Sanierung Nach der Nutzung ist vor der Nutzung

Das Maria-Stadler-Haus machte zuletzt Gewinn. Auf die Gemeinde kommen aber Sanierungskosten zu, wenn die Senioren erst einmal alle ausgezogen sind.

(Foto: Claus Schunk)

Die Senioreneinrichtung Maria-Stadler-Haus bereitet sich auf den Umzug ins neue Haus im Jugendstilpark vor. Was dann mit dem alten Gebäude passiert, ist noch unklar. Aber es gibt bereits einige Interessenten

Von Bernhard Lohr, Haar

Die Prioritäten sind mittlerweile klar gesetzt. Alles schaut in Haar auf den Umzug ins neue Maria-Stadler-Haus, auf dessen Baustelle im Jugendstilpark innerhalb kurzer Zeit große Fortschritte zu beobachten sind. Das Gebäude soll ja in rekordverdächtiger Zeit fertig gestellt werden. Als Termin steht Ende 2018 oder Anfang 2019 im Raum. In das bestehende, in die Jahre gekommene Seniorenheim an der Salmdorfer Straße im Haarer Zentrum wird nur noch das Nötigste gesteckt. Die knapp 100 Bewohner haben nochmal in hohem Alter einen Ortswechsel vor Augen, was manche durchaus verunsichert.

Die Geschäftsführung und Heimleitung jedenfalls bereiten sich mit der Gemeinde längst auf den Tag X vor. Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) ist Vorsitzende des Aufsichtsrats der gemeinnützigen Maria-Stadler-Haus GmbH und stellt in einem wesentlichen Punkt etwas klar. Auf Anfrage sagt sie, die Gemeinde werde auf die Bewohner und deren Angehörige zugehen und ihnen "besondere Konditionen" für den Heimplatz im neuen Haus anbieten. Dass dort die Heimbeiträge höher sein werden, als im alten Maria-Stadler-Haus ist Müller zufolge unter Verweis auf den höheren Standard sicher zu erwarten.

Die Maria-Stadler-Haus GmbH, die das neue Gebäude in Pacht übernehmen soll, steht finanziell auf soliden Beinen. Das war nicht immer so. Lange wurde das Seniorenheim von einem Trägerverein geführt. Doch die Anforderungen an den Betrieb stiegen. Im Jahr 2011 übernahm ein Kommunalunternehmen den Betrieb, wobei die Gemeinde Defizite auszugleichen hatte. Schließlich holte sich Haar eine professionelle externe Geschäftsführung. Zum vierten Mal in Folge schrieb die Gesellschaft nun zur großen Erleichterung der Gemeinderäte vergangenes Jahr schwarze Zahlen. 224 000 Euro Jahresüberschuss wurden ausgewiesen. Laut Bürgermeisterin Müller floss in die Summe auch ein, dass Rückstellungen aufgelöst wurden. Tatsächlich habe das Haus ein Plus von 140 000 Euro erwirtschaftet. Mike Seckinger (Grüne) dankte Geschäftsführer Michael Settgast jüngst im Hauptausschuss des Gemeinderats ausdrücklich dafür, dass dieser "in der Kürze der Zeit" die Lage derart habe stabilisieren können.

Das wurde freilich auch dadurch möglich, dass derzeit nur noch das Nötigste in das bestehende Gebäude gesteckt wird. Investitionskosten fallen praktisch weg, seit klar ist, dass das alte Seniorenheim viel zu aufwendig umgebaut und saniert werden müsste, wollte man es parallel zum neuen Domizil als Einrichtung erhalten. Das war mal eine Option, ist aber zu den Akten gelegt. Dafür wird diskutiert, was in das Gebäude künftig reinkommen soll. Das Rathaus hat schon Ansprüche angemeldet, aber auch Vereine sind interessiert. Jedenfalls werden auf die Gemeinde noch Umbau- und Sanierungskosten zukommen, sobald die jetzigen Bewohner - von denen laut Rathauschefin Müller übrigens niemand gezwungen wird zum Umzug - raus sind und klar ist, wie das Haus künftig genutzt wird.

Für das Maria-Stadler-Haus selbst beginnt dann mit dem Umzug eine neue Ära. Geschäftsführer Settgast sagte, man gehe davon aus, zunächst mit den knapp 100 Bewohnern aus dem bestehenden Haus rüber ins neue zu ziehen, das ja mit 142 Plätzen deutlich größer werden soll. Sukzessive solle die Bewohnerzahl aufgestockt werden. Die Versorgung der "Bestandsbewohner" sei gesichert, sagte Settgast. Man arbeite daran, zusätzliche Pflegekräfte zu bekommen. So würden gute Pflegehelfer gefördert und zu Fachkräften fortgebildet. Man sei darauf eingestellt, bei den Fachkräften in Vorleistung zu gehen, also im Vorgriff mehr Personal an Bord zu holen, wenn sich das anbiete. Man kooperiere mit Pflegeschulen und habe eine hohe Quote an Auszubildenden in den Pflegegruppen.

Schon jetzt profitiert die Maria-Stadler-Haus gGmbH davon, dass die neue Geschäftsführung mit anderen Heimbetreibern in Kontakt steht und zusammenarbeitet. So werden Beschäftigte in einem Wohnheim einer, wie Settgast sagte, "befreundeten Einrichtung" in Gräfelfing untergebracht. Das Haus leitet die Frau des Haarer Heimleiters Klaus Stierstorfer. Weitere günstige Unterkünfte für Pflegekräfte habe man im Blick.

Der Keller des neuen Maria-Stadler-Hauses ist nach wenigen Wochen schon zu erkennen. Vier Geschosse wird es dereinst haben. Fast nur Einzelzimmer wird es geben in acht Wohngruppen. Private Rückzugsräume sind vorgesehen, dazu Zonen der Begegnung. In einem Anbau im Erdgeschoss wird es Gemeinschaftsräume, ein Café und eine Kapelle geben. Die Pacht für diese Einrichtung muss das Maria-Stadler-Haus aufbringen. Ein Überschuss oder nur eine schwarze Null dürfte dort schwieriger zu halten sein. Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) beklagte zuletzt auch die hohen Grundstückspreise im Jugendstilpark, die das Ziel erschwere, einen günstigen Heimbeitrag zu bieten, den man sich in Haar bisher auf die Fahnen schreibt.