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Retrospektive:Faible für üppige Formen

"Tanzende" von Christian Peschke

Kurvig und grazil: Christian Peschkes Bild "Tanzende".

(Foto: Veranstalter)

Die Galerie Kersten zeigt Werke von Christian Peschke

Der kürzlich verstorbene Modeschöpfer Klaus Lagerfeld hat die deutsche Sprache bekanntlich um einige boshafte Bonmots bereichert. Neben dem berühmten Verdikt der Jogginghosenträger ("...Kontrolle über sein Leben verloren") sagte er auch den schönen Satz: "Ich leide an einer Überdosis meiner selbst." Nun, aus seiner Sicht war das wohl definitiv besser, als an Übergewicht zu leiden. Lagerfeld jedenfalls verteidigte stets den Magerwahn in der Modewelt ("Übergewicht ist viel gefährlicher") und konstatierte, dass in einem Milieu, in dem es um Schönheit geht, niemand runde Frauen sehen wolle.

Christian Peschke hätte da wohl entschieden widersprochen. Der 2017 verstorbene Maler und Bildhauer hat in seiner lange künstlerischen Karriere immer wieder Frauenkörper von barocker Fülle geschaffen. Diese Körper beschreiben zwar oft weit ausgreifende Kurven, sind aber auch von einer grazilen Schönheit und Eleganz, weil sie gegen alle Gesetze der Schwerkraft beinahe zu schweben scheinen. Peschke, der in der Tradition von Georges Braques und Pablo Picasso steht und sich auch in der surrealistischen Formenwelt entfaltete, "feiert in seinem Werk den weiblichen Körper und huldigt damit allem Weiblichen" wie Barbara und Holger Weinstock von der Galerie Kersten erklären.

Die Brunnthaler Galerie widmet sich in ihrer neuen Ausstellung dem Werk dieses wichtigen Künstlers der klassischen Moderne, der unter anderem mit Salvador Dalí, Ernst Fuchs und dem umstrittenen Arno Breker befreundet war. Zu sehen sind dort Bilder und Skulpturen Peschkes von diesem Freitag an bis zum 27. April. Der 1946 in Bad Säckingen geborene Peschke war ein Künstler, der sich gegen die Abstraktion und für die Darstellung des Gegenständlichen in seiner Kunst entschieden hat. Nach einer Ausbildung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ließ er sich 1982 als freier Künstler in Spanien nieder, wo die ersten charakteristischen Skulpturen entstanden.

Auf vielen Ausstellungen im In- und Ausland war Christian Peschke seit Mitte der Neunziger vertreten. Für Rainier III., Fürst von Monaco, schuf er die überlebensgroße Statue einer Tänzerin und kreierte die Statuette für den George-Tabori-Preis für Theater und Tanz, der alljährlich in Berlin verliehen wird. In seinen plastischen Werken kann man ihn durchaus als europäisches Gegenstück zum kolumbianischen Künstler Fernando Botero sehen.

Peschke gilt als einer, der mit seinem Faible für runde, üppige Formen den Begriff Harmonie im weiblichen Körper sichtbar macht und dabei - wie auch in seiner Farbensprache - Liebe zur Sinnlichkeit ausdrückt. Mit seinem "Formenrepertoire der Kreise, Ovale und Kugeln" verweise er auf das "Vollkommene des menschlichen Körpers", so Weinstock, und widerspreche "damit wohltuend dem Postulat der Werbung nach einem schlanken und perfekten Körper." Eine überzeugende Absage an Lagerfelds Faible für Hungerhaken.

Die Ausstellung in der Galerie Kersten, Brunnthal, Otterloher Straße 6, geht von Freitag, 22. März, bis Samstag, 27. April. Sie ist geöffnet Montag bis Freitag von 9 bis 12.30 und 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 und sonntags von 13 bis 16 Uhr.