Süddeutsche Zeitung

Fußball-EM:Der Bürgermeister als Autogrammjäger

Ronaldo, Mbappé und Co. tragen sich ins Goldene Buch der Stadt Unterschleißheims ein - weil Rathauschef Christoph Böck es persönlich ins Hotel bringt.

Von Bernhard Lohr

Cristiano Ronaldo, Kylian Mbappé, Antoine Griezmann: Wer hätte die nicht gerne mal bei sich zu Gast? Und wenn, dann wäre doch sehr schnell klar, was zu tun wäre. Solch ein Ereignis müsste für die Nachwelt oder zumindest für den fußballbegeisterten Nachwuchs festgehalten werden. Bestenfalls würde man ein Selfie machen. Auf jeden Fall müsste ein Autogramm her.

Das hat sich auch Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) gedacht und ist kurzerhand mit dem Goldenen Buch der Stadt zum Infinity-Hotel gefahren. Denn dort logierten die Nationalspieler aus Frankreich und Portugal jeweils vor ihren Gruppenspielen der Fußball-Europameisterschaft in der Fröttmaninger Arena.

Und der mehrfache Weltfußballer Ronaldo und das ewige kickende Wunderkind Mbappé aus Frankreich setzten mit allen anderen auch ihre Unterschrift unter die aufwendig in der jeweiligen Sprache von der Stadt vorbereitete Seite. Bürgermeister Böck zeigte sich dann auf Facebook auch recht stolz über den Fang, postete ein Foto der Seite mit den Unterschriften und startete eine kleine Umfrage, wer denn das Signum von Ronaldo finden würde unter all den anderen. Ein Selfie allerdings bekam Böck nicht.

Denn die Fußballer sollten sich ja in Ruhe auf ihre Spiele vorbereiten. Auch sind die Sicherheitsvorkehrungen massiv. Böck übergab das Goldene Buch Erik van den Bergh, dem Manager des Infinity Hotel & Conference Resort Munich, und der regelte das Weitere. "Die Idee war von mir", sagt Böck, "irgendwas muss man ja machen." Schließlich kämen nicht jeden Tag mehrere Nationalmannschaften nach Unterschleißheim.

Auch die Ungarn sollen sich eintragen

Noch liegt das Goldene Buch im Infinity-Hotel. Die Hoffnung ist, dass auch noch die Nationalmannschaft aus Ungarn sich einträgt. Bürgermeister Böck sieht diese Kontaktaufnahme über die von Polizei gesicherten Absperrzäune am Hotel hinweg als einen Versuch, Völkerverständigung zu leben. Speziell geht es dabei um die Franzosen und Ungarn. Schließlich ist Unterschleißheim mit der 10 000 Einwohner zählenden Kommune Le Crès im südfranzösischen Département L'Herault in einer Städtepartnerschaft verbunden; ebenso mit Zengöalja in Südungarn, das aus 24 Gemeindeteilen besteht und 18 000 Einwohner zählt.

Jetzt wird die ausgestreckte Hand des Bürgermeisters vor dem Hintergrund der repressiven, gegen die Rechte von Homosexuellen gerichtete Politik in Ungarn sogar zu einem Politikum. Die Stadt München wollte die Arena als Zeichen von Liberalität in Regenbogenfarben illuminieren. Böck hat auf seiner Facebook-Seite auch die Arena in Regenbogenfarben gepostet und erhält dort breiten Zuspruch.

Böck sagt, es gehe nicht um Tagespolitik, sondern um grundlegende, global verbriefte Menschenrechte. Dass man auch als Bürgermeister keine Sonderrechte hat, wenn es um Fußballstars geht, hat Böck übrigens auch erfahren müssen: Er habe versucht, für ein Geburtstagskind gesondert ein Autogramm zu bekommen. "Das ist leider nicht geglückt."

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5329924
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 23.06.2021/wkr
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.