Landdwirtschaft:Ein richtig schön verregneter Sommer

Landdwirtschaft: Die Niederschläge waren für manche Landwirte ein Segen, aber nicht für alle: Cornelia Hartl und Fee Schröder (v.l.) mit frisch geernteten Krautköpfen und Kartoffeln in Ismaning.

Die Niederschläge waren für manche Landwirte ein Segen, aber nicht für alle: Cornelia Hartl und Fee Schröder (v.l.) mit frisch geernteten Krautköpfen und Kartoffeln in Ismaning.

(Foto: Claus Schunk)

Waldbauern freuen sich über das ungewöhnlich kalte und feuchte Wetter der vergangenen Monate, und auch für den Grundwasserpegel waren die Niederschläge ein Segen. Manchen Landwirten hat es aber die Ernte ordentlich verhagelt.

Von Michael Morosow

Hitze und Kälte, klarer Himmel und heftige Gewitter teils mit Hagel - der zu Ende gehende Sommer hat viele Gesichter gezeigt und sie beinahe täglich gewechselt. Badefreunde werden ihn als einen ungewöhnlich feuchten Sommer in Erinnerung behalten, bei dem der Regenschirm zur Grundausstattung gehörte. Landwirte und Waldbauern blicken mit gänzlich unterschiedlichen Gefühlen auf die Sommersaison zurück. Eine Katastrophe sei sie gewesen, sagen die einen, ein Wohltat die anderen. Was die teils heftigen Wolkenbrüche in jedem Fall hinterlassen haben, sind endlich wieder gut gefüllte Wasserspeicher.

"Ein nasskalter, verregneter, versauter Sommer - der war super." Waldbauer Johann Killer gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er über den Dauerregen von Mai und Juni spricht. Ein derart segensreiches Jahr habe er schon lange nicht mehr erlebt, sagt der Altkirchner Forstwirt und Vorsitzende der Waldbauernvereinigung Wolfratshausen. Gerade der verregnete Mai sei eine Gnade für den Wald gewesen, weil dadurch kaum noch Borkenkäfer ausgeschwärmt seien. Aber dennoch war auch für ihn nicht alles eitel Sonnenschein gewesen in dieser Saison. "Mich hat der Hagel erwischt, gleich zwei Mal im Juni", berichtet der Forstwirt.

Dabei seien die frischen Leittriebe von den Hagelkörnern zerdeppert worden, sodass jetzt einige Bäume verzwieseln, also Seitentriebe in die Höhe wachsen und somit zwei Baumwipfel entstehen. Aber insgesamt sei er sehr zufrieden mit der Witterung gewesen, denn "Wald braucht einfach Wasser." Auch Martin Buchmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Ebersberg spricht von einem "Traumwetter für den Wald", der auch Überschwemmungen kurzzeitig unbeschadet überstehen könne.

In diesen Jubel können Landwirte mit Ackerbau nicht einstimmen. Auf vielen Feldern stehen in Senken heute noch Wasserlachen. Stehende Nässe sei aber ein großes Ärgernis für den Ackerbau, gerade für Kartoffelbauern, wie Buchmanns Kollege Anton Mitterer erklärt. Überfeuchtete Böden seien der ärgste Feind der Erdäpfel. Nicht nur, weil sie die Kraut- und Knäuel-Fäule beförderten, gegen die gespritzt werden müsse, oder weil die Knollen im Wasser stünden und Licht bekämen, was sie grün werden lasse.

Landdwirtschaft: Hagelschaden auf einem Feld mit Braugerste in Aying im Juni.

Hagelschaden auf einem Feld mit Braugerste in Aying im Juni.

(Foto: Claus Schunk)

Das größere Problem seien die nassen Felder für die Ernte, die eigentlich jetzt schon beginnen sollte. "Die Äcker sind aber so nass, dass man mit Erntemaschinen nicht reinfahren kann, mit schweren Geräten macht man alles kaputt", sagt Mitterer. Aus demselben Grund müsse die eigentlich für diese Tage vorgesehene Rapsaussaat verschoben werden, wie auch die Aussaat von Zwischenfrüchten warten müsse und Viehhalter ihre Gülle nicht rausbringen könnten.

Bei Regen Kartoffeln ernten, "das ist nicht gut", sagt auch Fee Schröder, Jungbäuerin auf dem Ruasshammer-Hof in Ismaning. Es bestehe die Gefahr, im Matsch stecken zu bleiben, außerdem würde der Boden dabei beschädigt. Die Erträge heuer seien "nicht der Hit", das weiß sie, weil sie immer wieder mal kleinere Mengen für den Hofladen geerntet hat. Die eigentliche Ernte ist auch bei ihr bislang ins Wasser gefallen.

Dass bei Weizen, Roggen und Braugerste die Körner in diesem regenreichen Jahr kleiner ausgefallen sind, das sei halt so, aber sie wolle nicht unzufrieden sein, "andernorts schaut's schlimmer aus", sagt sie und findet auch was Gutes am Wetter 2021: "Für das Grünland war es gut, sagt Schröder, die Heu nicht nur ab Hof verkauft, sondern vor kurzem auch einen Online-Shop für Heu und Stroh, insbesondere für Münchner Kaninchenhalter, eröffnet hat.

Dass die Heuernte heuer überaus stressig gewesen sei wegen des oftmals wechselnden Wetters, davon berichtet Sigrid-Barbara Estendorfer, Landwirtin in Sauerlach. "Das war eine Nervenkatastrophe, wir haben auf die Sekunde rennen müssen", sagt die Bäuerin." Der andauernde Sonne-Regen-Mix machte es den Landwirten schwer, ein sicheres Zeitfenster für die Erntearbeiten zu finden, nicht wenige arbeiteten bis spät in die Nacht hinein auf ihren Feldern, wenn für den folgenden Tag Regen angesagt war.

In das Loblied von Waldbauer Killer auf den "versauten Sommer" kann der Ayinger Landwirt Georg Schildmann nicht einstimmen. Fünf Wochen vor dem Einbringen, die Braugerste stand gerade in der Milchreife, vernichtete ein von Nordwest heranziehender Hagelsturm innerhalb weniger Minuten seine gesamte Ernte. "Zu hundert Prozent alles kaputt", sagt er. Die zerschlagene Gerste landete nicht wie vorgesehen im Braukessel der Ayinger Brauerei, sondern in einer Biogasanlage, er bekam ein "Trinkgeld" dafür. Den Hagelschaden auf seinem Maisfeld schätzt Schildmann auf 40 bis 60 Prozent.

Aufgrund der verregneten Saison ist der Silomais im Münchner Umland in seiner Entwicklung um circa drei Wochen zurückgeblieben. Er kann wohl erst Ende September geerntet werden. "Aber der Mais steht stellenweise hervorragend auf den Schotterböden", sagt Anton Mitterer vom AELF. Jetzt brauche er nur genügend Sonne.

Es wird noch eine Weile dauern, bis das auf den Feldern stehende Wasser ins tiefere Erdreich versickert. Für den Grundwasserspiegel waren die reichlichen Regengüsse zweifelsohne ein Segen. "Es hat sich eine Erholung eingestellt gegenüber den Vorjahren", sagt Jonas Hürten vom Wasserwirtschaftsamt München. Gerade nördlich von München sei dies erkennbar, etwa in Oberschleißheim.

An der Messstation Oberschleißheim war im Februar ein Grundwasserstand von knapp über 476 Metern registriert worden, am vergangenen Mittwoch waren es 477,57 Meter. Eine Zunahme von mehr als eineinhalb Metern ist beachtlich. Nicht ganz so sprunghaft ist der Pegel an der Messstelle Oberhaching angestiegen, aber nach 568,75 Metern vor dem Einsetzen der Regenperiode waren es zuletzt immerhin 569,40 Meter.

Für die nächsten Tage sagt der Wetterbericht wie schon am Wochenende viel Sonne voraus. Kein Traumwetter für Waldbauer Johann Killer, aber die Landwirte warten sehnlichst darauf.

© SZ vom 07.09.2021/wkr
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