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Radverkehr:Grundbesitzer blockiert Radwegbau

Das erste Teilstück des Radwegs haben Kreisrat Otto Bußjäger, Landrat Christoph Göbel und der Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (vorne von links) im vergangenen Jahr eröffnet. Wann das zweite gebaut werden kann, ist unklar.

(Foto: Claus Schunk)

Die Verbindung von Grasbrunn nach Neukeferloh kann nicht vollendet werden, weil die Fläche für ein 30 Meter langes Teilstück fehlt. Der Landkreis setzt weiter auf Verhandlungen, aber auch die Enteignung steht im Raum

Von Martin Mühlfenzl, Grasbrunn

Es geht lediglich um 167 Quadratmeter Grund, die ein Grasbrunner Eigentümer nicht verkaufen will - und die fehlen, um den Geh- und Radweg von Grasbrunn bis zum Ortseingang von Neukeferloh endlich zu vollenden. Im Kreisausschuss für Bauen und Schulen machte Landrat Christoph Göbel (CSU) nun aber deutlich, dass dieses noch fehlende Grundstück als letzte Möglichkeit per Enteignungsverfahren in den Besitz des Landkreises gebracht werden kann. "Klar, man kann rechtlich alles herstellen", sagte der Landrat.

2017 hat der Landkreis beschlossen, entlang der Kreisstraße M 25 Grasbrunn und den Ortsteil Neukeferloh mit einem Geh- und Radweg zu verbinden. Der erste, etwa 700 Meter lange Bauabschnitt von Grasbrunn bis zum Sportpark wurde im vergangenen Jahr eröffnet. Für den Bau des zweiten, etwa 1,2 Kilometer langen Abschnitts bis zum Ortseingang Neukeferloh sind alle Voraussetzungen geschaffen worden - bis auf den Erwerb des letzten noch fehlenden Grundstücks, auf dem lediglich 30 Meter Radweg entstehen sollen.

Der Besitzer des Areals weigert sich weiterhin standhaft, dem Landkreis seinen Grund zu verkaufen. Und er wird seine Meinung wohl auch nicht ändern. "Es ist vollkommen unmöglich, diesen Grund zu bekommen", sagte Freie-Wähler-Kreisrat Otto Bußjäger, der als ehemaliger Bürgermeister von Grasbrunn immer noch beste Einblicke in das Geschehen am Ort besitzt. "Vielleicht haben wir irgendwann mal die Chance, das Grundstück von den Erben zu bekommen", spekulierte Bußjäger.

So lange will der Kreistag aber nicht warten. Daher präsentierte die Verwaltung des Landratsamtes den Kreisräten mehrere Varianten, wie weiter vorgegangen werden soll. Darunter war auch der Bau des Radwegs mit einer Engstelle im Bereich des fehlenden Grundstücks. Diese aber lehnte das Gremium ab, weil sie nicht förderfähig ist, wie es aus der Verwaltung heißt.

Das Gremium votierte daher einstimmig dafür, bei den bisherigen Planungen zu bleiben, die einen Geh- und Radweg mit einer durchgehenden Breite von 2,5 Meter vorsehen. Die Gemeinde Grasbrunn soll noch einmal mit dem Grundstückseigentümer in Verhandlungen treten. "Wir wollen unbedingt, dass dieser Radweg vorangetrieben werden soll", sagte CSU-Kreisrat Helmut Horst. "Wir sollten unbedingt bei der Planung bleiben und versuchen, dass wir über die Gemeinde Zugriff bekommen." Auch sein Fraktionskollege Stefan Kern sagte, schon bei früheren Projekten sei es letztlich zu einem Erfolg gekommen, wenn die Gemeinde und nicht der Landkreis die Grundstücksverhandlungen geführt habe.

Ein Enteignungsverfahren als Ultima Ratio brachte Helga Keller-Zenth von den Grünen ins Spiel, die sagte, bei diesem Projekt würden "öffentliche Belange" eine entscheidende Rolle spielen; würden diese missachtet, könnte der Grundstückseigentümer doch gezwungen werden, das Areal an den Landkreis abzutreten.

Jetzt ist aber erst einmal die Gemeinde am Zug; Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) soll verhandeln. Der hatte schon vergangenes Jahr gesagt, für die Umsetzung eines solchen Projekts brauche es einen "langen Atem".

© SZ vom 03.12.2020
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