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Oberschleißheim:Das Pferde-Spektakel fällt aus

Pferde und Barockkostüme vor historischer Kulisse: Die Reiter- und Kutschengala im vergangenen Jahr könnte die letzte gewesen sein.

(Foto: Catherina Hess)

Nach der kurzfristigen Absage der historischen Reiter- und Kutschengala im Schleißheimer Schlosspark nennt der Veranstalter Geldmangel und gesundheitliche Probleme als Grund. Wie es weitergeht, ist ungewiss.

Prunkvolle Kutschen fuhren durch den Park, Paare in barockem Prunkgewand flanierten zwischen den Blumenrabatten, Frauen ritten elegant im Damensitz auf dem Pferd vorbei. Bei gutem Wetter kamen in den vergangenen Jahren Tausende Besucher zur beliebten "Historischen Reiter- und Kutschengala" im Schleißheimer Schlosspark. Doch das könnte bald nur noch Geschichte sein. In diesem Jahr ist das Pferde-Spektakel ausgefallen. Schuld waren nach Angaben von Dieter Rügemer vom Bayerischen Reit- und Fahrverband (BRFV) der Rückzug von Sponsoren und gesundheitliche Probleme der Veranstalter. Die Zukunft der Reiter- und Kutschengala sei derzeit ungewiss.

Rügemer ist seit elf Jahren Organisator der Gala. Der 79-Jährige hatte auch die Idee dazu, wie er erzählt. Das war anlässlich der 850-Jahr-Feier der Stadt München, zu der die Stadt viele Vereine aufgerufen hatte, einen Beitrag dazu zu leisten. Auch der Reit- und Fahrverband wollte mitmachen und machte den Vorschlag, einen Kutschencorso auf dem Altststadtring zu veranstalten. Aber das sei nicht gegangen, weil dort die Fußgänger flanieren sollten, erzählt Rügemer. Also wurde nach Alternativorten gesucht.

Die Verantwortlichen im Nymphenburger Schlosspark seien wenig begeistert gewesen, und der Verein wiederum habe den Englischen Garten als Veranstaltungsort abgelehnt. "Wir fahren nicht mit unseren schönen Prachtkutschen zwischen den Nackerten herum", sagt Rügemer, das habe einfach nicht gepasst. So sei man auf Schleißheim gekommen, dessen Park dem Reit- und Fahrverein gleich sehr gut gefiel. "Wir waren begeistert, denn das ist noch ein richtiger Barockgarten, anders als der Nymphenburger Park, der teilweise in einen Englischen Garten umgewandelt wurde", so Rügemer.

Weil sich auch Paula Kleeberger, die Schlossverwalterin in Schleißheim, aufgeschlossen zeigte, kam man zusammen. Und die erste Veranstaltung sei gleich ein solcher Erfolg gewesen, dass die Leute darum gebeten hätten, es zu wiederholen, berichtet Rügemer. So wurde Jahr für Jahr ein großes Fest zum Ende der Sommerferien gefeiert, und auch das Programm für 2019 stand schon fest.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sollte Schirmherr sein, außer den Kutschenparaden sollte eine Gruppe von Kavallerie-Reitern ihr Können zeigen, Quadrillen und Allgäuer Showpferde standen in der Ankündigung, die schon im Internet veröffentlicht war, es sollte eine Greifvogelschau geben und die Freunde Schleißheims wollten wieder mit ihren historischen Kostümen aus der Zeit Max Emanuels auftreten. Aber kurz bevor die Plakate gedruckt wurden, kam die Absage.

Zuvor habe ihm Günter Ortner mitgeteilt, er falle aus gesundheitlichen Gründen für die Vorbereitung der Veranstaltung aus, sagt Rügemer. Die Organisation sei ein ziemlicher Aufwand, "wir hatten das aufgeteilt". Ersatz für Ortner war auf die Schnelle nicht zu finden, und dann bekam Rügemer im Juni selbst noch "einen Schuss vor den Bug", wie er sagt: Er hatte einen Herzinfarkt. "Ich musste auch erkennen, dass ich irgendwie kürzer treten muss." Der Baldhamer, der bisher federführend die Veranstaltung organisierte, ist im Verband auch noch für einige andere Dinge zuständig, die sich unter dem Begriff "allgemeiner Pferdesport" sammeln.

Darunter fallen der Breitensport, die Freizeitreiter, Kontakte zu Ämtern und Behörden. "Bei 100 000 Mitgliedern in circa tausend Vereinen in Bayern, da gibt es immer wieder Schwierigkeiten." Auch das Riemer Pferdesportfest hat Rügemer bisher stets organisiert, das wird er ebenfalls abgeben. "Ich unterstütze aber gerne. Ich habe einen großen Erfahrungsschatz und viele Kontakte."

Das gilt nicht nur für das Riemer Fest, sondern natürlich auch für die Schleißheimer Gala, für die Rügemer Mithilfe anbietet. Er suche schon aktiv, sagt er, aber es sei nicht so einfach, jemanden zu finden, der das Heft in die Hand nimmt. Zumal es nicht damit getan ist, die Organisation zu managen. Es müssen noch neue Sponsoren gefunden werden. Denn auch das war heuer ein Problem. "Die Sponsoren haben sich dieses Mal teils zurückgezogen", sagt Rügemer. Deswegen sei absehbar gewesen, dass das Defizit größer als erwartet werden würde - ein weiterer Grund für die Absage.

"Wir versuchen, mit den Kosten so gut wie möglich hinzukommen", erklärt der Funktionär. Der Verband habe viele Verpflichtungen, da müsse schon gespart werden. "Ich mag nicht dafür stehen, dass ich eine Veranstaltung organisiere, die den Verband belastet." Doch es werde immer schwieriger, Geldgeber zu finden für den Sport, hat er festgestellt. Eintritt zu verlangen sei aber keine Lösung, denn der Park habe fünf Eingänge, das erfordere viel Personal, wenn man dort Karten verkaufen wolle. "Das können Sie nicht mit Ehrenamtlichen machen, das müssen Profis machen", sagt er - was wiederum die Kosten steigen ließe. "Unser Ziel war ja nicht, Geld zu verdienen", sagt Rügemer, "sondern wir wollten dem Publikum den Pferdesport nahebringen."

Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr wieder mit einer Gala, auf der Homepage des Verbands jedenfalls steht: "Wir freuen uns auf eine Neuauflage im Jahr 2020." Rügemer stutzt kurz, bevor er auf die Frage nach der Zukunft der Pferde- und Kutschengala in Oberschleißheim antwortet: "Der Optimismus reduziert sich in der Zwischenzeit etwas."

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