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Raritätenbühne:Wenig Kunst, viel Krempel

Kunsthändler Axel Wieland (rechts) begutachtet einen Schatz: Das Gemälde des Künstlers von Herrfeldt kann nach seiner Schätzung für bis zu 6000 Euro verkauft werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Neben viel Kitsch findet sich bei der Begutachtung in Unterschleißheim immerhin ein wertvolles Gemälde.

"Ich werde oft gefragt, ob ich denn Horst Lichter sei", erzählt Stephan Bachter lachend. Zumindest eines hat der Leiter des Unterschleißheimer Stadtmuseums mit dem Moderator der Fernsehsendung "Bares für Rares" gemeinsam: Bachter leitet die "Raritätenbühne", die am Wochenende zum zweiten Mal in Unterschleißheim stattfand.

Ähnlich wie im Fernsehen konnten die Besucher ihre Dachbodenfunde, Kuriositäten und Flohmarktschnäppchen von Experten begutachten und bewerten lassen. "Der Sinn des Ganzen ist eine Beratung für die Bürger", so Bachter. Dabei würde durchaus der ein oder andere Schatz zu Tage treten: "Die Dinge erzählen Geschichten, und die sind manchmal hoch spannend."

Von Gemälden über Skulpturen bis hin zu volkskundlichen Gegenständen brachten 35 Unterschleißheimer allerlei mehr oder weniger außergewöhnliche Objekte zur Raritätenbühne. Da gab es etwa einen großen Holzengel, der sich bei genauerer Betrachtung eher als Massenware denn als Barockfigur herausstellte. Eine Geige, die anstatt der Schnecke am Hals einen Löwenkopf zeigt, allerdings durch zahlreiche Beschädigungen unbrauchbar ist.

Oder eine Porzellanfigur, die der Großvater der Besitzerin auf seiner Flucht aus Böhmen nach Deutschland gebracht hatte. Auch wenn manche der begutachteten Gegenstände wohl eher als Kitsch und nicht als Kunst einzustufen waren, der emotionale Wert für den Besitzer bleibt bestehen, wie die Fachleute mehrmals betonten.

Die Engelsfigurn hat eher emotionalen Wert.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Etwas Besonderes", so Kunsthändler Axel Wieland, präsentierte hingegen Annegret Hildebrand den Experten. Auf einer Reise durch die Türkei hat sie einen turkmenischen Hochzeitsschmuck erstanden. Die Kopfbedeckung ist aufwendig mit silbernen Münzen, Perlen und bunten Quasten verziert. Nach Ansicht der Fachleute deutet die ausladende Dekoration auf den Reichtum der einstigen Besitzerin hin.

Diesen Eindruck hatte auch Hildebrand beim Kauf: "Die Ladeninhaberin hat den Schmuck selbst bei ihrer Hochzeit getragen, so wie zuvor auch ihre Mutter. Das waren reiche Leute." Die Einschätzungen der Experten behält sie für einen späteren Verkauf im Hinterkopf, sagte sie.

Wolfgang Weyns würde sein goldverziertes Porzellangeschirr gerne zu Geld machen. Seit Jahrzehnten ist das mehrteilige Service in seinem Besitz. "Es ist aber leider nicht spülmaschinenfest, daher steht es nur in der Vitrine." Auch die Fachleute sahen das als Nachteil: Das Porzellan stamme zwar aus einer gefragten Manufaktur, sei jedoch nicht alltagstauglich und daher eher schwer verkäuflich. Weyns erzählte, das Service vor Kurzem sogar ohne Goldverzierung in einem Laden gefunden zu haben. "Das ist dann aber auch für die Spülmaschine geeignet", meinte er lachend.

Unter allen an diesem Tag bei der Raritätenbühne begutachteten Objekten fand sich tatsächlich auch ein echter Schatz: Eine Unterschleißheimein zeigte den Fachleuten ein Aktbild, das sich als Gemälde des Künstlers Marcel René von Herrfeldt herausstellte. Der Maler gehörte zur Künstlervereinigung der Münchner Secession, seine Werke erzielen auf Auktionen Preise im vierstelligen Bereich. Eine überraschende Nachricht für die Besitzerin. Verkaufen möchte sie das Gemälde dennoch vorerst nicht.

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