Süddeutsche Zeitung

Architektur:Der Inbegriff des Brutalismus

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Während über die Umbenennung des Pullacher Otfried-Preußler-Gymnasiums diskutiert wird, wird der Schulbau aus den frühen Siebzigerjahren unter Denkmalschutz gestellt.

Von Lisa Marie Wimmer, Pullach

Graue Betonmauern, Flachdächer und bunte Türen - das Pullacher Otfried-Preußler-Gymnasium ist der Inbegriff der Architektur des Brutalismus. Dass der Schulbau deshalb jetzt unter Denkmalschutz gestellt werden soll, wäre in der Debatte um die Umbenennung der Schule wegen des nationalsozialistischen Frühwerks des Namensgebers untergegangen.

Das Staatliche Gymnasium in Pullach, wie es damals noch hieß und vielleicht bald wieder heißen wird, wurde in den Jahren 1970 bis 1973 nach Plänen der inzwischen verstorbenen Architekten Werner Fauser und Herbert Kriegisch im Stil des Brutalismus geplant und errichtet. Das künstlerische Konzept sowie Skulpturen steuerte Manfred Mayerle bei.

Manch einem Betrachter wird der graue Betonbau mit den vielen Treppen in Pullach vielleicht "brutal" vorkommen. Trotzdem leitet sich der "Brutalismus" nicht von diesem Wort ab, sondern kommt aus dem Französischen. "Béton brut" heißt so viel wie Sichtbeton. Und genau das ist es auch, was man am Otfried-Preußler-Gymnasium seit der Errichtung vor 51 Jahren zu sehen bekommt. "Das Gebäude spiegelt den Anspruch der späten 1960er- und frühen 70er-Jahre wider, dem Gymnasium als wichtiger Ort schulischer Bildung einen angemessenen, die demokratischen Wertevorstellungen und Ziele der Schulreformen der 1960er-Jahre vermittelnden architektonischen Rahmen zu geben", formuliert es Lea Kramer vom Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege.

Im öffentlich einsehbaren Bayerischen Denkmalatlas ist das Otfried-Preußler-Gymnasium bereits aufgelistet. Jedoch mit dem Vermerk "Benehmen nicht hergestellt", da das Verfahren nicht abgeschlossen ist. Unabhängig davon, so teilt es das Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege mit, ist das Gymnasium schon ein Denkmal, denn es erfülle die Kriterien nach dem ersten Artikel des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler. Dieses definiert Denkmäler als ein "von Menschen geschaffene Sachen oder Teile aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit" liegen.

"Nicht wirklich überraschend" kommt die Aufnahme in die Denkmalliste für die Pullacher Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund. Aufgrund der Planungen zum neuen Schulcampus am jetzigen Standort des Pullacher Gymnasiums sei man mit dem Amt für Denkmalpflege ohnehin im regelmäßigen Austausch, sagt die Grünen-Politikerin. Denn das Gymnasium in Pullach soll einen Neubau erhalten. Einfluss auf die Planungen, die sich mit der ersten Stufe der Machbarkeitsstudie noch in einem relativ frühen Stadium befinden, hat die Entscheidung des Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege laut der Rathauschefin allerdings wenig. Tausendfreund ist sich sicher, auch im weiteren Verlauf des Bauvorhabens gemeinsam mit dem Amt für Denkmalpflege "gute Kompromisslösungen" zu finden, um am Ende einen "modernen Schulcampus" in Pullach realisieren zu können.

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