Zwei Soldaten in Uniform, die sich umarmen, Peace-Zeichen, Friedenstauben und Regenbogen – die farbenfrohen Kinderbilder, die derzeit im Foyer des Pullacher Rathauses zu sehen sind, haben eines gemeinsam: Sie sollen zeigen, wie eine Welt in Frieden aussehen könnte.
Die Zeichnungen und Gemälde sind im Rahmen des 2015 in Italien ins Leben gerufenen internationalen Friedensprojekts „Colors for Peace“ entstanden und werden bis 11. Dezember ausgestellt. „Ziel der Initiative ist es, Kindern aus der ganzen Welt eine Stimme für Frieden zu geben“, sagt die Kunsthistorikerin und Kuratorin Emily Barsi, die zum Team der offenen Ganztagsschule am Pullacher Gymnasium gehört und das Projekt in Deutschland koordiniert. Angesichts der weltweit wachsenden Konflikte könnte das Projekt nicht aktueller und bedeutungsvoller sein. „Die Botschaften der Kinder erinnern uns daran, dass Frieden kein abstraktes Ziel ist, sondern ein dringendes Bedürfnis der kommenden Generationen“, sagt Barsi.
Mittlerweile haben mehr als 200 000 Kinder aus 151 Ländern teilgenommen und Bilder gemalt, wie sie sich Frieden vorstellen. Zum zweiten Mal haben nun Schülerinnen und Schüler aus Pullach mitgemacht. Barsi sowie ihre Kollegen Martin Spitzweck und Jana Schnell von der vom Kreisjugendring getragenen offenen Ganztagsschule am staatlichen Gymnasium Pullach, haben die Ausstellung organisiert. Gymnasiasten der fünften, sechsten und siebten Klasse, die das Nachmittagsprogramm der offenen Ganztagsschule besuchen, haben Bilder gestaltet, ebenso Schüler der offenen Ganztagsschule an der Josef-Breher-Mittelschule und Viertklässler der Grundschule.

Im Rathaus sind rund 100 Bilder von Pullacher Kindern zu sehen, die anderen etwa 50 stammen von Kindern aus Ländern wie Israel, Senegal und Kongo. Ausgewählte Werke werden bei dem Projekt immer auf die Reise in andere Länder geschickt – auch die Pullacher Bilder im Anschluss an die Ausstellung.
Bei der Initiative geht es nicht alleine darum, dass die Schüler ihre Vorstellungen malerisch umsetzen. „Die Kinder bekommen auch eine Erziehung zum Frieden“, sagt Barsi. So fanden Workshops statt, in denen die Schüler anhand einiger Fragen reflektieren konnten: Könnt ihr euch vorstellen, wie Kinder im Krieg leben? Was ist für euch am wichtigsten, um ein Friedensgefühl zu haben? Auch über Rassismus und Mobbing wurde gesprochen.
Die Bilder in der Ausstellung zeigen, wie unterschiedlich die Gedanken der Kinder zum Thema Frieden sind. Für ein ukrainisches Mädchen symbolisieren den Zustand eben die sich umarmenden Soldaten. Ein anderes Kind malte eine Uhr, auf der statt Ziffern Elemente zu sehen sind, die Grausames zeigen wie Krieg, Umweltverschmutzung oder Rassismus. An der Position der Zwölf ist eine Friedenstaube zu sehen und dort stehen die Zeiger. „Es hat Frieden geschlagen“, heißt es dazu auf dem Bild. Andere haben ruhige Landschaften mit dem Filzstift zu Papier gebracht.

Die Pullacher Gymnasiasten setzten sich mit dem Schauspieler und Theaterpädagogen Martin Spitzweck noch anders mit dem Thema auseinander: Spitzweck ließ die Kinder mit dem Gedanken „Frieden beginnt bei dir“ Szenen dazu entwickeln, was Frieden für sie bedeutet. Heraus kam unter anderem ein kurzes Stück, bei dem ein Kind durch die Lehrerin falsch beschuldigt wird, sich später auch noch von der besten Freundin enttäuscht fühlt, sich also durch kleine Dinge ins Abseits gedrängt fühlt, am Ende aber wieder seinen inneren Frieden findet. Die acht Szenen sollten am Freitag, 28. November, von 16 Uhr an im Theatersaal des Gymnasiums aufgeführt werden. Die Ausstellung ist noch bis 11. Dezember zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.

