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Radverkehr:Der Landkreis lenkt

Um den geplanten Radschnellweg nach München voranzubringen, überträgt der Garchinger Bauausschuss die Federführung der Kreisbehörde. Die Zweifel an dem Trassenverlauf über die B 471 bleiben indes bestehen

Von Gudrun Passarge, Garching

Der Radschnellweg von München nach Garching, der einst mit großem Engagement angegangen worden ist, stockt bereits seit Längerem. Ein Grund ist die strittige Trassenführung, die Finanzierung ist ein zweiter. Nun bewegt sich wenigstens bei den Finanzen etwas. Der Garchinger Bauausschuss hat einstimmig zugestimmt, dass die Stadt eine Vereinbarung mit dem Landkreis unterzeichnet, wonach die Baulast im Garchinger Zuständigkeitsbereich auf den Landkreis übergeht.

"Das ist jetzt bloß eine Entscheidung darüber, dass der Landkreis die Federführung übertragen bekommt", beruhigte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) die Stadträte, die Sorge hatten, damit könnte auch schon eine Trasse feststehen. Die Stadt müsse sich einverstanden erklären, dass der Landkreis die Kosten mit dem Ministerium abrechnet. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass es die Idee des damaligen Verkehrsministers Joachim Herrmann war, dieses Pilotprojekt auf den Weg zu bringen, für das es 2017 in Garching eine Bürgerwerkstatt gab. Dort wurden die Trassen äußerst kontrovers diskutiert und eine Mehrheit sprach sich gegen die von den Planern favorisierte Route über die B 471 und das Hochbrücker Gewerbegebiet aus. Mittlerweile erkennen auch die Planer, dass trotz Machbarkeitsstudie diese Trasse an der engen B 471 mit den beiden Parallelstraßen nur äußerst schwierig umzusetzen wäre. "Diese Variante ist ziemlich unwahrscheinlich", befand Walter Kratzl (Grüne) im Bauausschuss. Allerhöchstens sei eine aufgeständerte Trasse denkbar, die entsprechend teuer käme. Auch andere Stadträte lehnten diese Wegführung ab und machten sich noch einmal Gedanken über die richtige Route, die jedoch gar nicht zur Debatte stand bei dieser Entscheidung. Bastian Dombret etwa bezeichnete sich als großer Freund des Radschnellwegs, aber die in der Machbarkeitsstudie favorisierte Trasse sei nicht sinnvoll für die Garchinger, sie würde einen Riesenumweg nach München bedeuten, ein Streckenaufschlag von 25 Prozent, "das macht kein Radler freiwillig", befand Dombret, "damit macht man die ganze Idee kaputt".

Der Bürgermeister allerdings betonte, die genaue Trasse werde erst noch festgelegt. Dabei würden natürlich die Vorstellungen der Stadt berücksichtigt. Diskutiert worden waren etwa Wegführungen am Schleißheimer Kanal vorbei zum TU-Campus. Dagegen allerdings sprach sich Christian Furchtsam (CSU) aus: "Die Trasse durchschneidet den Ort und schneidet Hochbrück vom Ortspark ab, das ist völliger Unsinn." Gruchmann brachte auch noch andere Varianten ins Spiel, etwa eine Abzweigung an der Olympia-Schießanlage durch die Heide. Aber im Bauausschuss ging es ja nur um die Finanzierung des Wegs. "Ich freue mich, dass endlich etwas vorwärtsgeht", sagte der Fahrradbeauftragte des Stadtrats, Rudi Naisar (SPD), "es ist bloß schade, dass sich der Freistaat aus der Verantwortung nimmt." Das Fahrrad jedenfalls als Verkehrsmittel, das habe Corona bewiesen, sei das einzige, "das unumschränkt nutzbar ist".

Die Trassenführung ist also noch ungeklärt, aber auch, wer den Weg jetzt letztendlich mit wie viel Geld bezahlt, steht noch nicht fest. Bürgermeister Gruchmann stellte klar, "ich habe immer deutlich gemacht, dass wir uns nicht für die Finanzierung verantwortlich fühlen". Letztendlich liege es jetzt am Landrat "welche Zusagen er dem Ministerium macht". Sollte der Landkreis den Weg bezahlen, dann wäre Garching zwar auch beteiligt, aber die Kosten würden auf alle 29 Kommunen umgelegt. Florian Baierl, Fraktionssprecher der Unabhängigen Garchinger, wies auf weitere Kosten wie Schneeräumpflicht oder die Verkehrssicherung hin. Da könne man ja über einzelne Streckenabschnitte reden, wo die Stadt eh auf schon existierenden Wegen Schnee räume, sagte der Bürgermeister.

© SZ vom 19.06.2020

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