Energieversorgung:Pullach plant Geothermie-Projekt ohne die Stadtwerke

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Bei seismischen Untersuchungen sind Heißwasservorräte unter dem südlichen Landkreis München gefunden worden. Die werden nun wohl ohne die Stadtwerke München erschlossen. (Foto: Claus Schunk)

Weil sich die beiden Partner über die Bedingungen nicht einig werden, wird aus dem geplanten Joint Venture wohl nichts. Deshalb will der kommunale Versorger IEP nun alleine drei der ursprünglich sechs vorgesehenen Bohrungen finanzieren.

Von Michael Morosow, Pullach

Die Kooperation der Pullacher Geothermie-Gesellschaft IEP mit den Münchner Stadtwerken (SWM) steht auf der Kippe. Grund für ein mögliches Scheitern des gemeinsam angestrebten Geothermieprojekts sind nach Darstellung des IEP-Aufsichtsratsvorsitzenden Andreas Most Forderungen der Münchner, die man nicht erfüllen wolle. So etwa strebten die SWM eine Mehrheit in der Gesellschafterversammlung an und wollten die Risikoübernahme überwiegend zu Lasten der IEP geregelt sehen. "Risiken auf die Gemeinde abwälzen und uns dominieren zu wollen, das brauchen wir nicht", sagte Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) am Mittwochabend im Gemeinderat. Wenn die SWM von ihren Forderungen nicht abrücken, werden die Pullacher das Projekt alleine vorantreiben - wenn auch vorerst nur mit zwei statt der geplanten sechs Bohrungen. Dafür werden sie aber auch die Wärmeerträge komplett im Ort behalten.

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Dazu hat der Gemeinderat mit einem einstimmig gefassten Grundsatzbeschluss der IEP den Weg frei gemacht für einen Alleingang auf dem eigenen Claim in Baierbrunn: Die Eigenkapitalfinanzierung in Höhe von 30 Millionen Euro durch die Gemeinde gilt nun auch für den Fall eines Scheiterns des Joint Ventures mit den Stadtwerken, die sich am Donnerstag dazu nicht äußern wollten.

"Die Stadtwerke versuchen uns über den Tisch zu ziehen."

Bis zum Jahr 2026 wollten die SWM und die IEP eigentlich gemeinsam die mit drei Bohr-Doubletten größte Geothermieanlage Deutschlands auf Flur der Pullacher Nachbargemeinde Baierbrunn errichtet haben und hatten dazu ein Joint Venture beschlossen, mit geteilten Rechten und geteilten Ausgaben, wobei für eine Bohrdoublette mit Kosten in Höhe von circa 30 Millionen Euro gerechnet wird. Laut Beschlussvorlage für den Gemeinderat hat IEP-Geschäftsführer Helmut Mangold in einer Aufsichtsratssitzung vom 6. Juli darüber berichtet, dass sich die Vertragsverhandlungen mit den SWM schwierig gestalteten, weil unter anderem das Risiko plötzlich nicht wie von den Pullachern angenommen auf beiden Schultern verteilt werden, sondern überwiegend zu Lasten der IEP gehen soll. Die Risikotranche ist dabei bis zu 60 Millionen Euro schwer. "Die Stadtwerke versuchen uns über den Tisch zu ziehen", sagte Andreas Most am Donnerstag der SZ. "Und sie wollen eine gesellschaftliche Mehrheit und damit das Sagen haben, aber wir lassen uns nicht erpressen."

In Pullach sieht man sich allerdings auch in einer starken Verhandlungsposition. "Der Claim gehört uns und wir werden laut Seismik fantastische Temperaturen und Schüttungsmengen haben", prophezeit Most, der das betriebswirtschaftliche Risiko als gering bezeichnet. "Und die Münchner Stadtwerke wollen bis zum Jahr 2040 den gesamten Wärmebedarf der Großstadt regenerativ decken." Dabei sei der Energiehunger Münchens unbegrenzt. "Wir brauchen eine politische Lösung", sagt Most in Richtung von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der SWM ist. Im Gemeinderat war man sich darin einig, sich das Vorgehen der Stadtwerke nicht gefallen zu lassen. "Vertragspartner, die versuchen, uns auszuspielen, müssen wir klare Kante zeigen", sagte etwa Reinhard Vennekold von der Fraktion der Wählergruppe Wir in Pullach.

An ihrem Ziel, bis 2026 die Bohrungen und den Bau nötiger Anlagen abgeschlossen zu haben und von 2027 an geothermische Wärme liefern zu können, will die IEP laut Andreas Most festhalten, ob mit oder ohne den Münchner Stadtwerken. Über mangelnde Nachfrage müssen sich Geothermie-Betreiber wahrlich keine Sorgen machen: "Die IEP kann sich aktuell gar nicht retten vor Anschlusswünschen in der Gemeinde", berichtete der IEP-Aufsichtsratsvorsitzende im Gemeinderat, dem er selbst für die Fraktion Pullach Plus angehört. Die Tür für die Stadtwerke sei aber auch bei einem Scheitern des Joint Ventures nicht für immer zugeschlagen, sie könnte sich später noch einklinken, sagt er. Dann aber wohl zu Pullacher Bedingungen.

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