In Pullach sorgt der geplante Neubau einer Kita für Diskussionen. Auf dem Grundstück an der Kreuzeckstraße 21 in Großhesselohe, dort steht bislang ein Wohnhaus, möchte die Gemeinde eine größere Kindertagesstätte errichten. Weil die dafür nötige Geschossflächenzahl im reinen Wohngebiet nicht zulässig ist, soll der Bebauungsplan geändert werden. Der Gemeinderat hat am Dienstag mit knapper Mehrheit die Vorentwurfsplanung genehmigt und Stellungnahmen zum Bebauungsplan abgewogen. Einigen Anwohnern missfallen die Pläne. Sie kritisieren vor allem den aus ihrer Sicht fehlenden Bedarf an weiteren Betreuungsplätzen, den Standort in einem reinen Wohngebiet und sie erwarten ein höheres Verkehrsaufkommen. Zum Bebauungsplan hatten sie eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben. 80 Personen unterstützen sie mit ihrer Unterschrift. Einige von ihnen waren im Gemeinderat anwesend.
Auslöser der Diskussion ist der geplante Neubau einer Kita mit zwei Krippen- und zwei Kindergartengruppen. Vorgesehen ist ein zweigeschossiger Holzmodulbau. Kämmerer André Schneider begründete, warum die Gemeinde die Kita an dieser Stelle für notwendig hält. Er verwies darauf, dass das Kinderhaus St. Gabriel zuletzt zwei Gruppen geschlossen habe und zum Herbst weitere zwei Gruppen geschlossen würden. „Vier Gruppen fallen ersatzlos weg“, sagte er. 30 Kinder seien schon jetzt in Einrichtungen außerhalb von Pullach untergebracht. Die Lage sei „katastrophal“.
Der Bau an der Kreuzeckstraße komme einem „Befreiungsschlag“ gleich, er könnte im Sommer 2027 abgeschlossen sein und habe dann Platz für vier Gruppen. Besonders mit Blick auf die Betreuungseinrichtung Mäuseburg, in der zwei Krippengruppen seit Langem in Containern und zwei Kindergartengruppen im alten Polizeigebäude untergebracht sind, würde der Neubau dringend benötigten Spielraum schaffen. Die Idee dahinter: Die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die Trägerin der Mäuseburg ist, könnte im Sommer 2027 mit vier Gruppen in den Neubau an der Kreuzeckstraße ziehen. Die zwei Gruppen in der alten Polizei würden aufrechterhalten. „Dann wären zwei Gruppen aufgefangen“, erklärte Schneider. 2029 könnte die Awo in die bis dahin neu gebaute Mäuseburg mit bis zu sechs Gruppen zurückziehen.
Schneider machte deutlich, dass die Gemeinde den Standort wegen seiner günstigen Lage im Ort für sinnvoll hält. In Großhesselohe gebe es keine Krippe. Die Gemeinde habe alternative Standorte geprüft. Man werde die Träger aber nicht „kannibalisieren“, indem man eine Einrichtung direkt neben eine bestehende baue.
Zur Verkehrssituation gewährte Verkehrsplaner Andreas Bergmann einen Überblick. Das Büro veranlasste am Knotenpunkt Kreuzeckstraße/Kastanienallee an drei repräsentativen Werktagen Verkehrszählungen. Zentrale Erkenntnisse sind: Als Wohnstraße dürfte die Kreuzeckstraße bis zu 400 Fahrzeuge pro Stunde in der Spitzenstunde aufweisen, der gezählte Maximalwert habe jedoch nur bei 55 in der Stunde gelegen. Morgens, wenn die Eltern ihre Kinder zur Kita fahren, erwartet der Planer durch den Neubau bis zu 33 zusätzliche Fahrten. Insgesamt stuft er das Vorhaben als „verkehrsverträglich“ ein. Für die Hol- und Bringzone empfiehlt das Planungsbüro den angrenzenden Park-und-Ride Parkplatz an der S-Bahnstation Großhesselohe.
Im Gremium wurde vor allem über die Notwendigkeit zusätzlicher Plätze intensiv diskutiert. Michael Reich (FDP) zweifelt daran, ob die Bedarfsprognosen darauf hinwiesen, dass mehr Raum gebraucht werde. Sein Eindruck sei, es mangele an Fachkräften, vielmehr brauche es Wohnraum für diese. Schneider räumte ein, dass das ein Punkt sei, betonte aber zugleich, dass bessere Räume die Attraktivität für Fachkräfte erhöhten. Verwaltungsmitarbeiterin Daniela Wimmer wies auf die Unwägbarkeiten von Prognosen hin, Geburtenraten verliefen in Wellen.

Reinhard Vennekold (Wir in Pullach) sieht Bedarf nur für eine Krippengruppe, dafür hält er den Bau mit den anvisierten Kosten von 7,5 Millionen Euro für „überdimensioniert“. Er warb dafür, jetzt in der Mäuseburg loszulegen. Von den Grünen kam Zuspruch. „Ich sehe es als klassischen Interessenkonflikt“, sagte Florian Gering. Auf der einen Seite stünden die Anwohner mit ihren verständlichen Sorgen um den Verkehr. Auf der anderen die Eltern, die einen Betreuungsplatz brauchten – was seiner Ansicht nach schwerer wiege. Parteikollege Peter Bekk äußerte sich ähnlich. Er habe großes Verständnis für die Verkehrssorgen der Anwohner. Aber für die Einstellung „Not in my backyard“ fehle ihm das Verständnis. Ihn überzeuge die Bedarfsplanung und sollte die Prognose nicht stimmen, „dann haben wir eben ein paar Plätze mehr“.
Die Größe der Kita müsse zum Wohngebiet passen, sagt einer der Anwohner
Gegen die Aussage, dass „Not in my backyard“ die Motivation der Großhesseloher sei, verwahrte sich Tilman Krebs, der für die Anwohner sprach. Wenn es keine bessere Alternative für eine Krippe gebe, würde man sich dem Vorschlag der Verwaltung aufgeschlossen zeigen. Er betonte aber, dass die Größe zum Wohngebiet passen sollte. Der geplante Bau stehe in Kontrast dazu. Auch zweifelte Krebs erneut am Bedarf: Er verstehe nicht, warum etwa 100 Krippenplätze gebraucht würden, wenn aktuell nur 55 Pullacher Krippenkinder eine Pullacher Einrichtung besuchten. Wimmer sagte dazu, dass es dort derzeit 146 Kinder im Krippenalter gebe und theoretisch alle Anspruch auf einen Platz hätten.
Von den Anwohnern ist weiterer Widerstand zu erwarten. Wie Krebs und andere Anlieger der SZ nach der Sitzung signalisierten, überzeuge sie die Darstellung der Verwaltung nicht. Die Argumente zu den Alternativen könnten sie nicht nachvollziehen. Etwa neben dem Kindergarten Isarspatzen eine Krippe zu errichten, sähen sie nicht als Konkurrenz. Sie planen, bei der nächsten öffentlichen Auslegung erneut eine Stellungnahme einzureichen.

