Von grün zu schwarz und von Frau zu Frau: In Pullach übernimmt im Mai die CSU-Politikerin Christine Eisenmann den Chefsessel im Rathaus von Susanna Tausendfreund, der ersten, einzigen und vorerst auch letzten Grünen-Bürgermeisterin im Landkreis München. Gegen vier Mitstreiterinnen und Mitstreiter hatte sie es bei der Kommunalwahl im März in die Stichwahl geschafft und in dieser schließlich Tausendfreund besiegt; was ihr vor sechs Jahren, als sie erstmals angetreten war, noch versagt geblieben war.
Dass die Pullacher das höchste Amt im Rathaus auch weiterhin einer Frau anvertrauen, findet die 59-Jährige „einfach schön“. Als Bautechnikerin hat Eisenmann früher, wenn sie auf Baustellen kam, oft Vorbehalte erlebt. Da hätten Männer immer wieder hinterfragt, wie es um ihre Ausbildung stehe. Für ihren Geschmack hätte die CSU in Pullach bei der jüngsten Wahl auch gerne mehr weibliche Kandidaten nominieren können. „Wir haben die letzten sechs Jahre wirklich versucht, Frauen zu begeistern“, sagt Eisenmann.
Die geborene Münchnerin lebt seit 2004 in Pullach, wo sie 22 Jahre lang bis zu ihrer ersten Kandidatur im Rathaus beschäftigt war – den Weg in ihr neues Büro sollte sie am kommenden Montag somit ohne Probleme finden. Nach ihrer damaligen Niederlage hatte sie die Gemeindeverwaltung verlassen, in die sie nun als Nachfolgerin ihrer früheren Chefin zurückkehrt. In den Jahren dazwischen war sie im bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr tätig.
Als Rathauschefin möchte sie zunächst mit Priorität den Pullacher Bahnhof angehen und dabei ihre berufliche Expertise ausspielen. „Das ist ja wirklich schrecklich, wie der aussieht“, sagt sie. Seit Jahren schon will die Gemeinde den allgemein als Schandfleck empfundenen S-Bahnhalt sanieren, im Gemeinderat ist man sich aber uneinig, wie das genau vonstattengehen soll. So sind ein Kultursaal in der Wartehalle oder ein Familien- und Seniorenzentrum im Gespräch. Inzwischen ist das Dach des denkmalgeschützten Bahnhofs instabil, die Leitungen sind alt, die Fassade bröckelt und um die Bausubstanz zu stabilisieren, mussten Holzstützen eingezogen werden.
Probleme sollen angepackt und „nicht erst eine Machbarkeitsstudie“ beauftragt werden
Eisenmann sieht das Thema pragmatisch: „Wir haben drei Jahre hier verschleppt mit Ideen, die dann doch nicht umgesetzt wurden. Das muss jetzt einfach mal hergerichtet werden, damit es ordentlich nutzbar ist und ich keine Angst haben muss, dass mir was auf den Kopf fällt, wenn ich durchlaufe.“ Ob zu einem späteren Zeitpunkt „irgendetwas als Bereicherung für Pullach“ in den Bahnhof einzieht, „würde ich auf ein anderes Blatt setzen“.
Diese Einstellung, „Ärmel hochkrempeln und machen“, ist es auch, was sie wohl am meisten von ihrer Vorgängerin unterscheidet. „Wenn eine Straße sanierungsbedürftig ist, dann will ich die Straße sanieren und nicht erst eine Machbarkeitsstudie oder eine Planung für ein Mobilitätskonzept in Auftrag geben“, sagt die künftige Rathauschefin.

