SauerlachViel Pflicht, wenig Kür

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Die Gemeinde muss Schulden machen, um investieren zu können

Von Michael Morosow, Sauerlach

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Der Geldkreislauf in Sauerlach nimmt an Geschwindigkeit zu. Nie zuvor hat die Gemeinde höhere Einnahmen erzielt, nie zuvor stand sie vor höheren Investitionen, nie zuvor plante sie mit einer derart hohen Neuverschuldung. Unterm Strich steht eine "wackelige schwarze Null", wie Kämmerer Peter Bosch angesichts des Überschusses in Höhe von gerade einmal 96 046 Euro sagte. Eines aber ist gleichgeblieben: Wie schon vor einem Jahr bilanzierte Bosch, der Haushalt sei derart auf Kante genäht, dass er keinerlei Spielraum für unerwartete Aufwendungen beziehungsweise Investitionen zulässt. Und dass die schwarze Null steht, ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Gemeinde in jüngster Vergangenheit sich der Pflicht verschrieb und die Kür ausließ. Zum Nachteil etwa der Sauerlacher Fußballer, deren lang ersehnter, geschätzt 1,4 Millionen Euro teurer Kunstrasen zurück auf die Warteliste geschoben wurde.

Das Volumen des Haushalts 2018 beläuft sich auf "noch nie dagewesene" 31,65 Millionen Euro", sagte der Kämmerer. Das ist in der Tat viel Holz; 2017 wirtschaftete die Gemeinde noch mit einem Ansatz von knapp 24 Millionen Euro. Das vergangene Haushaltsjahr verlief jedoch unerwartet positiv, insbesondere was die Steuererträge anbelangt. So übertrafen die Einnahmen durch die Gewerbesteuer den Haushaltsansatz von 4,2 Millionen Euro um satte 650 000 Euro und nahm die Gemeinde durch die Einkommenssteuer 6,38 Millionen Euro ein - statt erwarteter sechs Millionen Euro. Laut Planansatz für den laufenden Haushalt rechnet die Gemeinde für heuer mit 4,5 Millionen Euro Gewerbesteuer und mit einer Einkommenssteuerbeteiligung in Höhe von 6,438 Millionen Euro. Der Blick auf die Abgabenseite bereitet dem Gemeinderat indes weniger Freude. Die Kreisumlage, die der Landkreis für die Finanzierung seiner Aufgaben abzweigt, ist von 4,27 Millionen Euro auf 4,66 Millionen Euro gestiegen, während gleichzeitig die Vorhaben der Gemeinde finanziell dramatisch hoch zu Buche schlagen. Allein für Baumaßnahmen wird die Gemeinde 10,31 Millionen Euro hinlegen müssen, etwa für die Errichtung einer Mietwohnanlage 3,5 Millionen Euro, für Umbau und Erweiterung der Grundschule 4,9 Millionen Euro.

Dass dies alles nur mit weiteren Schulden zu stemmen sein wird, war von vorneherein klar. Für das laufende Jahr ist eine Kreditaufnahme in Höhe von 8,7 Millionen Euro vorgesehen, der voraussichtliche Schuldenstand zum Ende des Jahres wird geschätzt 11,24 Millionen Euro betragen. "Ich bin froh, dass viele Jahre gespart wurde, wir fast schon geizig waren, sonst könnte wir die Investitionen nicht stemmen", sagte Alexander Rickert (SPD). Auch die Redner anderer Fraktionen würdigten die Leistung des Kämmerers und stimmten am Ende dessen Zahlenwerk zu. Nur Axel Horn (Grüne) stimmte dagegen. Ihm geht der Sparwille der Gemeinde nicht weit genug.

© SZ vom 01.02.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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