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Afrikanische Schweinepest:Bauern rüsten sich für gefährliche Seuche

Angst vor afrikanischer Schweinepest

Infizierte Wildschweine haben das Virus bereits bis nach Osteuropa eingeschleppt.

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)

Bei einer Informationsveranstaltung in Arget warnen Veterinäre vor einer Einschleppung der Tierkrankheit in Mast- und Zuchtställe. Für den Ernstfall sind drastische Maßnahmen vorbereitet.

Am Anfang war das Warzenschwein. Es hatte sich durch die Leberzecke mit einem Virus infiziert, der es schnell dahinraffte. Warzenschweine und Leberzecken gibt es nur in Afrika, die Afrikanische Schweinepest hingegen auch in Europa. Denn die Krankheit hat sich längst über den Nahen Osten, den Kaukasus und Russland bis in die osteuropäischen Staaten wie das Baltikum Polen, Rumänien und Ungarn ausgebreitet und dort vor allem Wildschweine, aber auch Haustierbestände infiziert. Auch im Landkreis München sind die Bauern alarmiert.

Was tun, wenn die Afrikanische Schweinepest nach Bayern kommt? Mit dieser Frage haben sich Landwirte bei einer Informationsveranstaltung des Bauernverbands am Dienstag in Arget befasst. Klar wurde bei dem dreistündigen Austausch mit Vertretern des Verbands und des Veterinäramts: Mit der Afrikanischen Schweinepest ist nicht zu spaßen, sie bedroht die Zucht- und Mastbestände. Wird infiziertes Schwarzwild gefunden, gelten daher drastische Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung, wie Sperrzonen.

Ob ein totes Schwein tatsächlich an dem Virus aus Afrika verendet ist, lasse sich auf den ersten Blick nicht sagen, erläuterte der Referatsleiter aus dem Landratsamt, Johann Marx, in Arget. "Man sieht es dem Tier nicht an." Die Letalitätsrate ist sehr hoch: 90 Prozent der Schweine, die das Virus aufschnappen, sterben daran.

Symptome wie hohes Fieber, Futterverweigerung, Mattigkeit, Bindehautentzündung und die Bildung von roten Sprenkeln werden unter anderem beschrieben. Von der klassischen Schweinepest oder anderen schweren Krankheiten ist die Afrikanische Schweinepest schwer zu unterscheiden. Übertragen wird sie durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, aber auch durch die Aufnahme von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugenissen.

Für den Menschen besteht keine Gefahr

Für den Menschen besteht keine Gefahr. "Der Mensch erkrankt nicht daran", so Marx. Für ihn sei das Virus ungefährlich, es befalle auch keine anderen Säugetiere, sondern ausschließlich Schweine. Es wird aber davon ausgegangen, dass sich die Seuche vor allem durch Personen verbreitet hat, die sich in Verbreitungsgebieten aufgehalten haben und infiziertes Fleisch von dort mitgebracht haben, etwa Wurstsemmeln, die an Fernstraßen ins Gebüsch geworfen und von Wildschweinen gefressen wurden. "Das Virus bleibt in der Natur 200 Tage lebensfähig", erklärte Andreas Tyroller vom Bayerischen Bauernverband in Arget. Ein Impfung gibt es nicht.

Im Landkreis München ist Schweinehaltung selten. Lediglich einer der 62 Betriebe gehört zu den größeren mit mehr als 150 Zuchtsauen und 700 Mastschweinen, eine Handvoll gelten als mittlere, die meisten als kleine Betriebe mit bis zu drei Zuchtsauen und 20 Mastschweinen. Für sie alle gilt die Schweinehaltungshygieneverordnung, die Regeln zur Reinigung, Desinfektion und Prophylaxe enthält, um Krankheitserreger aus den Stall herauszuhalten. "Man muss wissen, wer in den Stall darf", so Marx vom Veterinäramt. Katze und Hunde etwa müssten draußen bleiben, auch Jäger sollten den Schweinestall nicht betreten. "Dies ist der Königsweg für einen Virus", warnt der Veterinärmediziner.

Als problematisch wird der zunehmende Bestand an Schwarzwild gesehen. Ein Virus reduziere den nicht, die Zahl der Wildschweine müsse durch die Jagd verringert werden. Tyroller appellierte an die anwesenden Landwirte als Grundbesitzer mit Jagdrecht, tätig zu werden. "Dafür sind Sie verantwortlich", sagte er.

Sollte ein Fall von Afrikanischer Schweinepest auftreten, wird zunächst eine "Kernzone" im Umkreis von etwa vier Kilometern um den Fund bestimmt und eingezäunt. Das beträfe etwa eine Fläche von der Größe der Gemeinde Aying. Im Umkreis von etwa 15 Kilometern würde ein "gefährdetes Gebiet" definiert, ungefähr so groß wie München und der Landkreis zusammen, und im Umkreis von 45 Kilometern eine "Pufferzone".

Tote Tiere müssen innerhalb dieser Zone gesucht und entsorgt werden, zudem würde begonnen, im gefährdeten Gebiet und der Kernzone massiv zu jagen. Für die Landwirte würde das auch eine Nutzungseinschränkung ihrer Flächen bedeuten, also etwa einen Erntestopp, bis sich kein Schwarzwild mehr im Maisfeld aufhält. Wird die Krankheit in einem Betrieb festgestellt, wird dieser gesperrt und der Bestand gekeult.

© SZ vom 12.02.2020
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