bedeckt München

Neustart der Friseure:"Die ersten drei Wochen im März sind komplett verplant"

Coronavirus - Friseure in Bayern

Lange erwartet: Am Montag dürfen die Friseure wieder öffnen.

(Foto: dpa)

Friseurmeisterin Gaby Kellner rechnet nach der Wiedereröffnung mit einem arbeitsreichen März. Ein Gespräch über laufende Kosten im Lockdown, unmoralische Angebote und selbstgeschnittene Frisuren.

Interview von Julius Baumeister

Seit 23 Jahren führt Gaby Kellner ihren Friseursalon in Sauerlach. Wie alle Kollegen musste die 53-Jährige das Geschäft im Dezember aufgrund der steigenden Corona-Fallzahlen schließen. Mehr als zwei Monate später bereitet sich die Friseurmeisterin nun auf die Wiedereröffnung am 1. März vor.

SZ: Frau Kellner, am kommenden Montag dürfen auch Sie Ihren Friseursalon in Sauerlach wieder öffnen. Wie ist Ihre Gefühlslage?

Gaby Kellner: Ich bin unendlich glücklich, wieder arbeiten zu dürfen, und ich glaube, auch unsere Kunden können es kaum erwarten. Es war eine schwere und lange Zeit und ich bin froh, dass sie bald vorbei ist.

Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Sorgen Sie sich nicht um Ihre eigene Gesundheit?

Wir haben schon im vergangenen Jahr monatelang unter strengen Hygienemaßnahmen gearbeitet und das auch sehr erfolgreich. Sowohl ich als auch meine Kunden werden nur noch FFP2-Masken tragen und deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir alle gesund bleiben.

Das Bedürfnis nach einem neuen Haarschnitt ist aktuell sehr groß. Wie häufig wurden Sie von Ihren Kunden während der Schließungszeit kontaktiert?

Ich habe beim Einkaufen natürlich auch Kunden getroffen und der ein oder andere hat auch gefragt, ob nicht Hausbesuche möglich wären. Viele Anfragen waren es nicht, abgelehnt habe ich sie allerdings alle.

Friseurmeisterin Gaby Kellner hat in den vergangenen Wochen nur ihrem Mann die Haare geschnitten, und auch das nicht in ihrem Salon in Sauerlach, sondern zuhause.

(Foto: Claus Schunk)

Sind Sie dann nicht aus der Übung gekommen?

Nein (lacht), ich habe natürlich meinem Mann die Haare geschnitten, aber auch das nicht im Salon, sondern bei uns zu Hause. Einen Crash-Kurs brauche ich also nicht.

Haben Sie denn Verständnis für Kollegen, die Menschen trotz des Verbots die Haare schneiden?

Angestellte eines Salons bekommen aktuell nur 60 Prozent des normalen Verdienstes als Ausgleich. Wenn eine alleinstehende Friseurin in München 800 Euro Miete zahlen muss, aber nur 1000 Euro netto verdient, dann ist das eine finanziell sehr schwierige Lage. Die Menschen müssen von irgendetwas leben und deshalb verstehe ich, wenn Kollegen Dinge tun, die eigentlich verboten sind. Kein Verständnis habe ich allerdings für diejenigen, die innerhalb ihres Bekanntenkreises frisieren und dabei die Hygienemaßnahmen nicht einhalten.

Wie schwierig ist Ihre eigene finanzielle Situation?

Ich habe das Glück, verheiratet zu sein und nicht ganz alleine dazu stehen. Aber uns allen fehlen immense Summen und die Kosten laufen weiter - die Miete, die Versicherungen und die Verträge. Das alles ist zu zahlen und deshalb habe ich auch Mitgefühl mit denjenigen, die in ähnlichen Berufen arbeiten, aber nicht ab ersten März öffnen dürfen.

Wie sah denn Ihr Alltag in den vergangenen Wochen aus?

Ich habe eine pflegebedürftige Mutter, bei der ich viel Zeit verbracht habe. Ansonsten habe ich viel mit meinen Freundinnen und meiner Familie telefoniert, aber teilweise waren die Tage schon sehr langweilig.

Wie sieht Ihr Terminkalender für den März aus?

Die ersten drei Wochen im März sind komplett verplant, es gibt nur noch wenige freie Termine in der Woche vor Ostern. Wir werden die nächsten acht Wochen viel Arbeit haben und ich rechne auch damit, dass viele Friseure ihre Termine bis in die Abendstunden legen werden.

Auch Sie?

Ich habe meinen Salon bis 19 Uhr geöffnet und sicherlich werde ich auch Überstunden machen, aber irgendwann ist auch mein Akku leer.

Auf den Köpfen Ihrer Kunden dürfte es weitaus mehr für Sie zutun geben, als sonst. Planen Sie mehr Zeit ein?

Ich plane eigentlich so wie im letzten Jahr. Durch die Hygieneregeln müssen wir insgesamt mehr einplanen. Zusätzlich darf ich immer nur zwei meiner sechs Plätze belegen. Es dauert also schon etwas länger.

Vermutlich müssen Sie auch noch die Werke zahlreicher Aushilfs-Friseure korrigieren. Nervt das?

Es gibt einige Frauen, die versucht haben, ihren Herren die Haare zu schneiden und wir müssen das natürlich ein wenig ausgleichen. Schön ist aber doch, dass der Kunde die Qualität eines Friseurs wieder richtig schätzen und lieben lernt. Und ich freue mich schon auf jeden Kunden, der glücklich meinen Salon verlässt.

© SZ vom 24.02.2021/hilb, van
Zur SZ-Startseite

SZ PlusLehre während der Pandemie
:"Für Azubis ist das Home-Office Neuland"

Der Weg durch die Corona-Krise für Auszubildende ist nicht leicht: Die Betriebe sind im Lockdown, Prüfungstermine wackeln und vor allem in technischen Berufen ist Home-Schooling eine Herausforderung. Wie bereitet man sich da aufs Berufsleben vor?

Von Catherine Hoffmann

Lesen Sie mehr zum Thema