Das Mauswiesel lässt sich heute nicht blicken, vielleicht hat es das nassgraue Wetter vergrault. Auch einen Fuchs habe er vor einigen Jahren hier regelmäßig gesehen, sagt Michael Hohenleitner. Er sitzt auf einem Baumstumpf, blickt über die Äcker und lehnt mit dem Rücken an jenem Stadel, den der gelernte Schreiner kürzlich gebaut hat – inmitten der Felder östlich von Arget, wo er aufgewachsen ist und bald auch wieder im umgebauten Elternhaus leben wird. Dieser Platz hinter dem Schuppen sei für ihn ein besonderer Ort. „Wenn ich mal zehn Minuten freihabe und hier sitze, dann kann ich zur Ruhe kommen und den Kopf frei kriegen“, sagt Hohenleitner. Wobei: „In Zukunft werde ich das vermutlich seltener schaffen.“
Im Mai beginnt für den CSU-Politiker, der am Ostersonntag 50 Jahre alt geworden ist, ein neuer Lebensabschnitt – als Bürgermeister von Sauerlach. Bei der jüngsten Kommunalwahl gelang dem selbständigen Unternehmer, woran sich die Kandidierenden seiner Partei zuvor in 18 Amtsjahren von Barbara Bogner (UBV) die Zähne ausgebissen haben: den Chefsessel im Rathaus wieder in CSU-Hand zu bringen. In der Abstimmung am 8. März landete Michael Hohenleitner mit 33 Prozent der Stimmen auf Rang eins – vor Klaus Zimmermann (UBV), gegen den er zwei Wochen später in der Stichwahl mit 54 Prozent der Stimmen gewann.
An jenem Abend, als sein Einzug ins Rathaus feststand, habe er „gemischte Gefühle“ empfunden, sagt der 50-Jährige heute. „Bis ich realisiert hatte, dass ich mein großes Ziel erreicht habe, hat es erst mal noch eine Zeit gedauert.“ Dabei waren dem CSU-Kandidaten im Vorfeld durchaus Siegchancen eingeräumt worden. Schließlich stammt Michael Hohenleitner aus dem Sauerlacher Ortsteil Arget, ist tief verwurzelt in der Gemeinde und hat sich in allerlei Vereinen federführend engagiert – von den Schützen über die Burschen bis hin zur Feuerwehr.
Überdies liegt hinter ihm ein rasanter Aufstieg innerhalb seiner Partei: Nachdem er 2020 erstmals für den Gemeinderat kandidiert und ein Mandat errungen hatte, übernahm er wenige Monate später den Fraktionsvorsitz und entwickelte sich zu einer Art Oppositionsführer. „Ich war schon immer ein Mensch, der gerne gestaltet und etwas bewegen will“, sagt Hohenleitner, „auch wenn es in den vergangenen sechs Jahren nicht so oft geklappt hat.“ Denn häufig scheiterte seine CSU – obschon stärkste Kraft im Gemeinderat – mit ihren Anträgen und Ideen meist am Widerstand der übrigen Fraktionen und an der Bürgermeisterin. Das soll sich nun ändern, betont der künftige Rathauschef. Getreu seinem Wahlkampfslogan, den er auf Grillzangen, Honiggläser und Äpfel drucken ließ: „Hohenleitner packt’s an.“
Fürs Gymnasium hat Hohenleitner bereits einen Standort im Auge
Angepackt werden muss in Sauerlach vor allem das Thema Gymnasium. Dieses ist zwar seit Längerem genehmigt, die Standortsuche jedoch zieht sich bereits seit Jahren hin. „Ich hatte den Eindruck, dass das an mancher Stelle nicht gewollt wird“, sagt Hohenleitner. Er selbst spricht sich klar für ein Gymnasium im Ort aus und hat auch ein Grundstück dafür im Auge; Details will er jedoch nicht preisgeben. Zunächst müsse der Standort erst auf seine Tauglichkeit geprüft werden, ehe man in die Verhandlungen mit dem Eigentümer einsteige. „Und die müssen wieder bei null anfangen“, sagt Hohenleitner.
Nebst dem Gymnasium und einem neuen Kindergarten stehen auch die Gemeindefinanzen weit oben auf seiner To-Do-Liste als Rathauschef. Mit Blick auf 20 Millionen Euro Schulden und jährlichen Gewerbesteuereinnahmen von kaum sechs Millionen Euro sei die aktuelle Haushaltslage „katastrophal“, sagt Hohenleitner und räumt ein: „Wir werden sparen müssen.“ Und als wäre das nicht Aufgabe genug, benötigt das Rathaus auch noch einen neuen Finanzchef, nachdem Kämmerer Josef Mayer seinen Abschied verkündet hat. Insofern wird es dem neuen Bürgermeister nicht an Herausforderungen mangeln, über die er sicher auch an seinem Kraftort auf dem Baumstumpf grübeln wird – im stillen Dialog mit dem Mauswiesel.

