S-Bahn München :Pullach fühlt sich abgehängt

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Die S 7 soll künftig zwischen Wolfratshausen und dem oberirdischen Gleis 36 am Hauptbahnhof pendeln. (Foto: Claus Schunk)

Die S 7 soll von Dezember an nicht mehr auf der Stammstrecke fahren, sondern von Wolfratshausen nur noch bis zum Starnberger Flügelbahnhof. Dagegen wehrt man sich im Isartal.

Von Lisa Marie Wimmer, Pullach

Der Freistaat Bayern und die Deutsche Bahn wollen die Münchner S-Bahn „besser und stabiler machen“. Das schreiben sie in einer Pressemitteilung des Ministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr. Doch zu welchem Preis? Denn über die in der Mitteilung verkündeten Pläne zur „Modifizierung“ der S 7 ist man in Pullach alles andere als begeistert. Die CSU-Fraktion im Pullacher Gemeinderat sieht in dem Vorhaben sogar einen „Rückschritt in Sachen Verkehrswende“. Es stehe zu befürchten, dass die Bürgerinnen und Bürger wieder auf das Auto umsteigen.

Doch was genau steckt hinter der sogenannten „Modifizierung“? Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember dieses Jahres soll die S-Bahn-Linie S 5 ihr Comeback feiern. Im Zuge dieser Änderung soll dann die S 7, Pullachs einzige ÖPNV-Anbindung an die Stadt München, nicht mehr auf der Stammstrecke fahren. Stattdessen soll sie von Wolfratshausen kommend von der Donnersbergerbrücke ohne Halt an der Hackerbrücke zum Starnberger Flügelbahnhof des Hauptbahnhofs durchfahren, wo sie wieder wendet. Von diesem neuen Modell erhofft man sich laut der S-Bahn München, die S 7 wieder zuverlässiger zu machen und die Belastung der Hauptschlagader Stammstrecke in den Spitzenzeiten zu reduzieren. Im Jahr 2023 betrug die Pünktlichkeitsquote auf dem West-Ast der Linie S 7 nur 87,9 Prozent. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) erwartet sich vom geplanten Fahrbahnwechsel sogar einen „klaren Qualitätsschub für die Fahrgäste“.

Gegen eine pünktlichere S-Bahn hat man in Pullach freilich nichts. Doch „die geplante Linienführung bis zum oberirdischen Starnberger Flügelbahnhof bringt erhebliche Nachteile für die Fahrgäste mit sich“, konstatiert auch Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne). Dass die S 7 am Hauptbahnhof nicht unterirdisch bei den S-Bahnen halten wird, sondern oberirdisch bei den Zügen auf Gleis 36 findet die Pullacher Gemeinderätin Caroline Voit (Pullach Plus) „überhaupt nicht prickelnd“. Sie denke dabei besonders auch an Jugendliche, die in den Abendstunden auf dem Weg heim sind, Eltern mit Kinderwagen oder ältere Herrschaften, die alle quer durch den Hauptbahnhof zum Starnberger Flügelbahnhof gehen müssen, um nach Pullach zu kommen.

Die Pullacher CSU forderte in ihrem Antrag, dass die S 7 von Wolfratshausen über die Stammstrecke bis zum Ostbahnhof fährt. Damit sei ein ungehindertes, individuelles Umsteigen zu jeder Tages- und Nachtzeit und bei jeder Witterung auch weiterhin möglich. In der jüngsten Gemeinderatssitzung schlossen sich alle Mitglieder des Gremiums dem Antrag an. Bürgermeisterin Tausendfreund wurde beauftragt, sich beim Freistaat Bayern und der Bayerische Eisenbahngesellschaft dafür einzusetzen.

Falls Pullachs Wunsch nicht berücksichtigt werden sollte, stimmte der Gemeinderat mit zwölf zu fünf Stimmen für einen Kompromissvorschlag. Dieser beinhaltet Optionen wie die Verlängerung der S 7 zumindest außerhalb der Hauptverkehrszeiten oder eine Fahrplananpassung, damit Fahrgäste Richtung Innenstadt an der Donnersbergerbrücke in eine möglichst gering ausgelastete S-Bahn einsteigen können. Caroline Voit ist eine von denen, die gegen diesen Kompromissvorschlag stimmten. Nicht, weil sie dagegen sei, sondern weil sie ein Zeichen setzen wolle, sagt sie. Denn die derzeitigen Planungen seien schlichtweg ein No-Go: „Da geht es mir um die Botschaft, die wir damit senden.“

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