bedeckt München
vgwortpixel

Pullach:Krieg in den Köpfen

nino haratischwili

In ihrem Roman schreibt Nino Haratischwili über einen Russen, der sich nach vielen Jahren seiner Verbrechen im Tschetschenien-Krieg stellt.

(Foto: Danny Merz/Sollsuchstelle)

Nino Haratischwili eröffnet mit "Die Katze und der General" Lesereihe in Pullach

Wie verändert der Krieg einen Menschen? Dieser Frage möchte die erfolgreiche Autorin Nino Haratischwili in ihrem Roman "Die Katze und der General" am Beispiel von Alexander Orlow nachgehen. Eher widerwillig wird der junge Russe Mitte der Neunzigerjahre zum Soldaten und kämpft im Ersten Tschetschenienkrieg, wo er gemeinsam mit seinen Kameraden eine junge Frau vergewaltigt und ermordet. Seiner Schuld ist sich Orlow bewusst, er setzt sich zunächst für die Aufklärung des Falles ein. Doch das russische Militärgericht will die Männer nicht zur Verantwortung ziehen. Durch sein Schweigen erkauft sich Orlow eine Stellung im Immobiliengeschäft und steigt zum mächtigen Oligarchen auf. Erst Jahre später fasst er den Entschluss, das Verbrechen zu sühnen.

In Auszügen wird Nino Haratischwili nun in der Pullacher Charlotte-Dessecker-Bücherei aus ihrem Roman vorlesen. Die Veranstaltung ist der Auftakt zur Lesungsreihe "Literatur im Süden", die heuer unter dem Motto "Krieg und Frieden" steht. Anlass ist laut Bibliotheksleiterin Eveline Petraschka das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg, dessen Ausbruch sich 2019 zum 80. Mal jährt. Geplant sind im Laufe des Jahres zahlreiche Buchvorstellungen, Lesungen und Autorengespräche zu aktuellen Belletristik- und Sachbüchern. Unter anderem präsentiert der Historiker Volker Ullrich am 5. Juli seine Biografie "Adolf Hitler - die Jahre des Untergangs" und Friedrich Ani liest am 24. Oktober aus "All die unbewohnten Zimmer". Ein Höhepunkt der Reihe soll zudem eine Veranstaltung mit dem Münchner Schriftsteller und Juristen Georg M. Oswald sein, der die Grundrechte im Zusammenhang mit dem Thema "Frieden" diskutieren wird.

In Nino Haratischwili ist "eine der wichtigsten jungen deutschsprachigen Autorinnen" zu Beginn der Reihe in Pullach zu Gast, wie Petraschka betont. Für ihre Theaterstücke und Romane erhielt die im georgischen Tbilissi geborene Schriftstellerin diverse Auszeichnungen, unter anderem den Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, den Anna-Seghers-Literaturpreis und den Bertolt-Brecht-Preis. Zur Wiedereröffnung der Charlotte-Dessecker-Bücherei nach der Generalrenovierung im Jahr 2015 hat Haratischwili in Pullach bereits ihren Roman "Das achte Leben" vorgestellt.

Während der Verlag "Die Katze und der General" als "psychologisch tiefenscharfen Schuld-und-Sühne-Roman über den Krieg in den Ländern und in den Köpfen, über die Sehnsucht nach Frieden und Erlösung" anpreist, zeigten sich etliche Kritiker weniger begeistert. Nino Haratischwili verwandelt in ihrem Roman (...) den Tschetschenien-Krieg in eine Seifenoper", schreibt etwa Wiebke Porombka von der Zeit. Nichtsdestotrotz wurde "Die Katze und der General" im vergangenen Jahr für die Shortlist des deutschen Buchpreises nominiert.

Die Lesung mit Haratischwili findet statt am Donnerstag, 28. Februar, im Bürgerhaus, Beginn: 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet acht Euro. Moderiert wird die Veranstaltung von Cornelia Zetzsche vom BR.