4,90 Euro) folgten, das Meeresgetier war würzig, der Teig knusprig, aber für die vietnamesische Küche, die sich rühmt, fast ohne Öl auszukommen, waren die Rollen zu tranig.

Gerollt wurde auch bei der Hauptspeise, in zartes Reispapier, dem Banh Trang. Auf den Tellern lagen saftig gegrillte Riesengarnelen (20 Euro) oder pfeffrige Rindfleischröllchen in Betelblättern (13 Euro), dazu Ananas, Gurken, Reisnudeln nebst einem so üppigen Bouquet aus Asiakräutern, dass man sich sofort fragte, was der Berg wohl auf dem Viktualienmarkt kosten würde.

Beim Rollen sollte man unbedingt Herrn Nguyens Nachhilfe erbitten. Dann streift er sich nämlich Einmalhandschuhe über und wickelt derart konzentriert die aromatischen Päckchen, als operiere er am offenen Herzen.

Der Mitesser zeigte sich derweil angetan von der milden Schärfe seines Tintenfischs mit schwarzen Bohnen (9,50 Euro), hätte ihn sich aber einige Grad wärmer vorstellen können. Wir wählten als Begleiter Bier und Schorlen, die aus frisch pürierten Litschis und Mangos zubereitet werden.

Der positive Eindruck hielt beim zweiten Besuch an. Wir rollten, wickelten, tunkten. Freuten uns über einen knackigen Salat mit Ente und Mangostreifen (8,50 Euro), über Riesengarnelen in Karamellpfeffersauce (17 Euro), die die asienversierte Esspartnerin für ihr feines Spiel aus breiter Schärfe und süßer, aber nicht zu süßer Karamellnote lobte.

Und wem die Karte nicht reicht, der ist auch gut aufgehoben: "Irgendwie Ente und Mango" kam als sensationell knusprige Entenbrust mit Zucchinistreifen in einer säuerlichen Mangosoße (11 Euro), die nichts von der pappsüßen Tunke hatte, die man sonst oft erlebt. Bodenständige Begleiter kamen aus Italien, frisch und fruchtig passend zur leichten Küche, Lugana vom Gardasee, Chardonnay aus Brindisi, Rosato aus Apulien.

Zum Dessert werden gebackene Ananas und Bananen oder Eis feilgeboten, also nichts, was neugierig macht - wären da nicht Dampfnudeln (4,50 Euro) annonciert. Es wurden zwei Germknödelchen serviert, gefüllt mit Lotuskernen, die feinnussig schmecken, vielleicht einen Tropfen Soße gegen die Trockenheit vertragen hätten - was aber das Einzige war, was es an dem Abend zu beanstanden gab.

"In Vietnam musst du das Essen nicht suchen, es sucht dich", heißt es im Land der Gastgeber, und eh wir es uns versahen, hatte uns die scheue Mimi mit ihrem schlichten Charme, dem unaufgeregten Service und den feinen Kräuterrollen hinterrücks eingewickelt.