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Sauerlach:Widerstand gegen Sendemasten in Kleineichenhausen

Handymast auf dem Kraillinger TV-Gelände

Die Auswirkungen von Mobilfunkmasten auf den Wert von Grundstücken sind schwer zu beziffern.

(Foto: Franz-Xaver Fuchs)

Anwohner befürchten einen Wertverlust ihrer Immobilien und gesundheitliche Schäden - und sammeln Unterschriften gegen die Pläne der Deutschen Telekom

Im Kleineichenhausen regt sich Widerstand gegen die Pläne der Telekom, einen Mobilfunkmasten im Westen des Sauerlacher Gemeindeteils zu errichten. Robert Dörfler und fünf weitere Bewohner haben eine Bürgerinitiative namens Ortsteile Sauerlach-West gegründet. Sie hat Flugblätter in Kleineichenhausen und den Nachbarorten verteilt und sammelt nun Unterschriften gegen den Mobilfunkmasten. "Wir mussten erst mal aufklären, was da geplant ist", sagt Dörfler. "Denn viele Bewohner wussten davon noch nichts."

Auch im Sauerlacher Rathaus ist das Vorhaben offiziell noch kein Thema gewesen, wie Bauamtsleiter Hubert Zellner sagt. Ihm sei zwar bekannt, dass Mobilfunkbetreiber schon seit längerem nach Standorten für einen Sendemasten im Bereich Altkirchen suchten. Für die aktuelle Pläne aber sei bisher kein Bauantrag eingereicht worden.

Ein Sprecher der Deutschen Telekom bestätigt derweil, dass die Firma einen Mobilfunkmasten in Kleineichenhausen errichten will. Geplant sei ein 40 Meter hoher Stahlgittermast, der zur Versorgung des ländlichen Raums mit LTE dienen solle. "Wenn alles gut läuft", sagt der Sprecher, "wird der Mast noch in diesem Jahr gebaut."

Das freilich will die Bürgerinitiative verhindern. Laut Robert Dörfler hat die Telekom im vergangenen Sommer bei mehreren Bewohnern Kleineichenhausens angefragt, ob der Konzern den Mobilfunkmasten auf ihren Grundstücken errichten könne. "Zwei Nachbarn haben das abgelehnt, ein anderer hat dann aber einen Vertrag mit denen gemacht", erzählt Dörfler. Das betreffende Grundstück liegt ihm zufolge westlich von Kleineichenhausen in Richtung Endlhausen. "Da gibt es eine Waldlichtung, und da soll dieser Mast gebaut werden", sagt Dörfler.

Er und seine Mitstreiter befürchten nun zum einen, dass ihre Immobilien dadurch beträchtlich an Wert verlieren. In einem ihrer Flugblätter verweist die Bürgerinitiative auf eine Einschätzung des "Rings Deutscher Makler", der die Wertverluste auf "bis zu 50 Prozent" beziffert.

Diese Angabe ist jedoch sowohl veraltet als auch verkürzt wiedergegeben. Denn die gemeinte Publikation des Rings Deutscher Makler, der zwischenzeitlich im Immobilienverband IVD aufgegangen ist, stammt nicht nur aus dem Jahr 2003. Sondern in der neunseitigen Analyse betont die Autorin auch ausdrücklich die Probleme von Sachverständigen, wenn es um die Ermittlung entsprechender Wertverluste geht, da es hier bloß "ungesicherte Erkenntnisse und mangelnde Vergleichswerte" gebe. Die genannten 50 Prozent beziehen sich auf eine Umfrage unter Maklern, die eine Immobilie in der Nähe eines Sendemasts verkaufen wollten. Ihnen zufolge lag deren Wertminderung "bei fünf bis hin zu 50 Prozent", heißt es in dem Papier. Entscheidend sei dabei die Entfernung des Sendemasts zur Immobilie.

Zum anderen sorgen sich die Unterstützer der Bürgerinitiative OSW um mögliche Gesundheitsgefahren. Dazu heißt es auf einem Flugblatt: "Studien beweisen: Die Strahlung von Mobilfunkantennen fördert Krebs und hat vielfache weitere massive, schädliche Auswirkungen auf alle lebenden Organismen." In der Tat gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die einen Zusammenhang sehen zwischen Funkmasten und erhöhten Krebszahlen. Deutlich mehr Studien kommen aber zu dem Schluss, dass - bei Einhaltung der Grenzwerte - keine Gesundheitsgefahr besteht.

Vonseiten des Bundesumweltministeriums heißt es dazu: "Unterhalb der bestehenden Grenzwerte besteht nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand keine gesundheitliche Gefährdung." Demnach sei zwar nachgewiesen, dass hochfrequente elektromagnetische Felder das menschliche Gewebe erwärmen. Jedoch könne der Körper dies selbst ausgleichen, teilt ein Sprecher des Ministeriums mit. "Nicht-thermische Wirkungen wie zum Beispiel krebsauslösende Wirkungen konnten nicht nachgewiesen werden."

Dennoch wollen Dörfler und die Bürgerinitiative gegen den Bau des Sendemasts kämpfen. Auch eine öffentliche Veranstaltung ist geplant - wenn es die Corona-Lage wieder zulässt. Bis dahin soll weiter um Unterstützer und Unterschriften geworben werden. Schließlich ist Dörfler überzeugt: "Wir haben ein gut funktionierendes Handynetz in den Ortschaften. Was viel wichtiger wäre, ist ein schneller, kompletter Glasfaserausbau."

© SZ vom 08.04.2020

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